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Kultur im Norden Düstere Handlung, düstere Musik
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22:52 06.11.2013
Sandra Leupold (links) inszeniert erstmals „Don Carlo“. In Lübeck hat sie bereits bei Per Nørgards „Der göttliche Tivoli“ Regie geführt. Ryusuke Numajiri, neuer Lübecker Generalmusikdirektor, schätzt die Komplexität der Musik von Giuseppe Verdi. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

„Ich habe ,Don Carlo‘ bereits dirigiert“, sagt der Japaner, der mit dieser Premiere seinen Einstand im Großen Haus gibt. „Deshalb bin ich mir der Schwierigkeiten, die auf Orchester und Sänger zukommen, bewusst. Das Orchester ist zudem dadurch belastet, dass parallel ,Tristan und Isolde'‘ und ,Thaïs' ‘laufen. Höchst unterschiedliche Musik.“

Überaus zufrieden ist Ryusuke Numajiri mit der Besetzung: „Es ist ein ganz großartiges Ensemble für diese Oper verpflichtet worden; ich bin sehr glücklich mit dieser Besetzung.“

Auch Regisseurin Sandra Leupold lobt die Besetzung, die sie auch darstellerisch fordert: „Die Oper ,Don Carlo‘ ist ein Werk der Kontraste, und diese Kontraste will ich aus den Menschen auf der Bühne heraus sichtbar machen. Das ist ausgesprochen schwierig, aber aus meiner Sicht auf das Stück der einzig gangbare Weg.“ Sandra Leupold, die 2007 am Theater Lübeck eine großartige Inszenierung von Peer Nørgards „Der göttliche Tivoli“ gezeigt hat, wagt sich zum ersten Mal an diese Verdi-Oper: „Dieser ,Don Carlo‘ ist eine fantastische Oper, die Arbeit war intensiv und schwierig.“

Und was stellt die Regisseurin in den Mittelpunkt dieser Inszenierung? „Die Anmutung dieses Abends wird düster sein, düster wie die Musik, düster wie die Handlung, düster wie die Umgebung, in der die Menschen ihr Dasein fristen müssen. Man kann es so ausdrücken: Allen wird Gewalt angetan, sie werden nicht artgerecht gehalten. Das wollen wir auch im sehr strengen und symmetrischen Bühnenbild zum Ausdruck bringen.“

Ein Problem bei „Don Carlo“ ist die Frage der Fassungen. „Wir spielen eine ergänzte vieraktige Fassung auf Italienisch“, sagt Dirigent Numajiri. „Hinzugefügt haben wir zwei Szenen, die Verdi schon vor der Premiere in Paris entfernen musste, eine Szene der Rebellion und eine, die den trauernden und verzweifelten König von Frankreich zeigt. Dazu ist Verdi gezwungen worden, er hat danach nie wieder für Paris komponiert“, fügt Sandra Leupold hinzu.

Die Düsternis des Stücks, die in einem Autodafé, einer Ketzerverbrennung, gipfelt, findet sich in der Musik wieder, sagt Ryusuke Numajiri, den gerade dieser Aspekt an „Don Carlo“ reizt. „Schon am Anfang erklingt es-Moll — da weiß man sofort, was los ist. Und wenn sich an der Oberfläche wunderbarste Melodien entfalten — im Untergrund stört zum Beispiel eine Bratsche das Idyll. Verdi arbeitet in dieser Oper mit doppeltem Boden wie in keinem anderen Werk aus seiner Feder. Das stellt das Orchester vor große Herausforderungen, die es aber hervorragend meistert.“

Oper hat ihre eigenen Gesetze, vor allem ein Werk wie „Don Carlo“, in dem Versatzstücke aus Grand Opéra und psychologischem Kammerspiel zusammengesetzt sind. „Das ist so wunderbar an diesem Stück.

Der Marquis von Posa zum Beispiel, der in dem Beziehungsgeflecht eigentlich nichts zu suchen hat, wird von der Kugel eines Heckenschützen getroffen und singt dann noch neun Minuten lang“, sagt Regisseurin Leupold. „In diesem klaustrophobischen Raum presst er sich einen letzten Auftritt ab, eine letzte Show, er fühlt letztmals, dass er lebt. Und er generiert, wie alle anderen auch, einen Traum.“

Premiere: Großes Haus des Theaters Lübeck, morgen (Freitag) — bereits um 19 Uhr!

Besetzung von „Don Carlo“
Musikalische Leitung............................................................................Ryusuke Numajiri
Inszenierung................................................................................................Sandra Leupold
Chor und Extrachor.........................................................................................Joseph Feigl
Filippo II, König von Spanien.................................................................Shavleg Armasi
Don Carlo, Infant von Spanien....................................................................Yoonki Baek
Rodrigo, Marquis von Posa........................................................................Gerard Quinn
Der Großinquisitor...........................................................................Taras Konoshchenko
Ein Mönch/Kaiser Carlo V.......................................................................Kong Seok Choi
Elisabetta von Valois..........................................................................Carla Filipcic Holm
Prinzessin Eboli..........................................................................................Sanja Anastasia
Tebaldo, Page Elisabettas.......................Leonor Amaral/Steinunn Soffia Skjenstad

Jürgen Feldhoff

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