Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Dramatiker Tankred Dorst ist tot

Lübeck/Berlin Dramatiker Tankred Dorst ist tot

Sein erstes Theaterstück erlebte am 23. März 1960 in Lübeck seine Uraufführung: Regisseur Hansjörg Utzerath inszenierte Tankred Dorsts „Die Kurve“ an den Kammerspielen, ...

Lübeck/Berlin. Sein erstes Theaterstück erlebte am 23. März 1960 in Lübeck seine Uraufführung: Regisseur Hansjörg Utzerath inszenierte Tankred Dorsts „Die Kurve“ an den Kammerspielen, eine Farce, in der zwei Brüder von Verkehrsunfällen auf der Landstraße leben – von der Reparatur der Autos und vom Begräbnis der Toten.

Mehr als 50 Stücke hat der Dramatiker Dorst danach noch verfasst, meist gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Ursula Ehler. Er war einer der wichtigsten und produktivsten deutschen Autoren. Gestern starb er im Alter von 91 Jahren in Berlin.

Das diskursive Denken als wichtiger Teil moderner Theaterproduktion zeichnete Dorst aus. Mit Ursula Ehler schrieb er auch Filmskripte, Fernsehspiele, Erzählungen und Libretti. Das Paar arbeitete eng mit den wichtigsten Regisseuren seiner Generation zusammen, von Peter Zadek über Peter Palitzsch bis Hans Neuenfels. Dorst gab 2006 noch als Achtzigjähriger mit dem „Ring des Nibelungen“ sein Debüt als Regisseur bei den Bayreuther Festspielen. Er war für den dänischen Filmregisseur Lars von Trier eingesprungen, der Lohn waren heftige Buh-Rufe bei den vier Premieren.

Der aus Thüringen stammende Autor hatte an der Universität Bamberg Germanistik und Kunstgeschichte studiert, mit einem Studium der Theaterwissenschaft setzte er seine Ausbildung in München fort. 1961 wurde in Lübeck seine „Große Schmährede an der Stadtmauer“ uraufgeführt, ein Einakter nach einer chinesischen Parabel. Seine frühen Stücke wie „Gesellschaft im Herbst“ feierten große Erfolge.

Beispielhaft für seine Verquickung von mythischen Motiven mit gegenwärtigen Fragestellungen ist sein Monumentalstück „Merlin oder Das wüste Land“, das 1981 uraufgeführt wurde und eine Gesamtspieldauer von 15 Stunden hat.

Nina May, Mib

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden