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Kultur im Norden Dunkle Gestalten, Krieg und Spitzentanz
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18:17 13.01.2017
Präzise setzen die jungen Musiker vom Bundesjugendorchester um, was Dirigent Alexander Shelley fordert. NEELSEN Quelle: Foto: Ulf-Kersten
Lübeck

Symbolischer hätte es kaum sein können. Erneuern wollte Martin Luther vor 500 Jahren, frischen Wind bringen und seine Mitmenschen aufrütteln. Aufgeladen mit dieser Symbolik und zutiefst berührend war der Konzert- und Ballettabend „Gipfeltreffen“ in der bestens besuchten Lübecker MuK. Die Bühne der Rotunde war vergrößert worden: Vor dem Orchester gab es nun eine erhöhte Tanzfläche von akzeptabler Größe.

Gipfeltreffen

Tournee-Auftakt des Projekts „Gipfeltreffen – Reformation“ von Bundesjugendorchester und Bundesjugendballett war in Lübeck. Gestern war das Programm in Hamburg zu erleben, heute in Essen, morgen in Coesfeld, am Montag in Berlin, am 18. Januar in Dresden, 19. Januar in Marburg, 20. Januar in Ludwigsburg, 21. Januar in Schweinfurt.

Musik und Tanz begegneten sich auf Augenhöhe: Die Musiker und Tänzer vom Bundesjugendorchester und -ballet sind Ausnahmetalente, die das Glück haben, von weltweit gefeierten Künstlern, also ihren Vorbildern, gefördert zu werden. Was dabei herauskommt, war eindrucksvoll zu erleben. Mit erstaunlicher Präzision setzten die jungen Musiker alles um, was Dirigent Alexander Shelley einforderte.

Glasklar war er in seiner musikalischen Aussage und forderte von seinen jungen Musikern höchste musikalische Leistung und vor allem rhythmische Genauigkeit, auf die die Tänzer angewiesen waren.

Die acht Tänzer zwischen 18 und 23 Jahren konnte man kaum mehr als Nachwuchs bezeichnen. Sie vertanzten Choräle, Bachs Orchestersuite Nr. 3 sowie moderne Kompositionen, all das technisch nahezu perfekt und künstlerisch ausdrucksstark. Ihre Bewegungen voller Empfindsamkeit und Leidenschaftlichkeit trugen die Handschrift des Choreografen John Neumeier, Gründer des Hamburg Balletts. Seit 2011 gibt er jungen Talenten für zwei Jahre die Chance, sich auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln.

Mit dem Luther-Choral „Aus tiefster Not schrei ich zu dir“ begann der Abend. Die Choreografie hierzu hatten die Tänzer selber erarbeitet. Dunkle Gestalten in langen Gewändern verbreiteten eine düstere Atmosphäre, während andere, leicht bekleidet, hilflos und durchscheinend, Suchende waren. Eine Kerze stand auf der Bühne und verbreitete ein zartes Licht. Danach erst setzte mit Felix Mendelssohn Bartholdys Reformationssinfonie das Orchester ein.

Uraufgeführt wurde im zweiten Teil das Stück „Reversal“ von Michel van der Aa (*1970), choreografiert von Andrey Kaydanovskiy. Rhythmisch und insistierend wirkten Musik und Tanz, die perfekt aufeinander abgestimmt waren. Es war moderner Tanz auf Socken und in Kostümen, die halb an Sportkleidung, halb an Schuluniformen erinnerten.

Der Höhepunkt des Abends war dann aber „Bachs Suite 3“ in der Neumeier-Choreografie von 1981. In lachsfarbenen leichten Ballettkostümen boten die Tänzer und ihre Partnerinnen berührendes klassisches Ballett mit eleganten Hebefiguren.

Aufwühlend klang der Abend aus. Das sinfonische Gedicht „Ein feste Burg“ von Enjott Schneider beschloss den Abend. Kriegsmeldungen in diversen Sprachen überlagerten fast den zuversichtlichsten aller Bach-Choräle, dessen Friedensbotschaft sich zum Schluss aber durchsetzte. Zur Uraufführung wurde das Stück eingerichtet durch die chinesische Choreografin Zhang Disha, die es sichtbar zu machen schien.

Die Zuschauer applaudierten stehend. Orchester und Tänzer dankten mit einer Zugabe: der furiosen Ouvertüre zu „Candide“ von Leonard Bernstein.

Cornelia Schoof

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