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Kultur im Norden Ein Dichter im Ersten Weltkrieg
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20:25 05.04.2014
Hugo von Hofmannsthal.
Frankfurt

„Völker bunt im Festgezelt, wird die Glut sie löten?“ So beginnt ein Gedicht des bekannten österreichischen Schriftstellers Hugo von Hofmannsthal (1874-1929). Er verfasste es kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Der Titel des Gedichts ist zugleich der Titel der Ausstellung, die vom 9. April bis 3. Juni im Frankfurter Goethehaus zu sehen ist. „Österreichs Antwort — Hugo von Hofmannsthal im Ersten Weltkrieg“ ist die Ausstellung überschrieben und verquickt Hofmannsthals Biografie und die politischen Ereignisse vor 100 Jahren.

Was hat Hofmannsthal mit Goethe und Frankfurt zu tun? Selbsterklärend ist das nicht: Das Freie Deutsche Hochstift, Träger des Goethehauses, besitzt große Teile von Hofmannsthals Nachlass. Seit den 1960er Jahren arbeitet das Hochstift an der auf 40 Bände angelegten kritischen Ausgabe sämtlicher Werke Hofmannsthals.

Der jüngste Band, Nummer 34, enthält die politischen Schriften aus dem Ersten Weltkrieg. Katja Kaluga, Redakteurin der Hofmannsthal-Ausgabe, hat den mehr als 1000 Seiten dicken Band mit bunten Zettelchen gespickt. Was in der Ausstellung fehlt: Eine Uniform Hofmannsthals, Tagebücher von der Front, Fotos von Ehrungen — denn es gibt dergleichen nicht.

Böse Zungen würden sagen: Hofmannsthal war ein Schreibtischtäter. Karl Kraus hat genau das getan. Hohn und Spott goss er über den Dichter, der es sich „in einer ziemlich versteckten Filiale des Kriegs“ bequem gemacht hatte.

Als junger Mann hatte der Dichter seinen Militärdienst abgeleistet, war zuletzt Leutnant eines Dragoner-Regiments. Das kurierte ihn fürs Leben. 1905 trat er aus der Armee aus. Zu Beginn des Weltkriegs war er ohne Rang und wurde als normaler Infanterist einem Regiment zugeteilt. Mit Beziehungen gelang es ihm, einen Posten im Kriegsfürsorgeamt zu ergattern, wo er wenig arbeitete, aber viel schrieb. Den Vielvölkerstaat sah Hofmannsthal als Modell für das friedliche Zusammenleben verschiedener Nationen „und damit als Vorbild für Europa“, wie Katja Kaluga erklärt. Was man ihm nicht vorwerfen könne: den Gegner zu verunglimpfen, Abwertendes über den Feind habe er nicht geschrieben.

LN

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