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Ehepaar Schmolkes letztes Abenteuer

Lübeck Ehepaar Schmolkes letztes Abenteuer

Das Theater Partout feiert 20-jähriges Bestehen mit „Jubiläums-Schnittchen“.

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Von links: Der „Neffe“ (Florian Sellke), Heinz (Uli Sandau) und Marga Schmolke (rainer Lorenz) auf dem Balkon.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Wenn man Jubiläum feiert, gibt es häufig Schnittchen. Beim Theater Partout muss es Schnittchen geben, was denn sonst. Denn keine andere Stücke-Reihe hatte in den 20 Jahren des Bestehens des Privattheaters einen solch durchschlagenden Erfolg wie die Schnittchen-Reihe um das Rentner-Ehepaar Schmolke. Heinz und Marga sind zwei Gestalten, die einfach dazugehören im Partout. Mit dieser fünften Folge aus dem bürgerlichen Heldenleben soll endgültig Schluss sein mit Heinz und Marga.

Die „Jubiläums-Schnittchen“ feierten am Freitag eine umjubelte Premiere im Theaterhaus in der Königstraße. Uli Sandau und Reiner Lorenz haben sich mit diesem Stück als Autoren selbst übertroffen.

Niemand kennt die Schmolkes besser als ihre Schöpfer, aber was den beiden „Eltern“ der rüstigen Rentner diesmal gelungen ist, war nicht nur witzig. Es war kurzweilig, tiefsinnig, fast ein wenig tragisch und außerdem mit der richtigen Dosis Sentimentalität versehen. Wie im richtigen Leben eben – nur lustiger und mit Musik unterlegt (zuverlässig am Klavier: Norie Takabayashi).

Die Geschichte ist schnell erzählt: Bei Heinz und Marga meldet sich ein vorgeblicher Neffe, der endlich „Onkel“ und „Tante“ kennenlernen will. Der böse Bube ist in Wirklichkeit natürlich nur hinter dem Geld der Schmolkes her, aus dem berüchtigten Enkeltrick wird hier ein Neffentrick. Und den besingt der Schurke dann auch noch in einer umgedichteten Version von „Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau’n“. Schmolkes Ersparnisse aber sind gleich in doppelter Gefahr: Marga will ein Schreib-Studium absolvieren, um endlich Bestseller-Autorin zu werden. Und den „Neffen“ hat sie auch ins Herz geschlossen. Zum Glück riecht Heinz rechtzeitig Lunte und setzt den Gauner außer Gefecht. Als dem dann die K.O.-Pillen überhaupt nicht bekommen, reanimiert ihn Heinz ganz einfach mit der Stehlampe aus dem Wohnzimmer.

Das Abenteuer in der Hinterhofidylle ist atmosphärisch dicht und mit 90 Minuten mit der genau richtigen Länge versehen. Und mit den richtigen Akteuren: Uli Sandau mit leicht vertrotteltem Gesichtsausdruck und ewigem Hut auf dem Kopf ist ein herrlicher Heinz. Und Reiner Lorenz als Marga überzeugt nicht nur durch ihre Kopfbedeckungen, sondern auch gesanglich und vor allem durch die Bandbreite der Emotionen, die er in dieser Figur zeigen kann. Bewährter Bösewicht ist Florian Sellke, mal schmierig, mal bösartig.

Natürlich chargieren alle Darsteller nach Herzenslust, in der Regie von Gunnar Titzmann aber bleibt dabei der rote Faden nicht auf der Strecke. Und das will etwas heißen: Chargieren mit Tiefgang ist eine ganz eigene Kunst. Und zu der gehört dann auch der sentimentale Schluss, wenn Marga vom Wunder singt, das wieder einmal geschehen wird. Und Heinz ein „Hoch auf uns und unser Leben“ anstimmt. Und das soll alles von Schmolkes gewesen ein? Hoffentlich nicht.

Alle „Schnittchen“-Termine

Die „Jubiläums-Schnittchen“ von und mit Uli Sandau und Reiner Lorenz sind im Theater Partout (Königstraße 17) noch bis Ende November zu sehen. Vorstellungen finden statt jeweils freitags und sonnabends um 20 Uhr. Die nächste Aufführung der „Schnittchen“ beginnt am kommenden Freitag ebenfall um 20 Uhr. Vorverkauf im Pressezentrum und bei der Konzertkasse Hugendubel, Kartenreservierung unter (0451) 70004.

Jürgen Feldhoff

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