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Kultur im Norden Ein Fest für den großen Lord
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18:17 04.06.2016

Wenn Menschen nicht zur Musik kommen können, muss die Musik sich zu ihnen aufmachen: Eine Idee von Lord Yehudi Menuhin. Sie führte 1977 zur Gründung der Aktion „Live Music Now“ (LMN). Der Lübecker Zweig feierte im Großen Saal der Musikhochschule ausgiebig den 100. Geburtstag des Ausnahmegeigers.

Das dreiteilige Konzert beeindruckte schon durch Zahlen. Rund 500 Auftritte vor Benachteiligten, Behinderten, Kranken, Flüchtlingen, Heimbewohnern wurden in den vergangenen Jahren in Lübeck und der Region organisiert, sagte die Vorsitzende, Gabriele Fehm-Wolfsdorf.

Eineinhalb Dutzend junge Musiker bestritten das Geburtstagsprogramm. Es bestand aus 15 Kompositionen; die Zugabe nicht mitgerechnet.

Drei Teile, drei musikalische Ideen. Zunächst waren die drei großen B angesagt: Bach, Beethoven, Brahms, mit ganzen Sonaten oder einzelnen Sätzen. Zu Beginn Bach für Geige und Cembalo (John Doig, Liene Orinska). Dann Beethovens op. 30 Nr. 3 mit Julius Beck (Geige) und Stefan Veskovic, der mehrere Streicher am Klavier begleitete. Aus allen drei Brahms-Sonaten für Klavier und Violine wurde musiziert.

„Menuhins Encores“ lautete der zweite Teil des Abends. Gemeint waren beliebte Zugaben für die Geige. Sie führten schwungvoll durch die Zeiten: Enescu (spritzig: Julius Beck), Saint-Saens (hervorragend: Hovhannes Partizpanyan), nochmals Brahms (ausgefeilt: Ieva Eidukonyte), Kreisler (beschwingt: André Robles Field), Sarasate (virtuos: Ayumu Sasaki), Bernstein (souverän: Sophie Heinrich).

Der letzte Teil brachte Entdeckungen Menuhins in verwandten Bereichen. Bartok für Geige allein gab Shoko Murakami Gelegenheit zu glänzen. Danach die Begegnung zweier Welten: Menuhin und der Jazz-Violinist Stéphane Grappelli. Hierfür war ein Sextett ehemaliger LMN-Stipendiaten aufgeboten: die Geigerinnen Nele Schaumburg und Kayako Bruckmann, dreimal Gitarre (Frederik Schlender, Nicolas Kücken, Patrick Farrant) und Kontrabass (Jan-Niklas Eichert). Zum Schluss kamen Klarinette (Bernd Ruf) und Posaune (Luka Stankovic) hinzu. Mit Swing, Klezmer und Zigeunerjazz wurden die Besucher verabschiedet; nach ziemlich genau vier Stunden.

kd

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