Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Fest des edlen Mutter-Klangs

Lübeck Ein Fest des edlen Mutter-Klangs

Das Lübecker Publikum folgt der Geigerin und ihrem Pianisten Lambert Okris auch in fremde Gefilde.

Lübeck. Die Geigerin Anne-Sophie Mutter veredelt alles, was sie unter den Bogen nimmt, auch das eher schlichte Thema, das John Williams für den Film „Schindlers Liste“ geschrieben hat. Sie macht daraus eine Kantilene in getragenem Tempo, die neben Trauer auch Lebensmut transportiert.

Das war die dritte Zugabe beim SHMF-Konzert von Mutter und ihrem ergebenen Knappen, dem Pianisten Lambert Okris, in der Lübecker MuK. Begonnen hatte der Abend anspruchsvoller, mit einem Werk des 1959 geborenen Sebastian Currier. „Clockwork für Violine und Piano“ ist nicht nervenschonend, obwohl es als schüchterne Begegnung der beiden Musiker beginnt, als müssten sie sich erst vertraut werden. Sie steuern dann auf virtuose Turbulenzen zu, wagen einen Ausflug ins Ungefähre. Ein verspielter letzter Satz mit der Bezeichnung „restless“ hält die Ruhelosigkeit nicht durch: Nach hyperaktivem Beginn erstirbt die Musik.

Mutter beweist mit diesem Auftakt einmal mehr, dass sie mit ihrem noblen, aber offenen Auftreten auch Zeitgenössisches zu vermitteln weiß. Das Publikum folgt ihr bereitwillig ins Neuland, zur Belohnung bekommt es die Mozart-Sonate KV 526. Dabei demonstriert sie ihre exquisite Tongebung und die Fähigkeit, die Dynamik im feinsten Pianissimo noch sehr differenziert zu gestalten.

Danach ist der Saal auch für sperrige Sonaten von Maurice Ravel und Francis Poulenc zu haben. Ravel versuchte in den 1920er Jahren, den Blues in seine expressionistische Tonsprache zu integrieren, Mutters Violinen-Pizzikati klingen wie vom Banjo gespielt. Der Schlusssatz „Perpetuum mobile“ kommt wie auf Eisenbahnschienen daher, rasant und unerbittlich – ein Spaß für die Geigerin. Keinen Spaß

kennt Poulencs Klage und Anklage, dem 1936 von Falangisten erschossenen Dichter Federico García Lorca gewidmet. Ein ergreifendes Werk. Ein Paradestück von Camille Saint-Saëns wirkt im Anschluss banal, trotz des edlen Mutter-Sounds.

mib

Voriger Artikel
Mehr aus Kultur im Norden