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Kultur im Norden Drei für Moskau
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20:55 28.05.2018

Mit „Ouououou“ geht das Fußballlied 2018 los, und was eignet sich besser zum Mitgrölen, womit kann man vollbesetzte Fußballstadien besser zu zwei gutgelaunten gegnerischen Fan-Einheiten formen als mit sowas. Ordentlich bratzende Bläser und ein schneller Offbeat treiben den Song über seine dreieinhalb Minuten. Das Ganze klingt nach Balkanpop in Kingston Town. Man soll sich karibisch, wild und frei fühlen. Das wird für die Zeit der Weltmeisterschaft wohl klappen. Wie der Popbrite Robbie Williams in einem seiner jüngsten Songs ganz richtig feststellte: Nur wer Party wie ein Russe macht, macht richtig Party.

Moskau. „Live it up“ heißt die offizielle Fifa-Hymne für die FußballWM in Russland. Seit dem Wochenende steht sie auf den Streamingplattformen der Welt. Will Smith (49) wird sie zum Finale mit Nicky Jam (37), Era Istrefi (23) im Moskauer Olympiastadion Luschniki live präsentieren.

Boateng-Song

Jérôme Boateng ist ebenfalls ins WM-Musikgeschäft eingestiegen. „Mannschaft“ heißt der Rap-Song, den er mit dem britischen Comedian Jack Whitehall aufgenommen hat. Im Video hat sein Teamkollege Thomas Müller einen Gastauftritt. Ebenso Mario Götze, auch wenn der gar nicht mitfährt zur WM.

Gastsänger und berühmtester Teilnehmer am aktuellen Kickpoptrio ist eindeutig Will Smith. Er fuhr lange zweigleisig als Hauptdarsteller von Hollywood-Blockbustern wie „Ali“ oder „I am Legend“ sowie als Grammys gewinnender Top-Ten-Star in den Hitparaden der Welt. Beide Karrieren sind inzwischen im Schlummermodus, der Netflix-Film „Bright“ war ein Flop, sein letztes Album „Lost & Found“

veröffentlichte er 2005. Smith kann also ein Comeback gebrauchen.

Und so sprechsingt er an der Seite der kosovarischen Reggaepopsängerin Era Istrefi („BonBon“), deren Stimme ein wenig an Rihanna und ebenso an die „Havana“-Sängerin Camila Cabello erinnert. Das WM-Trio macht der ReggaetonSänger Nicky Jam aus Boston komplett, der angesagte Spitzenreiter der amerikanischen LatinCharts (mit Europahochburg in Spanien).

Inhaltlich wird die Freiheit beschworen: „Ein Leben – leb’ es aus, du hast nur eins, du kriegst es nicht zweimal“, heißt es da. Der optimistische Refrain von „Live it up“ dürfte so manchem im nicht ganz so freien Russland seltsam vorkommen. Will Smith singt von vielen „Einsen“: „Ein Leben, ein Traum, ein Moment, eine Mannschaft, eine Jugend, eine Wahrheit und – keine Angst.“ Das klingt nach Sportlern, Sport und Lorbeer und ist durch die Blume aber durchaus als sanfte Botschaft an den Herrn aller Russen zu sehen. „Die ganze Welt schaut zu“, wird gemahnt.

Geschätzt eine Milliarde Menschen sollen beim WM-Finale am 15. Juli an den Fernsehapparaten sitzen, bestimmt 20 Millionen Deutsche. Die werden großenteils weder eine sachte Kritik des Dreigespanns am unfreien Russland aus „Live it up“ heraushören noch den Song schmerzhaft als Unterstützung für Putins großen WM-Coup empfinden. Sie werden erst lauthals „Ouououou“ singen und danach inständig hoffen, dass Deutschland gewinnt.

WM-Songs gibt es seit 1966. Damals sang der Skiffle- und Jazzmusiker Lonnie Donegan „World Cup Willie“ zum Turnier in England. Vor vier Jahren in Brasilien waren Jennifer Lopez und Pitbull mit „We Are One (Ole Ola)“ vertreten, davor bei der Endrunde in Südafrika Shakira mit „Waka Waka“. Beim Sommermärchen 2006 in Deutschland befand Herbert Grönemeyer: „Zeit, dass sich was dreht“. Und an „Mexico mi amor“, das Peter Alexander 1986 mit der deutschen Elf um Toni Schumacher und Lothar Matthäus sang, erinnern sich aus guten Gründen nur noch wenige.

Den Song gibt’s auf ln-online.de

Matthias Halbig

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