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Kultur im Norden Figuren unter schwerem Himmel
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14:26 05.12.2018
„Zeitalter fingen an und endeten, so einfach war das“: Grass-Haus-Leiter Jörg-Philipp Thomsa und Dörte Hansen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Brinkebüll ist einer dieser Orte, in denen die Dinge so waren, weil sie immer so waren. Es tat sich nicht viel. Aber irgendwann begannen die Dinge sich zu verschieben. „Die Zeit der Bauern ging zu Ende“, beschreibt Dörte Hansen das in ihrem Buch. „Man blies das Feuer aus, man brach die Zelte ab und ließ die Sesshaften zurück. ... Zeitalter fingen an und endeten, so einfach war das.“ Aber so einfach war es dann doch nicht, und davon handelt ihr Roman.

Am Dienstag hat sie daraus in den Kammerspielen des Theaters Lübeck gelesen, eine Veranstaltung des Günter-Grass-Hauses und der Overbeck-Gesellschaft. Man hätte auch das Große Haus füllen können, sagte Grass-Haus-Leiter Jörg-Philipp Thomsa, die Lesung sei seit zwei Wochen ausverkauft gewesen. Aber das ist wenig erstaunlich bei einer der erstaunlichsten Autorinnen der vergangenen Jahre. Mit „Altes Land“ hat sie vor drei Jahren einen gewaltigen Erfolg gehabt, und es sieht ganz so aus, als sollte das mit „Mittagsstunde“ nicht anders sein.

Dörte Hansen war nach ihrer Linguistik-Promotion in den Journalismus gegangen. Sie hatte viel frei gearbeitet, zuletzt aber beim NDR. Als dort 2012 ihr Vertrag auslief, hat sie ihn nicht verlängert und sich an „Altes Land“ gemacht. Inzwischen lebt sie wieder in der Nähe ihres Heimatortes in Nordfriesland und schreibt in einem kleinen Büro in Husum mit Blick in den Garten von Theodor Storm. Das aber tut sie mit Bedacht und eigener Methode.

Sie müsse erst einen Satz stimmig fertig haben, bis der nächste folgen könne, sagte sie im Gespräch mit Thomsa. Da müsse ein Rhythmus sein, sie lese laut mit. Aber dafür schreibe sie eben auch nur eine Fassung. „Mittagsstunde“ sei kein autobiografisches Buch. Das hätte sie nicht gereizt. Da hätte sie ja gewusst, wie es ausgeht. Aber wenn sie beschreibt, wie die neue Zeit durch Brinkebüll marschiert und ihre Verheerungen hinterlässt, dann hat das natürlich auch mit ihr und ihrer Biografie zu tun.

Mittagsstunde“ ist bevölkert von genau gezeichneten Figuren in einem Landstrich, über den der Wind und die Zeit ziehen und auf dem meist ein schwerer Himmel lastet. Dörte Hansen beschreibt das in wunderbaren Bildern und einem lakonischen Ton, der neben einem ausgeruhten Humor immer auch etwas Melancholisches hat. Und weil die Hauptperson Ingwer Feddersen im Dorf „Kümmerling“ genannt wurde, erhielt jeder Besucher einen der kleinen Kräuterliköre. Mit Günter Grass habe es nach gelungenen Veranstaltungen auch immer einen Schnaps gegeben, sagte Thomsa. Diese Tradition solle man eigentlich beibehalten.

Der Abend war nach Lesungen mit Clemens Meyer, Ralf Rothmann oder Karen Duve schon der siebte in der Reihe „Grass meets Overbeck“. Im neuen Jahr werden die Autoren Judith Schalansky („Verzeichnis einiger Verluste“) und Saša Stanišic („Vor dem Fest“) nach Lübeck kommen.

Peter Intelmann

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