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Ein Fest nicht nur für Nils Landgren

Timmendorfer Strand Ein Fest nicht nur für Nils Landgren

Der Leiter der Jazz Baltic gab gestern sein Programm bekannt — Er selbst wird eine gewichtige Rolle spielen.

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Feierbiester machen Faxen an der Ostsee: Nils Landgren (r.), Posaunist und Künstlerischer Leiter der Jazz Baltica, mit SHMF-Intendant Christian Kuhnt.

Quelle: Axel Nickolaus

Timmendorfer Strand. Wenn Nils Landgren das Programm des Festivals Jazz Baltica bekannt gibt, macht er aus dem Termin stets eine kleine Party — der Schwede ist das, was ein einst in Deutschland tätiger Holländer „Feierbiest“ nannte. Gestern aber bereiteten ihm die Intendanz des Mutterschiffs, des Schleswig-Holstein Musik Festivals, und die Gemeinde Timmendorfer Strand ein kleines Fest an der Ostsee. Denn erstens wurde der Künstlerische Leiter des größten Jazz-Ereignisses nördlich der Elbe soeben 60 Jahre alt. Zweitens findet Jazz Baltica zum fünften Mal auf dem Gelände der Ewers-Werft und am Hafen des Timmendorfer Ortsteils Niendorf statt.

LN-Bild

Der Leiter der Jazz Baltic gab gestern sein Programm bekannt — Er selbst wird eine gewichtige Rolle spielen.

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Ein Geburtstagskuchen samt Tischfeuerwerk wurde also aufgefahren, es gab Umarmungen von SHMF-Intendant Christian Kuhnt und Bürgermeisterin Hatice Kara und die Zusicherung der Sponsoren Audi und Invenstitionsbank Schleswig-Holstein, weiterhin großzügig sein zu wollen.

Das Fest wird weitergehen, wenn am 24. Juni der Jazz den Takt in der Niendorfer Werfthalle übernimmt. „Celebrating Nils“ heißt dort die erste Nachtschicht, und es darf getanzt werden zum unwiderstehlichen Drive von Landgrens Band Funk Unit. Außerdem wird der Posaunist am Festival-Sonntag als Gast des Berliner Quartetts Mo‘ Blow auf der Bühne stehen. Diese Band biete ein ekstatisches Erlebnis, versichert Landgren, sie zünde ein groovendes Feuerwerk.

Zugleich steht Mo‘ Blow für einen Schwerpunkt der Jazz Baltica dieses Jahres: Das Festival soll vermitteln zwischen etablierten Musikern und Newcomern oder weniger prominenten Bands. Deshalb lässt sich der Künstlerische Leiter gerne auf die Bühne zur Band des Saxofonisten Felix Falk bitten.

Zu denen, die Zugpferde des deutschen Jazz seit vielen Jahrzehnten sind und die das Zeug zum Mentor haben, zählen die Pianisten Wolfgang Dauner und Joachim Kühn. Dauner, vor kurzem 80 Jahre alt geworden, ist eine internationale Größe. Er wird mit seinem Sohn Florian, bekannt als Schlagzeuger der Fantastischen Vier, im Duo „eine intime Konversation“ anstreben. Kühn (72) wird mit seinem Trio — Chris Jennings am Bass und Eric Schaefer am Schlagzeug — ein sonntägliches Nachmittagskonzert spielen. Die Jungen, die noch Aufmerksamkeit brauchen, sind zum Beispiel der Schlagzeuger Christian Lillinger, der mit seiner Gruppe Amok Amor (mit dem US-amerikanischen Trompeter Peter Evans) neue Töne hören lässt, auch die Pianistin Anke Helfrich und ihr Trio, dazu eine Reihe von Gruppen, die wieder die Open-Air-Bühne am Hafen bespielen werden. Darunter Jazz in the box, ein Sextett, das sich im Kontext der Bigband des Ostseegymnasium Timmendorf gebildet hat, oder das Quartett der Bassistin und Sängerin Lisa Wulff, die noch in Hamburg studiert.

Überhaupt die Frauen: Die Musikerinnen im Jazz bilden einen zweiten Schwerpunkt (Landgren: „Ich bin ja ein guter Feminist“). Es wird in diesem Jahr kein Jazz Baltica Ensemble geben, aber eine Bigband, die das Festival in der Ewers-Werft eröffnet — ein reines Frauen-Orchester, angeführt von der schwedischen Trompeterin Ann-Sofi Söderqvist. Ihre Kompositionen stehen bei dem Konzert im Zentrum.

Und dann kann sich auch Tini Thomsen noch einmal auszeichnen: Die Bariton-Saxofonistin hat im vergangenen Jahr den Preis der Investitionsbank Schleswig-Holstein erhalten, nun kommt sie mit ihrer Version des Klassikers „Peter und der Wolf“ zum Familienkonzert am Sonntagvormittag. Sie hat Sergei Prokofjeffs Musik für Jazz-Orchester neu arrangiert. Und damit daraus wiederum ein rundes Fest wird: Fernsehtante Hella von Sinnen wird die Geschichte temperamentvoll vortragen.

Der Jazz-Posaunist und die wilden 80

Das Schleswig-Holstein Musik Festival hat ebenfalls Nils Landgren im Programm. Am 18. Juli wird er die riesige Holstenhalle von Neumünster bespielen — mit 80 jungen Posaunisten aus den Musikschulen Schleswig-Holsteins, mit denen der Schwede zuvor einen Workshop abgehalten hat. Titel des Konzerts: „Nils L. und die wilden 80“.

In der Vorweihnachtszeit taucht Landgren noch einmal an der Ostsee auf: Er wird am 30. November im Maritim Seehotel in Timmendorfer Strand gemeinsam mit einer Rhythmusgruppe und einer Handvoll Sängerinnen und Sängern Weihnachtslieder aus Europa, und den USA intonieren.

Von Michael Berger

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