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„Du sollst nicht langweilen!“

Lübeck „Du sollst nicht langweilen!“

Klaus Maria Brandauer über sein neues Bühnenprogramm, die Macht des Teufels und die Suche nach Erfolg.

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Klaus Maria Brandauer und Sebastian Knauer (Klavier) präsentieren die musikalische Lesung „Faust ein gefesselter Prometheus?!“.

Lübeck. Lübeck. Wenn Klaus Maria Brandauer auf der Bühne steht, gerät der Abend nicht selten zur One-Man-Show. Und doch liebt der Wiener das Spiel mit Partnern, so wie jetzt mit dem Pianisten Sebastian Knauer. Gemeinsam widmen sie sich in ihrem Programm „Faust – ein gefesselter Prometheus?!“ des Teufels Macht über den Menschen: Knauer in Werken von Bach bis Schubert, Brandauer in Texten von Goethe bis Enzensberger. Vor seinem Auftritt am Sonntag in Lübeck hat sich der 73-Jährige den Fragen von Christoph Forsthoff gestellt.

Ist das Wort allein nicht genug, dass es zur Verstärkung noch der Musik bedarf?

Klaus Maria Brandauer: Man könnte genauso gut fragen, ob die Musik eine Erklärung oder Interpretation durch Worte braucht – beides ist nicht richtig! Musik und Worte gehen eine Verbindung ein, übrigens auch beim einfachen Sprechen: Jeder gesprochene Satz hat eine eigene Melodie, die einen großen Einfluss auf das Verständnis hat, ob einem das bewusst ist oder nicht. Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum, hat Nietzsche gesagt – und das gilt auch in diesem umfassenden Sinn.

Sie selbst haben festgestellt, die Zeit sei einfach zu knapp, um sich mit Mittelmäßigem auseinanderzusetzen – demnach ist Ihr „Faust“- Projekt mit Sebastian Knauer also etwas Besonderes

Brandauer. Das ist schon länger meine Maxime, und ich bin ganz gut damit gefahren. Ich nehme jeden Auftritt und jede Rolle sehr ernst, es gibt dann nichts Wichtigeres in Vergangenheit oder Zukunft, nur den aktuellen Moment. Und ich brauche dafür Partner, die genauso an die Sache herangehen: Wenn das zusammen passt, bin ich glücklich und dann arbeitet man immer wieder zusammen.

Was schätzen Sie an Ihrem Klavierpartner Knauer?

Brandauer: Er ist ein außerordentlich sensibler und ein hochintelligenter Künstler, der mitdenkt und mitatmet – ein wirklicher Partner auf der Bühne. So ein Programm macht man ja immer gemeinsam von Anfang bis Ende und nicht irgendwie abwechselnd, wo mal der eine dran ist und dann wieder der andere. Das ist kein Flickenteppich, sondern ein großes Gewebe, in welchem die Strukturen Schritt für Schritt sichtbar werden.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste nachhaltige Begegnung mit der Klassik?

Brandauer: Als ich ein Junge von zehn oder elf Jahren war, sind meinen Eltern mit mir jeden Sommer nach Italien gefahren, mit unserem Volkswagen – so war das damals. Einmal haben wir in Verona Station gemacht: In der Arena lief Puccinis „Tosca“, Franco Corelli war der Cavaradossi, wir saßen ziemlich weit oben, weit entfernt von der Bühne, doch ich war von Anfang an wie gebannt. So etwas hatte ich noch nie erlebt und ich dachte nur: Das will ich auch!

Und welchem Musikgenre gilt heute Ihre Leidenschaft?

Brandauer: Ich habe da keine wirklichen Präferenzen – ich höre eigentlich alles, gut muss es halt sein. Nur ein paar Bereiche betrete ich nicht so gern, deutscher Schlager gehört dazu und Hard Rock, aber ansonsten kann ich mich für fast alles begeistern. Für mich muss sich durch die Musik etwas übertragen, eine Leidenschaft spürbar sein, ein „sich ausdrücken wollen“: Dann bin ich sofort dabei. Ich muss gar nicht alles im Detail verstehen, nur spüren, das genügt. Und die schönste Musik ist eh das Trommeln des Regens auf der Fensterbank an einem stillen Herbstnachmittag bei mir zu Hause in der Steiermark.

Nun proben Sie den Brückenschlag zur Musik auf der Bühne schon seit 35 Jahren – was reizt Sie an dieser Kombination?

Brandauer: Ich bin sehr gern dabei, wenn Musik im Spiel ist. Bei mir müssen die Schauspieler singen und die Musiker sprechen, dann kommen wir zum Gesamtkunstwerk, wo wir alle hin wollen. Mir bereitet das ungeheure Freude, wenn das alles zusammenkommt, und auf diese Weise sind in den letzten Jahren viele schöne Projekte entstanden.

So wie vor einigen Monaten die Uraufführung der Oper „Morgen und Abend“ von Georg Friedrich Haas in London am Royal Opera House, wo Sie in einer eher kleineren Rolle mitgewirkt haben – hat zeitgenössische Musik für Sie solch eine Faszination, dass Sie als gefeierter Schauspieler dafür in die dritte Reihe zurücktreten?

Brandauer: Einmal kommt es nicht auf die Größe einer Rolle an, sondern auf den Inhalt und der war bei dem Fosse-Stück, welches als Libretto dient, absolut gegeben. Mich hat der Text gleich beim ersten Lesen fasziniert. Und so klein war der Part gar nicht, ich war eine Dreiviertelstunde allein auf der Bühne, im Graben der Riesenorchesterapparat – das ist schon eine besondere Erfahrung, dem standhalten zu müssen. Und da es eine Uraufführung war, wusste niemand vorher, wie es wird: Da gehören schon Neugierde und Risikobereitschaft dazu.

Am Ende ist’s ein Erfolg geworden – wie wichtig ist für Sie auf der Bühne dieses Erfolgserlebnis?

Brandauer: Ich mache das alles, um Erfolg zu haben – so viel Ehrlichkeit muss schon sein. Und wenn einer von sich das Gegenteil behauptet, dann glaube ich ihm einfach nicht. Ich möchte vorkommen, bemerkbar sein: Das ist eine Grundvoraussetzung für jeden, der auf einer Bühne steht. Schließlich bekommt man ja vom Publikum etwas sehr Kostbares anvertraut: Lebenszeit. Damit muss man schon etwas anfangen wollen. Im Übrigen gilt immer das wichtigste Gebot im Theater: Du sollst nicht langweilen!

Von teuflischer Macht

Teuflische Macht, die den Menschen außerordentliche Fähigkeiten im Leben für ewige Verdammnis ihrer Seelen nach dem Tod verspricht. Teuflische Macht, die ihre Opfer unablässig vor sich hertreibt, mit dem Ziel der Selbstvernichtung der Menschheit. Darum geht es in der musikalischen Lesung von Klaus Maria Brandauer und Sebastian Knauer am Sonntag, 2. Oktober. Beginn ist um 20 Uhr im Kolosseum in Lübeck.

Karten gibt es an den Vorverkaufsstellen und bei www.hanseatische-konzertdirektion.de sowie unter der Hotline 01806 57 00 16.

LN

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