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Kultur im Norden Ein Filmfreund durch und durch
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18:21 04.01.2018
Rolf Hiller 1966 beim Festival umrahmt von den DDR-Schauspielern Erwin Geschonneck (l.) und Herbert Köfer. Bild rechts: das erste Filmtage Programm von 1956.

Am Anfang wurde viel gestorben. Rolf Hiller und seine Mitstreiter hatten den finnischen Film „Der unbekannte Soldat“ nach Lübeck geholt. 1955 uraufgeführt, hatte das Lübecker Publikum schon im Spätsommer 1956 Gelegenheit, den Antikriegsfilm von Edvin Laine zu sehen. „Autor und Regisseur sind anwesend“, hieß es im Programm.

Die Nordischen Filmtage Lübeck, die 2018 zum 60. Mal stattfinden, sind ein kulturelles Ereignis von internationalem Rang. Dass es sie gibt, hat Lübeck Rolf Hiller zu verdanken. 1956 rief der damalige Vorsitzende des Film-Clubs das Festival ins Leben. Heute wird Hiller 90 Jahre alt.

In Lübeck fanden gerade die Nordischen Tage statt, ein deutsch-skandinavischer Wirtschaftsaustausch, der die Kontakte vertiefen sollte und bedeutsam genug war, um den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss zu einem Besuch in Lübeck zu bewegen. Es gab auch ein kulturelles Programm – mit Ballett und Filmen.

Rolf Hiller, von Beruf Apotheker, war damals 28 Jahre alt und seit langem ein Filmfreund durch und durch. Seine kleine Filmschau sollte ohne Festival-Ehrgeiz, Jury und Preise auskommen. „Die skandinavischen Länder waren damals für ihre Filme – Militärklamotten und alberne Sexfilme – eher berüchtigt als berühmt“, sagt er. „Wir kannten Ingmar Bergman und andere Regisseure, die hier völlig untergingen.“

Dass aus dem kleinen Festival einmal ein großes werden würde, war 1956 noch nicht abzusehen. Ein paar hundert Leute kamen, darunter auch Vertreter überregionaler Presse. Es gab viel Lob, was zum Weitermachen anspornte. 1957 fanden die ersten offiziellen Filmtage Lübeck statt, „obwohl es die zweiten waren“, wie Hiller sagt. 14 Jahre lang hat er gemeinsam mit anderen Filmfreunden die Filmtage organisiert – zweimal fand kein Festival statt, weshalb es in diesem Jahr die 60. Nordischen Filmtage Lübeck gibt.

„Ein Problem war: Wir hatten wenig Geld zur Verfügung“, sagt Hiller. Beim ersten Festival betrug der Etat ganze 753 D-Mark. Erstaunlich viel hat der Film-Club dafür auf die Beine gestellt, neun Filme aus Dänemark, Schweden und Finnland gezeigt, ein Programmheft erstellt und gedruckt.

Gearbeitet wurde professionell, aber rein ehrenamtlich. Einige Filme waren bereits englisch untertitelt. „Die anderen haben wir eingesprochen“, sagt Hiller. Einige der Mitorganisatoren konnten Norwegisch, Dänisch oder Schwedisch. Andere nicht. „Auch ich habe einen Film übersetzt“, sagt Hiller, „das muss furchtbar gewesen sein.“ Die Filmauswahl gehörte für den Festival-Gründer immer zu den Höhepunkten. Als selbstständiger Apotheker sei es für ihn aber nicht leicht gewesen, dies zu leisten. Seine Apotheke konnte er nicht lang allein lassen. Also reiste Hiller in den Norden, um innerhalb einer Woche alle Hauptstädte zu besuchen. Am leichtesten hatte er es in Oslo, wo Film-Journalisten schon eine Vorauswahl getroffen hatten. Auch dort hatte er jedoch im wahrsten Sinne des Wortes schwer zu schleppen. Um die 25 Kilo hätten die Filmrollen gewogen, die er nach Lübeck mitbrachte: „Aber ich war ja jung und konnte das tragen.“

Rückblickend sagt Hiller: „Es hat Freude gemacht. Aber es hat auch Schwierigkeiten gegeben. Es war nicht immer leicht, davon zu überzeugen, wie wichtig Film für Lübeck ist.“ Seit vielen Jahren ist er nur noch Gast bei den Nordischen Filmtagen Lübeck, die im Laufe der Zeit immer größer und professioneller geworden sind. Ob er stolz sei auf das, was aus dem kleinen Festival geworden ist. „Ohne Frage, das bin ich“, betont er. Gleichwohl sieht er die Filmtage nicht unkritisch. Es würden so viele Filme gezeigt, da seien eben auch Luschen dabei.

Seinen 90. Geburtstag feiert Hiller nicht heute, sondern am Sonntag. Denn es gibt doppelten Grund. Seine Frau Irene wird an diesem Tag 85. Eine Filmfreundin ist auch sie – das bleibe an der Seite dieses Mannes nicht aus, wie sie sagt.

Von Liliane Jolitz

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