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Ein Enkel namens Geofrei und „Schweinsbraten für die Welt“

Wotersen Ein Enkel namens Geofrei und „Schweinsbraten für die Welt“

Volksmusik und Spott aus Bayern: Vergnüglicher Abend mit dem Kabarettisten Gerhard Polt und den Wellbrüdern beim Festival in Wotersen.

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Die Wellbrüder, Sprosse einer musikalischen Großfamilie, und Kabarettist Gerhard Polt in Wotersen.

Quelle: Foto: Marco Ehrhardt

Wotersen. Für die Drei-Mann-Kapelle aus Bayern ist Wotersen ein Ort, „wo sich’s ganze Jahr nichts rührt“. In der Reithalle von Schloss Wotersen begannen der Kabarettist Gerhard Polt und die Wellbrüder aus’m Biermoos dennoch eine kleine Tournee durch die schleswig-holsteinische Provinz. „Gehobene Unterhaltung mit humanitärem Beigeschmack“ war versprochen worden.

Wenn die Wellbrüder Karl, Michael und Christoph auftreten, tun sie es mit großem Einsatz, warten unter anderem mit Harfe, Gitarre, Tuba, Drehleier, Flöte, Akkordeon, Kontrabass und Alphörnern auf.

Wer Bayerisch versteht, ist klar im Vorteil, auch wenn die Brüder „den echten Norden“ und Hamburg aufs Korn nehmen („Wo die Flora nicht grün ist, sondern rot. Der Olaf Scholz hat den Charme von Knäckebrot . . .“).

Gerhard Polt saß da noch mehr oder weniger unbeteiligt am Rand des Geschehens. Als Spießer, der genau registriert, wenn sein Nachbar 48 statt der erlaubten acht Würstchen auf den Grillrost legt („Woher ich das weiß? Wozu habe ich eine Drohne?“), als Großvater, der seinem Enkel Geoffrey, gesprochen Geofrei und genannt Bubi, helfen will, ein tüchtiger Mensch zu werden, griff er ein. Sehr unterhaltsam, aber ziemlich harmlos.

Wer sich auf Böseres gefreut hatte, musste aber nicht lange durchhalten. Polts Spott traf zum Beispiel die Medienverliebtheit junger Leute: „Wenn die Salafisten einen köpfen, dann schauen die zu!“ In der Rolle des dusseligen Beobachters läuft der Kabarettist zu Hochform auf. Schon Karl der Große habe doch die Sachsen enthaupten lassen, damit sie Christen werden, überlegt er laut. „Ob das Erfolg hatte, weiß ich nicht.“ Noch aber ging das Publikum nicht recht mit. Mit ihrer Aufforderung mitzujodeln, blitzten die Wellbrüder ab. Zum Mitklatschen aber reicht das norddeutsche Temperament. Mitreißen ließen sich die Zuschauer, als die Musiker sich nicht nur als Meister bayerischer Volksmusik zeigten, sondern zu Hause in vielen Richtungen von Händel bis Pop erwiesen und ihren Anti-Pegida-Song „Schweinsbraten für die Welt“ zum Besten gaben.

Mit „Mambele“ als Zugabe wurde es dann afrikanisch. Polt sang und ließ die Hüften kreisen – das Publikum war hin und weg.

liz

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