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18:14 15.01.2018
Kleingruppenbild mit Bär: Til Schweiger (l.) als Luke und Matthias Schweighöfer als Theo – Szene aus „Hot Dog“. Quelle: Foto: Warner Bros./dpa
Berlin

In „Hot Dog" ist Til Schweiger einmal mehr der coole Typ und Matthias Schweighöfer der Nerd. Könnte das auch andersherum funktionieren?

Til Schweiger: Wahrscheinlich nicht so gut. Man weiß aus der Marktforschung, dass der Zuschauer seinen Star nur in seiner gewohnten Rolle sehen möchte. Es gibt ja auch hunderttausend Beispiele, die das belegen. Bei „Twins“ wäre auch niemand auf die Idee kommen, dass Danny DeVito den Bruder spielt, dem alles gelingt, während Schwarzenegger der Zukurzgekommene ist. So eine Verteilung wäre bestimmt mal interessant. Aber es geht um viel zu viel Geld, um das Experiment zu wagen, mich als Nerd und Matthias als den Tough Guy zu zeigen.

Was hat der eine von Ihnen, was der andere nicht hat?

Matthias Schweighöfer: Ich habe leider nicht Tils Aussehen. Aber wir beide können gut Verantwortung tragen. Was das Filmische anbetrifft, hat Til das bessere Auge für die Kamera. Das kann ich nicht so gut. Dafür kann ich singen.

Bedeutet doppelte Starpower automatisch auch doppelten Erfolg?

Schweiger: Nicht zwangsläufig, das hat man ja bei „Vier gegen die Bank“ gesehen. Da waren sogar vier Stars am Werk. Der Film war nicht unerfolgreich, aber lange nicht so erfolgreich, wie es sich der Verleih vorgestellt hatte. Im Endeffekt geht es immer darum, ob die Leute die Geschichte annehmen oder nicht.

Herr Schweiger, in „Hot Dog" spielt auch Ihre Tochter Lilli mit, die bisher selten vor der Kamera stand. Wie kam es dazu?

Schweiger: Sie hat gesagt, dass sie das möchte, das hat mich selbst überrascht. Vorher wollte sie das nicht. Lilli hat in „Keinohrhasen“ eine kleine Rolle gespielt. Als sie den Film gesehen hat, musste sie feststellen, dass ihre kleine Schwester Emma eine viel größere Rolle hatte als sie. Das fand sie nicht so lustig. Also habe ich ihr versprochen, dass ihr Auftritt in der Fortsetzung gleichgroß ausfallen wird. Dazu kam es nicht. Lilli wollte lieber ein Jahr in Amerika zur Schule gehen und dort bei ihren Großeltern wohnen. Sie hatte den Entschluss gefasst, lieber privat zu bleiben und nicht so bekannt zu werden wie ihre Schwester. Kurz vor „Hot Dog“ hat sie aus dem Nichts heraus den Wunsch geäußert, es noch einmal zu versuchen.

Wie schwierig ist es, Zeit für sein Familienleben freizuschaufeln, wenn der berufliche Erfolg einsetzt?

Schweighöfer: Wir sind ja beide kein „One Hit Wonder“, sondern wir haben stetig am Erfolg gearbeitet. Die Menschen in unserem Umfeld sind alle mit dem groß geworden, was wir beruflich machen. Und mit der Öffentlichkeit. Sie haben auch unsere schwierigen Phasen miterlebt. Durch Til und die „Keinohrhasen“ habe ich zum ersten Mal kapiert, dass ich gar nicht auf Drehbücher warten muss. Man kann auch Filme selbst so durchziehen, wie man es gerne möchte. Vorher hatte ich Phasen, in denen ich acht oder neun Monate nicht gearbeitet habe. Und ich habe Kollegen in Rollen erlebt, die ich selbst gern gespielt hätte. Ohne die Erfahrung mit Til hätte ich all das nicht, was ich mir aufgebaut habe.

Sind Sie auch Konkurrenten?

Schweiger: Nee, Konkurrenz gibt es zwischen uns nicht. Wir haben ein ganz anderes Spielalter, und wir konkurrieren nicht um dieselben Rollen. Aber auch bei Schauspielern, die im selben Rollenfach liegen, wie zum Beispiel Wotan Wilke Möhring, gehen mir Konkurrenzgefühle ab. Das wird nur von außen projiziert. Es liegt ein bisschen in der deutschen Mentalität, etwas Negatives zu suchen. Da muss es doch Probleme geben, da müssen doch Neid und Eifersucht sein! Aber ich bin per se kein neidischer Mensch. Und auch nicht eifersüchtig.

Stichwort „MeToo“: Haben Sie hierzulande nie von Missbrauch gehört?

Schweiger: Sie können mir wirklich glauben, dass ich etwas sagen würde, wenn ich davon erführe, dass hier in Deutschland etwas derartiges passiert ist. Dass ich nichts davon weiß, bedeutet aber nicht, dass es das nicht gibt. Am schlimmsten finde ich in dieser Debatte die Stimmen, die sich darüber echauffieren, dass man einen verdienten Schauspieler wie Kevin Spacey so auseinandernimmt. Diese Leute machen sich keine Gedanken darüber, was dieser Mann gemacht hat! Bei Harvey Weinstein waren sich noch alle darüber einig, dass er ein Drecksack ist. Vor einiger Zeit hat die Deutsche Filmakademie eine Amnestie für Roman Polanski gefordert. Ich habe das nicht unterschrieben, weil es ja bewiesen ist, was er getan hat. Er ist nie dafür zur Rechenschaft gezogen worden.

Ich habe die ganze Sache intensiv verfolgt. Die „New York Times“ hat das System Weinstein aufgedeckt. Es war eben nicht Weinsteins Bruder Bob, der alles an die Öffentlichkeit gebracht hat. Er hat sogar die ganzen Schweigegelder bezahlt. Die Agenturen haben davon gewusst. Wenn sich die Schauspieler an die Agenturen gewandt und gesagt haben, der Typ hat mich vergewaltigt, dann hieß es: „Pass mal auf, nimm die Kohle hier. Wenn das rauskommt, ist deine Karriere vorbei und die von dem auch. Und uns entsteht ein riesiger Schaden. Also halt die Fresse!“

Schweighöfer: Ich fand es unglaublich, was da aufgedeckt wurde. Diese Brutalität, gerade in Amerika. Harvey Weinstein konnte alles zerstören, was sich andere für Ideen für einen Film gemacht haben. Aber so etwas beschränkt sich nicht nur auf die Filmindustrie, das gibt es überall. Ich würde auch nicht ausschließen, dass es Frauen in Machtpositionen gibt, die ähnlich handeln.

Wie haben Sie sich kennengelernt?

Schweighöfer: Ich bin Til zum ersten Mal begegnet, als er auf Kino-Tour in Chemnitz war. Ich habe eine Unterschrift von ihm gewollt, auf ein Plakat von „Knockin’ on Heaven’s Door“. Das ging so: „Wie heißt du?“ – „Matthias.“ – „Danke.“ Von da an war es Liebe auf den ersten Blick!

„Hot Dog“

In Torsten Künstlers Komödie „Hot Dog“ treffen zwei Schauspieler aufeinander, die beide auch als Filmemacher das Gesicht des deutschen Mainstream-Films mitprägen. Til Schweiger (54) spielt einen beinharten Ermittler mit Autoritätsproblemen, der dem fiktiven Sondereinsatzkommando „GSG-10“ angehört. Matthias Schweighöfer (36) verkörpert den regelversessenen Verwalter der Waffenkammer, der die harten Jungs von ferne bewundert. Natürlich raufen sich die gegensätzlichen Charaktere für einen schwierigen Fall zusammen.

Von André Wesche

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