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Ein Fremder stört

Lübeck Ein Fremder stört

„In mir ist eine andere Welt“ – Theaterstück über das Fremdsein, das in Klassenzimmern aufgeführt werden soll.

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Kleiner Mann, was nun? Rebecca Indermaur als Erzählerin im mobilen Kinder- und Jugendstück „In mir ist eine andere Welt“.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Nach dem Solo der Schauspielerin Rebecca Indermaur sind die Zuschauer eingeladen, ein Spiel mitzumachen. Eigentlich ein Würfel-Wettkampf, der die Merkfähigkeit beansprucht. Doch dann stellt sich heraus, dass das Publikum Teil eines Experiments über Fremdsein und Toleranz wurde.

Mehr sollte man nicht offenbaren, denn die Theaterpädagogin Katrin Ötting will, dass Schülerinnen und Schüler ihre Inszenierung von „In mir ist eine andere Welt“ und die Nachbereitung unvoreingenommen aufnehmen – das Stück soll in Schulklassen von Kindern ab 10 Jahren aufgeführt werden.

Man darf verraten: Bei der Premiere im Landschaftszimmer des Theaters Lübeck nahm das Gruppenspiel beim Nachgespräch mehr Raum ein als der Auftritt Indermaurs zuvor. Immerhin bringt die Schauspielerin die Geschichte vom Mann, der mit seinem Floß auf einer Insel landet, ganz nah ans Publikum. Wenn sie den Raum betritt, schiebt sie einen Container vor sich her, aus dem sie ihre Requisiten entnimmt. Sie hisst ein Segel, das nun als Projektionsfläche dient – Zeichnungen sind darauf zu sehen, mit denen der Autor Armin Greder das Buch „Die Insel“ illustriert hat. Seine Erzählung wird hier verhandelt.

Darin ist vor allem von den Inselbewohnern die Rede, die den nackten Neuankömmling am liebsten wieder wegjagen würden. Er stört sie in ihrem Alltag. Man sieht sie essen, trinken, feiern, und Indermauer liefert schmatzend, glucksend und johlend den Soundtrack dazu. Diese Menschen behaupten, sie hätten Angst vor dem Fremden – auf jeden Fall wollen sie nichts abgeben: „Wir können doch nicht alle durchfüttern, die kommen!“ Niemand interessiert sich dafür, warum der Mann bei ihnen gestrandet ist. „Sie hatten ihn auf ihrer Insel aufgenommen, jetzt fanden sie ihn in ihrem Leben “, heißt es in Greders Text. „Aufgenommen“ bedeutet allerdings: Er wird mit Forken bedroht, eingesperrt und dann doch wieder hinaus aufs Meer verfrachtet. Dann bauen die Insulaner eine große Mauer um ihr Eiland.

Ein Floß mit dem Mann als Puppe wandert durch die Publikumsreihen. Wie geht es mit ihm weiter? Man muss seine Fantasie bemühen. Ein magischer Moment.

Klassenzimmerstück: Lehrer können „In mir ist eine andere Welt“ in ihre Klassen holen. Dauer: 2 Schulstunden incl. Mitmachaktion. (0451) 7088115.

mib

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