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Kultur im Norden Ein Abend voller Spielfreude
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19:18 15.01.2016

Es war wieder ein Konzerthöhepunkt im Großen Saal der Lübecker Musikhochschule — der Auftritt der Sieger des Possehl-Musikpreises. 19 Studentinnen und Studenten der Hochschule hatten sich für den Wettbewerb, der im vergangenen Herbst stattfand, beworben, jetzt konnten die Preisträger frei aufspielen und zeigen, dass sie auch im Konzert bestehen.

Was auffiel in diesem Jahr: Unter den acht Prämierten findet sich nur ein Mann; in der achtköpfigen Jury aus Professoren und Redakteuren unter dem Vorsitz von Ole Krönert von der Possehl-Stiftung findet sich nur eine Frau. Ist es Zufall? Oder bedeutet es, dass die Gremien, in denen Ältere das Sagen haben, immer noch von Männern dominiert werden, während die Gruppe der begabten, aufstrebenden Künstler überwiegend aus Frauen besteht?

Im Quartetto Lyskamm, einem schon seit 2008 aktiven Kammermusikensemble, das in Lübeck von Heime Müller, Professor für Violine und Kammermusik, auf das Konzertleben vorbereitet wird, hat eindeutig eine junge Frau das Sagen, die erste Geigerin Cecilia Ziano. Sie führte im Konzert ihre Kollegen — hier war mit Cellist Giorgio Casati der einzige Mann zu sehen und zu hören — engagiert durch Franz Schuberts unvollendetes Streichquartett c-Moll. Das Quartett spielte sehr beherzt auf, ließ fast etwas zu viel Dynamik hören, was auf Kosten der Exaktheit ging. Dennoch: Die Spielfreude war exzellent, und beim h-Moll-Streichquartett von Joseph Haydn, das den Abend abschloss, zeigten sich die vier als eingeschworene Einheit.

Das Quartetto Lyskamm (benannt nach einem Berg in den Walliser Alpen, das erfuhr man nebenbei) bekam also den ersten Preis und damit 5000 Euro. Hätte das Publikum abstimmen dürfen, hätte an diesem Abend aber vermutlich die Cellistin Yina Tong, Schülerin von Trøls Svane, gesiegt. Die Jury hatte ihr eine Hälfte des dritten Preises zuerkannt (die andere Hälfte ging an die Pianistin Hyelee Chang), doch ihr Vortrag der effektvollen Cellosonate d-Moll von Claude Debussy war so hinreißend und ihr Zusammenspiel mit Klavierbegleiterin Violetta Khachikyan so organisch, dass man einfach beglückt sein musste. Tong litt ergreifend mit den dramatischen Stellen ihres Stücks, und sie lebte auf und straffte sich bei den heiteren.

Auch die Trägerin des zweiten Preises, die Geigerin Shoko Murakami, Schülerin von Heime Müller, hatte sich ein Show-Stück ausgesucht, eine Fantasie auf die „Faust“-Oper von Charles Gounod des Polen Henryk Wieniawski. Sie brillierte mit extremen Flageoletttönen und Tonkaskaden — ein Feuerwerk virtuoser Kunststücke.

mib

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