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Doris Dörrie: Fukushima ist unser aller Katastrophe

Berlin Doris Dörrie: Fukushima ist unser aller Katastrophe

In ihrem neuen Film hilft eine junge Deutsche beim Wiederaufbau eines Hauses — Erschütternde Doku über Bootsflüchtlinge.

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Gelöste Stimmung: Doris Dörrie mit Darstellerin Rosalie Thomas (r.) und der Musikerin Nami Kamata, die in „Grüße aus Fukushima“ erstmals als Schauspielerin vor die Kamera trat.

Quelle: Michael Kappeler/dpa

Berlin. Fünf Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima will Regisseurin Doris Dörrie mit ihrem neuen Film Solidarität mit den Menschen in Japan bekunden. „Diese Katastrophe ist nicht die Katastrophe Japans, das ist unsere. Und dieses Gefühl der Verbundenheit, das wollte ich erzählen“, sagte die 60-Jährige bei der Berlinale.

In ihrem anrührend poetischen Spielfilm „Grüße aus Fukushima“ geht es um eine junge Deutsche (Rosalie Thomass), die in der Nähe des Unglücksreaktors einer störrischen alten Japanerin (Kaorie Momoi) beim Wiederaufbau ihres zerstörten Hauses hilft. Gedreht wurde ausschließlich in Japan. „Wir waren fast beschämt, wie dankbar und glücklich die Leute in den Notunterkünften waren, dass wir diesen Film machen“, sagte Dörrie. Das Team habe alle Sicherheitsregeln eingehalten, die Luft in der Katastrophengegend sei aber inzwischen nicht stärker verstrahlt als in München. Dörrie hat seit Jahren eine enge Beziehung zu Japan. Sie war schon 25 Mal in dem asiatischen Land. Auch ihr preisgekrönter Film „Kirschblüten — Hanami“ (2008) spielt zum Teil dort. „Grüße aus Fukushima“ kommt nach der Berlinale-Premiere gestern Abend am 10. März in die Kinos.

Mit einem erschütternden Film über das Flüchtlingssterben im Mittelmeer hat der Italiener Gianfranco Rosi das Berlinale-Publikum aufgerüttelt. Rosi zeigte im Wettbewerb um den Goldenen Bären seine Dokumentation „Fuocoammare“ (übersetzt: „Feuer auf See“). Der Regisseur erzählt vom Alltag auf der italienischen Insel Lampedusa, die seit Jahren Ziel Hunderttausender Bootsflüchtlinge ist.

„Mir geht es darum, eine Tragödie zu zeigen, die sich vor unser aller Augen abspielt. Wir tragen alle die Verantwortung dafür“, sagte Rosi. „Ich denke, was dort passiert, ist nach dem Holocaust eine der größten Tragödien der Menschheit.“ Der Film kontrastiert idyllische Szenen vom Alltag der italienischen Inselbewohner mit Momenten, die das Grauen der Flucht auf kleinen, völlig überfüllten Booten zeigen. Dabei blickt die Kamera sogar auf Sterbende. „Ich zeige, was passiert. Ich zeige nichts als die Wirklichkeit“, sagte Rosi, der 2013 für „Sacro Gra — Das andere Rom“ den ersten Goldenen Löwen der Filmfestspiele Venedig für einen Dokumentarfilm gewann.

Neben „Fuocoammare“ zeigt die Berlinale zahlreiche weitere Regiearbeiten über das Schicksal von Geflüchteten. In „Havarie“ (Forum-Reihe) erzählt der deutsche Filmemacher Philip Scheffner von einem realen Vorfall, der sich im September 2012 vor der spanischen Küste im Mittelmeer ereignete. Dort blicken Touristen von einem Kreuzfahrtschiff plötzlich auf ein kleines Schlauchboot voller Menschen — und umgekehrt.

LN

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