Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 3 ° wolkig

Navigation:
Drama, Märchen, Zauberei

Lübeck Drama, Märchen, Zauberei

Die Dramaturgie stimmte: Am Nachmittag war der Strom der Besucher eher noch ein Bach, um im Laufe der Stunden bis zu einem Meer anzuwachsen. Populäre Spielstätten wie das Theater Combinale und das Stadttheater quollen zum Teil über. Manche, wie das Partout oder das Figurentheater regulierten den Besucherfluss clever mit Zählkarten.

Voriger Artikel
Die Musik der Automaten
Nächster Artikel
Bühnendinner zum 175. Jubiläum des Thalia-Theaters

Henning Sembritzki, Rachel Behringer und Patrick Berg (von links) lasen auf der Probebühne des Theaters Auszüge aus dem „Räuber Hotzenplotz“. Das vorwiegend junge Publikum verfolgte die szenische Lesung mit Spannung.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn (3), Felix König (2)

Lübeck. An der Untertrave gibt es einen neuen Spielort: die Kulturdornse. Erstmals war dieser elegante Salon bei der Theaternacht dabei, und eröffnet wurde natürlich mit einem Klassiker. Goethe natürlich. Und was von Goethe? Selbstverständlich „Faust“ – das Vorspiel auf dem Theater. Eine Theorie des Bühnenspiels, ein heiter bis ernst gestimmter Dialog zwischen Dichter und Theaterdirektor, der den Konflikt zwischen Kunst und Kommerz zum Thema hat – das passt in die heutige Zeit. Im kleinen, gediegenen Raum mit der stuckverzierten Decke gab das Ensemble einen Einblick in das, was künftig in der Kulturdornse passieren soll: Lesungen mit Musik, vom hehren Dichtertext bis zu Erotika.

Was Theater bewirken kann, zeigte sich auf der Probebühne des Stadttheaters. Schon die szenische Lesung aus dem Weihnachtsmärchen „Der Räuber Hotzenplotz“ sorgte dafür, dass es unter den zahlreichen Kindern im Publikum mucksmäuschenstill wurde. Ist ja auch spannend, wie der Räuber mit seiner Pfefferpistole schießt und so Kasper und Seppel außer Gefecht setzt. Und als dann auch noch der böse Zauberer Petrosilius Zwackelmann auftauchte, war es um die Kinder endgültig geschehen. Rachel Behringer, Henning Sembritzki und Patrick Berg machten die Geschichte lebendig.

Spaß gab es auch im Theater Combinale mit der Impro-Truppe Instant SL. Burkhard Appelt, Rodolphe Bonnin und Stevie Heydeck machten aus Vorschlägen der Zuschauer Mini-Dramen mit extrem witzigen Potenzial – das ist sehr nahe dran an den Ursprüngen des Theaters und zum Brüllen komisch.

„Erstaunlich viele Kinder hier“, scherzte Theaterchef Peter Grünig im Fundus an der Moislinger Allee 42 – in der ersten Vorstellung am Nachmittag konnte er immerhin die siebenjährige Milena begrüßen, die mit ihrer Mutter Justina gekommen war. Ansonsten amüsierten sich Erwachsene an der hervorragenden komödiantischen und gesanglichen Darbietung von Franziska Volp und Nicola Reinitzer, die in „Schussel und Dussel“ zwei Kinder spielen, die sich auf den Weg machen, um ein Geheimnis zu lüften und dabei ihre Ängste überwinden.

Die elfjährige Lilly fand sich unversehens auf der Bühne im Figurentheater im Kolk wieder: Sie musste mit anpacken, um ein Piratenschiff an Ort und Stelle zu bugsieren. Bärbel Frank gastierte dort mit ihrem Theater Brausepulver mit dem bezaubernden Mitmach-Stück auf Englisch „We are Pirates“.

Im Geisler gab einen unterhaltsamen Vorgeschmack auf das neue Weihnachtsstück „ Ritter Rost feiert Weihnachten“ vom Theater PiccoBello. Das Wasser Marionetten Theater ist schon lange dabei, trotzdem gab es eine Premiere. Das Theater ist seit Anfang des Jahres in neuen Räumen an der Kanalstraße, und gestern war die erste Vorstellung. Es gibt etwa 50 Plätze im neuen Haus, und vor denen entwickelte sich für die jungen Besucher und ihre Eltern das poetische Spiel eines seltsamen Wesens, das zur Klavierbegleitung durchs 3000-Liter-Bassin schwebte. „Tauchgang“ hieß das Programm. Eine Premiere feierte auch das Zaubertheater in seinen neuen Räumen in der Beckergrube. Roland Henning zauberte mit Seil, Karten und Münzen, ließ einen Zauberstab verschwinden und den Ring einer Frau aus dem Publikum in einer Matrjoschka wieder auftauchen.

Auf dem Schrangen stand Ea Paravicini wenig später im Regen, die Vorstellung fiel ins Wasser. „Ja, leider“, sagte sie, den Regenschirm in der Hand. „Man sollte die Theaternacht im Juni machen. Kann passieren.“

dku/Fel/int

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden