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Ein Duell der Cremona-Geigen und Barock für Babys

Lübeck Ein Duell der Cremona-Geigen und Barock für Babys

Der Violinvirtuose Daniel Hope bringt zum zweiten Mal die Lübecker Altstadt zum Klingen. Eindrücke von den ersten vier Stationen.

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Musikalische Früherziehung für Kleinkinder: Im Johanneum durften gestern aber auch Eltern dem Züricher Kammerorchester zuhören.

Lübeck. Es gibt nicht viele Musikerpersönlichkeiten, die ein dreitägiges Programm aus elf Konzerten gestalten und mit Leben füllen können. Daniel Hope kann das souverän.

LN-Bild

Der Violinvirtuose Daniel Hope bringt zum zweiten Mal die Lübecker Altstadt zum Klingen. Eindrücke von den ersten vier Stationen.

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Er präsentiert an diesem Wochenende wieder seine „Familienstücke“ in Lübeck. Der 1973 in Südafrika geborene Geiger, der in Berlin lebt und Lübeck seit seiner Studienzeit ins Herz geschlossen hat, ließ für sein Festival im Festival wieder viel Fantasie walten, sein umwerfender Charme macht jeden Auftritt zum Erlebnis.

I.

Der Reigen begann ganz konventionell. Im Dom – der Abend war schon seit langem ausverkauft – grüßte Hope mit „Moin, moin“ und dem Hinweis, er sei dankbar, dass der Fußball ihm nicht das Publikum geklaut habe. Und dann ging es mit Unterstützung des fabelhaften Zürcher Kammerorchesters frisch mit Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ los. Hope bot die vier Violinkonzerte musikalischer an als Nigel Kennedy jüngst in der MuK. Bei ihm reißen keine Pferdehaare am Bogen, auch wenn er die Saiten schlägt und das Tempo anzieht, dass der Nachhall im Kirchenschiff nicht mitkommt. Bei Hope erscheinen die zarten Passagen zwischen den Rasereien besonders kostbar. Er erntete nicht enden wollenden Applaus.

II.

Hopes zweiter Auftritt am selben Abend, gegen 22.30 Uhr in der Ernestinenschule, war verblüffend. Er hatte den britischen Maler Norman Perryman (82) mitgebracht, der zu William Waltons Sonate für Violine und Klavier von 1947 ein Feuerwerk an Farben entfachte. Er malte mit Wasserfarben auf Glasplatten, für das Publikum sichtbar gemacht auf einer Leinwand mit Projektoren. Perryman verwandelte seine Eindrücke von den spätromantischen Klängen, die Hope mit dem Pianisten Sebastian Knauer im Hintergrund spielte, in liquide Strukturen. Wenn die Geige auftrumpfte, wurden die Farbschlieren und -tropfen intensiver.

III.

„Buongiorno“, begrüßte gestern Morgen SHMF-Intendant Christian Kuhnt die Gäste im Museum Behnhaus/Drägerhaus zum Gesprächskonzert. Und stellte im selben Idiom „Daniele Speranza“ (Daniel Hope) und „Guglielmo Carpentiere“ (Willy Zimmermann) vor. Es ging gen Italien, genauer: nach Cremona, wo im 17. Jahrhundert Andrea Guarneri und Antonio Stradivari die heute kostbarsten Geigen bauten. Das Duell Guarneri (Hope) gegen Stradivari (Zimmermann) kam zu dem Ergebnis: Solche Instrumente kann nur mit Gewinn spielen, wer sich auf ihre Eigenarten einlässt und über Virtuosität verfügt. Zimmermann demonstrierte den glasklaren Klang seiner Dienst-Stradivari, die er als Konzertmeister des Züricher Kammerorchesters spielen darf. Hopes Guarneri, die einst dem Paganini-Kontrahenten Karol Lipinski gehörte, klang dagegen eher nach Jazz. Doch wenn die beiden Kontrahenten sich bei Duos von Bartók zusammentaten, vereinigten sich Guarneri und Stradivari im Gleichklang.

IV.

Beim „Schnullerkonzert“ am Nachmittag waren Parkplätze für Kinderwagen und Buggys gefragt. Mitglieder des Zürcher Kammerorchesters spielten in der Aula des Johanneums für Kinder von 0 bis drei Jahren – musikalische Frühförderung der besonderen Art. Als die Musiker begannen, sank der Lärmpegel zwar deutlich, blieb aber zeitweise hoch. Vor der Bühne waren Turnmatten für die Kleinen ausgelegt.

„Legen Sie sich ruhig dazu“, ermunterte Daniel Hope die Erwachsenen. Als es einem kleinen Kind geglückt war, auf die Bühne zu klettern, obwohl die Mutter dies mehrmals zu verhindern versuchte, wurde es vom Cellisten freudig begrüßt.

Mib, Liz

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