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Ein Alien für alle - Rapper Cro im Interview

Kultur Ein Alien für alle - Rapper Cro im Interview

Cro, der Mann mit der Panda-Maske, ist noch keine 30 und hat bereits alles erreicht, was man in Deutschland als Musiker erreichen kann. Sein neuen Studioalbum „tru.“ rangiert auf Platz eins der Album- Charts. Darin beschäftigt sich der 27-jährige Schwabe mit dem Tod und der Frage, worauf es im Leben wirklich ankommt. 

Mit seinem neuen Album „tru.“ katapultierte sich Cro auf Platz eins der Charts.

Quelle: Christoph Schmidt/dpa

Lübeck. Cro, wie haben Sie den Sound gefunden, der Ihnen für das Album vorschwebte?

Cro: Es ist einfach mein Geschmack, der das Album so klingen lässt, wie es klingt. Vorher war ich mit einem Laptop in meinem Zimmer unterwegs und habe da meine Platten produziert. Diesmal habe ich mich noch mehr in die Materie reingefuchst. Dadurch habe ich viel gelernt und auch andere Musiker kennengelernt, die ich dazugeholt habe, wie Bläser, Streicher und Pianisten. Dadurch konnte ich mehr zaubern. Ich habe mir für mein Studio einen Flügel, ein Piano und ein Schlagzeug gekauft.

In einem Lied heißt es: „Ich war noch nie so ausgeglichen“. Wie schaffen Sie es, locker zu bleiben?

Die Kunst ist es, sich weniger mit den Dingen auseinanderzusetzen, die einen stören, sondern mit den Dingen, die man liebt. Wenn man aber nicht ausgeglichen ist, muss einem klar sein, was einen stört, und man muss versuchen, dieses Problem zu lösen. Ich habe das gemacht.

Was für Probleme meinen Sie?

Zum Beispiel, wenn es in der Liebe nicht groß läuft oder man trennt sich von jemandem, mit dem man lange zusammen war. Und dann verfolgt einen das. Mich nervten hier und da ein paar Dinge, aber irgendwann war ich cool mit mir selber. Im Moment fühle ich mich mega gut, alleine zu sein. Das wusste ich vorher nicht.

Ist das Single-Dasein für Sie der Idealzustand?

Nö, nö. Jeder wie er will und wie es kommt im Leben. Man muss einfach mit dem Flow gehen.

In dem Lied „Baum“ inszenieren Sie Ihren eigenen Tod. Muss man sich Sorgen um Sie machen?

Nein, nein, auf gar keinen Fall. Natürlich geht es in dem Lied um mich. Ich habe mir vorgestellt, wie wäre es, wenn meine letzte Sekunde gekommen wäre. Ich habe da reingepackt, was meine persönlichen letzten Bilder sein könnten. Im Moment des Todes läuft ein Film vor deinem geistigen Auge ab und du siehst vielleicht deine eigene Geburt ganz klar.

Glauben Sie an ein Leben danach?

Ich weiß es nicht. Manchmal ja, manchmal nein. Wahrscheinlich ist der Tod wie schlafen ohne zu träumen. Einfach ausgeknipst. Aber was wäre, wenn der Tod gar nicht das Ende wäre? Ich kann es mir nicht vorstellen. Mein wissenschaftliches Ich sagt nein, zum Leben braucht man Luft, Gedanken und Energie. Sobald diese Dinge nicht mehr da sind, ist es vorbei. Ciao.

Vielleicht werden Sie ja wiedergeboren - als Panda.

An sowas glaube ich nicht. Gut, kann sein, aber dann weiß ich ja nicht, dass ich schon mal da war. Wiedergeburt ist die einzige Theorie, die ich nicht unterschreiben würde.

Wollen Sie Ihre Panda-Maske bis ans Ende Ihrer Tage tragen?

So wie es aussieht, ja. Die Maske behalte ich, weil es mir um die Musik geht und nicht um mich.

Worauf kommt es im Leben wirklich an?

Es kommt im Leben darauf an, schöne Tage zu haben. Dass man jeden Tag das macht, worauf man wirklich Lust hat. Dann hat man am Ende ein schönes Leben gehabt.

Ihr Album heißt „tru.“ - was bedeutet es, „true“ zu bleiben?

Es bedeutet, nicht so zu tun als sei man jemand anderes, indem man Vorbildern nacheifert oder sich anders gibt als man ist. Das beste ist immer noch, ehrlich zu sein. Ein ehrliches Produkt ist viel ergreifender und krasser. Tru sein ist sehr wichtig und der einzig richtige Weg.

Ein Lied heißt „Alien“. Fühlen Sie sich manchmal fremd in dieser Welt?

Egal wo ich hinkomme, ich habe immer gleich ein Alien-Gefühl. Alle wollen mich anfassen und Fotos von mir machen. Ich bin irgendwie kein Mensch und auch nicht in so einem Hamsterrad drin wie viele andere. Ich stehe nicht nach einer bestimmten Uhrzeit auf, ich stehe dann auf, wenn ich aufwache. So zu leben ist das Natürlichste, was man machen kann. Einen eigenen Rhythmus zu finden. Die schlimmste Erfindung war die Uhr.

Warum sind Sie Musiker geworden? Hatten Sie keine Lust, normal arbeiten zu gehen?

Ich war drei Jahre in einer Zeitungsredaktion. Der Job war eher trocken. Ich habe den ganzen Tag gegähnt. Irgendwann merkte ich, drei Jahre reichen. Und dann habe ich mich wirklich auf die Musik konzentriert und das Ganze wurde plötzlich groß. Ich kann jetzt wirklich machen, was ich will. Nicht auf die arrogante Art, aber im Sinne von Freiheit. Das fühlt sich geil an.

Interview: Olaf Neumann

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