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Kultur im Norden Ein Flausch-Hase in Käfig-Haltung
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21:47 09.02.2018
Das ist Hase Hartmann, „ein verblüffend flauschiger, prachtvoller Hase“.  Quelle: AUS DEM BAND
Lübeck

Er liebe seinen Beruf, sagt Jan Kaiser. Um aber der Gefahr zu entgehen, „an den schnöden Paragraphen zu verzweifeln“, schreibe er. Seine Gedichte sind in verschiedenen Zeitungen erschienen – und gesammelt als Buch. Nach einer Schreibpause kam ihm die Idee für ein Bilderbuch. In nur wenigen Tagen schrieb er den Text. Für die Illustrationen gewann er den Lübecker Grafikdesigner Hans Lafrenz, einen Freund seiner Eltern.

In dem Bilderbuch greift Kaiser, Vater von vier Kindern, ein Thema auf, das viele Eltern kennen: Kinder möchten unbedingt ein Haustier, dessen sie dann aber schnell überdrüssig werden.

In dem Buch wünscht sich Mats Hartmann zu Weihnachten einen Hasen. Die Eltern sind strikt dagegen. Aber Mats setzt sich durch. Onkel Urs, „ein wackerer Jägersmann“, fängt im Wald ein Langohr. Mats wird jedoch nicht glücklich mit seinem neuen Zimmergefährten. „Käfig säubern, neues Futter, Stroh und Pinkelstreu ...“ Dabei will er doch lieber „auf dem Handy rumdrücken“. Traurig sitzt das vernachlässigte Tier, „Ohr eingerissen, Fell zerstruppt“ in seinem Käfig – wer da nicht mit ihm leidet, der hat kein Herz.

Die Geschichte ist so hinreißend erzählt und so wunderbar illustriert, dass sie nicht nur Kinder gefangen nimmt, sondern auch Erwachsene. Der Text ist knapp und lakonisch, trifft damit aber zielgenau. Zugleich lässt er eine Neigung zum Verspielten erkennen, eine Sprachliebe und einen Hang zu Alliterationen. So heißt es über die Ernährungsgewohnheiten des Hoppeltieres: „Hase Hartmann frisst. Raschelnde Rosinenrosen, leckeres Libellengras.“

Unterhaltsam ist das Bilderbuch und lehrreich, aber nicht belehrend. Dass es von einem Hasen erzählt, erinnert an „Die Häschenschule“ von Albert Sixtus, 1924 erschienen und zu einem der bekanntesten deutschen Bilderbücher avanciert. Das ist durchaus beabsichtigt. Anders als in dem berühmten Vorgänger wird hier jedoch der Hase nicht vermenschlicht, sondern darf ganz Hase bleiben.

Für die Illustrationen hat Jan Kaiser den Lübecker Hans Lafrenz gewonnen. Auch für den 1943 geborenen Grafikdesigner war „Hase Hartmann“ sein Bilderbuch-Debüt. Er hat sofort eingewilligt mitzumachen.

Lafrenz, unter anderem Erfinder des Ikea-Elches, mit dem die Möbelmarktkette früher für ihre Produkte geworben hat, wusste sofort, was zu tun war. „Plüschig und liebenswert“ sollte der Hase sein. Mehrere Entwürfe hat er gezeichnet, eine setzte sich gegenüber dem Verlag durch.

„Er beherrscht jeden Stil, auch die großen Maler wie Rembrandt oder van Gogh“, sagt Jan Kaiser über seinen Illustrator. Ihm selbst ist nicht das Schreiben, sondern die Juristerei in die Wiege gelegt worden. Jan Kaiser, 1976 geboren, stammt aus einer Lübecker Juristen-Familie. Der Vater war Vorsitzender Richter am Landgericht, der Bruder Torsten Kaiser ist Rechtsanwalt in Lübeck. Er selbst schlug nach seinem Jura-Studium ebenfalls die Richter-Laufbahn ein. Er arbeitete als Richter, gründete 2005 zudem mit seinem Vater und seinem Bruder in Lübeck ein Repetitorium für Rechtsreferendare, das auf das zweite juristische Staatsexamen vorbereitet. Inzwischen bietet es seine Dienste an sieben verschiedenen Standorten an. Jan Kaiser hat Lübeck schon vor Jahren verlassen, er lebt mit seiner Familie in Freiburg im Breisgau.

Sein Bilderbuch erzählt nicht nur von einem Kind und seinem Haustier. Von Mats erfährt man, dass er sich gern mit seinem Handy beschäftigt, nicht aber, ob er liest. Schließlich nutzen Kinder und Jugendliche immer seltener Gedrucktes. Ob sie Bücher, Zeitungen, Zeitschriften nutzen, hängt wesentlich von den Eltern ab. Immerhin in drei von vier Familien lesen die Eltern laut einer Studie der Stiftung Lesen ihren Kindern von bis zu drei Jahren vor. Das klingt nicht so, als müsste einem bange sein.

„Hase Hartmann“ von Jan Kaiser und Hans Lafrenz erscheint am 15. Februar, Verlag Urachhaus, 14 Euro.

Von Liliane Jolitz

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