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Durch die Hölle zur ewigen Seligkeit

S’Hertogenbosch Durch die Hölle zur ewigen Seligkeit

Von 500 Jahren starb der Maler Hieronymus Bosch. Sein Werk ist ebenso rätselhaft wie fantastisch – und zeugt von tiefer Religiosität.

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Die mittlere Tafel des „Weltgericht“-Triptychons von Hieronymus Bosch: Dämonen quälen in Sünde gefallene Menschen.

Quelle: Akg (1), Dpa

S’Hertogenbosch. Wann genau der Schöpfer fantastischer Welten gestorben ist, weiß man nicht. Fest steht nur der Monat, Hieronymus Bosch verschied im August 1516. Um das Jahr 1500 endete das Mittelalter auch im Norden Europas. In Italien hatte sich bereits das helle Licht der Renaissance durchgesetzt, in den nördlich der Alpen gelegenen Gebieten erwachte einerseits eine gewisse Aufbruchstimmung, die schließlich in Martin Luthers Reformation ihren Ausdruck finden sollte. Weite Teile der Bevölkerung aber lebten in einer geistigen Welt, die bis in die kleinsten Kleinigkeiten des Lebens religiös geprägt war. Fegefeuer und Hölle galten als real existierende Schreckensorte, das Paradies als Stätte unendlicher Freuden. Hieronymus Bosch hat diese beiden Seiten des Jenseits gemalt, mit unerschöpflicher Fantasie und fest im Glauben seiner Zeit stehend.

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Von 500 Jahren starb der Maler Hieronymus Bosch. Sein Werk ist ebenso rätselhaft wie fantastisch – und zeugt von tiefer Religiosität.

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Die Todsünden sind eines seiner häufigsten Themen. Wollust, Völlerei, Geiz: Immer wieder werden die dieser Sünden Schuldigen in ihrem höllischen Jenseits gezeigt. Bosch benutzt einerseits das ikonografische Material seiner Zeit. Kunstwissenschaftler haben akribisch nachgewiesen, wie viele Personen in seinen Bildern zum Beispiel einen umgedrehten Trichter auf dem Kopf tragen – das galt als Symbol für betrügerische Absichten. Insofern war Bosch durchaus ein konventioneller niederländischer Maler im Herbst des Mittelalters. Was ihn aber von seinen Kollegen unterschied und berühmt machte, war die unerschöpfliche Fantasie, mit der er seine Höllen-Szenarien gestaltete.

Der Baum-Mensch etwa, der über seine verwitterte rechte Schulter einen freundlichen Blick auf den Betrachter wirft. Die rasenden Ohren, die Groß-Figur, die auf einem Leibstuhl sitzt, Menschen frisst und sie unverdaut wieder von sich gibt. Oder die Musikantenhölle, in der Menschen durch die Saiten einer Drehleier aufgespießt werden: In unendlichen Variationen hat Hieronymus Bosch seine Höllen-Visionen in Kunst verwandelt. Da die Schrecken der Hölle als real galten, drückte er so die Furcht vieler gläubiger Menschen aus. Und riet im Umkehrschluss zu einem gottgefälligen Leben – Bosch muss ein frommer Mensch gewesen sein.

Neben den Schrecken der Hölle sind es die Schrecken des Krieges, die seine Bilder prägen. Brennende Städte und Burgen, Ruinen, die schrecklichen Hinterlassenschaften großer Schlachten: Diese Szenarien haben für manche Wissenschaftler und vor allem für spätere Künstler aus Hieronymus Bosch einen Visionär gemacht. Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges soll er ebenso vorausgesehen haben wie die Hölle von Verdun oder die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki. In der Wirklichkeit des Hieronymus Bosch aber war Krieg etwas Reales. Er wusste, was Krieg bedeutet, welche Folgen er hat und welches Leid er mit sich bringt. Die hundertjährige Auseinandersetzung zwischen England und Frankreich war gerade erst beendet, als Bosch zu malen begann, der Auftritt der Johanna von Orleans mit ihren geweihten Schwertern war unvergessen (ihr Tod als Ketzerin auf dem Scheiterhaufen in Rouen ebenso). In dieser Beziehung war Hieronymus Bosch kein Fantast und schon gar kein Visionär. Er war Realist.

Ein tiefgläubiger Mensch, der die religiösen Vorstellungen seiner Zeit bildnerisch verarbeitete, ein Künstler, der die kriegerischen Zeichen seiner Zeit erkannte – oder doch nur ein Psychotiker, der eine perverse Freude an Quälereien jeder Art hatte? Man weiß es nicht genau, Spekulationen sind deshalb gerade im Jahr des 500. Todestages von Bosch zu Dutzenden im Umlauf. In seinen Bildern wird hemmungslos vomiert, uriniert und flatuliert, es wird in exzessiver Art und Weise gefressen und gesoffen. All dies sind menschliche Verhaltensweisen, die nicht nur für das späte Mittelalter typisch waren. Das deutet auf den Realisten Bosch hin.

Das größte Rätsel seiner Bilder ist eine Gestalt, die mindestens drei Mal auftritt. Als Wanderer, als Pilger, der Baum-Mensch trägt dasselbe Gesicht. Schmal geschnitten mit einer langen Nase, nicht unfreundlich, aber auch nicht unbedingt sympathisch. Sind es Selbstbildnisse des Malers? Oder Darstellungen eines guten Freundes, den er in verschiedenen Lebensaltern malte? Auch das wissen wir nicht. Von Bosch gibt es keine schriftlichen Überlieferungen. Wir sind auf unsere eigene Fantasie angewiesen.

Fromme Brüder

Im Jahr 1488 trat Hieronymus Bosch der religiösen Bruderschaft „Unserer Lieben Frau“ bei. Die Mitglieder kamen aus der höchsten städtischen Schicht und waren alle Geistliche verschiedenen Weihegrads. Fast die Hälfte davon waren Priester, die teilweise zugleich Notare waren. Ferner gab es unter ihnen Ärzte und Apotheker sowie einige wenige Künstler (Musiker, einen Architekten und nur einen Maler: Bosch). Die Bruderschaft war religiös ausgerichtet und wurden von den Dominikanern betreut.

Jürgen Feldhoff

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