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Kultur im Norden Ein Heiligtum für Shakespeare-Pilger
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18:16 22.04.2016
Sah so etwa auch der Vorgänger aus? Das 1997 fertiggestellte neue Globe Theater am Ufer der Themse in London. Quelle: imago

. London-Touristen betrachten das Globe Theater mitunter als eine Art Shakespeare-Tempel. Holzbänke, plus Stehplätze direkt vor der Bühne, das Gebäude nur teilweise überdacht — alles wie vor 400 Jahren. Alles auch ein bisschen Nostalgie-Ecke, Heiligtum für Shakespeare-Pilgerer. Funktioniert so Theater?

Dabei versteht sich die Truppe als Welttheater im wahrsten Sinne des Wortes. „Globe to globe“, heißt ihr Unternehmen. „Eine Zwei-Jahres-Tour in jedes Land der Welt.“ Die Truppe spielte am Ende der Welt, in einer Schule in Hargeisa etwa, einer Stadt im Norden Somalias. Gespielt wird immer wieder „Hamlet“, das Meisterwerk über Intrigen, Macht und Tod.  

Gab es jemals eine ähnliche Mammut-Tour einer Theatertruppe? Aber schließlich vertritt das Globe die Weltmarke Shakespeare, es geht um Weltliteratur im besten Sinne. Bald ist die Tour um den Globus zu Ende, der Schlussakkord ist in London — am heutigen 400. Todestag des Dichters.  

Der Führer, der die Touristen durchs Theater lotst, blickt natürlich gerne zurück. Der Mann könnte selbst einem Shakespeare-Drama entsprungen sein, so spannend macht er seine Rede. Ob das 1997 wieder errichtete Globe so aussieht wie vor 400 Jahren? „Well“, beginnt der Touristenguide, holt tief Luft, entschließt sich zur Ehrlichkeit. „Wir wissen es nicht, es gibt keine Dokumente.“ Doch fest stehe, 3000 Leute passten damals ins Theater, allein 1000 standen vor der Bühne im Freien, das kostete damals einen Penny, für die bessere Gesellschaft gab es Logen, „damit sie gesehen werden konnten“.  

Es ging hoch her im Theater damals, das war kein Hochamt für Bildungsbürger, es ging um Geschäft und Unterhaltung, nicht zufällig war Shakespeare Teilhaber im Globe — Autor, Schauspieler und Geschäftsmann in einer Person. Seine Stücke mussten gefallen, erschrecken, berauschen. Ob „Hamlet“, „Macbeth“, Romeo und Julia“ — das waren saftige Dramen aus dem prallen Leben. Die Stücke wurden täglich gewechselt, gespielt wurde am Nachmittag. Manche Historiker fragen sich, wie die Leute den Theaterbesuch mit ihrer Arbeit verbinden konnten.

Das Globe ist einzigartig. „Der Dialog zwischen der Bühne und dem Publikum ist das, was mich an dem Job gereizt hat“, verrät Emma Rice, die neue Globe Direktorin. Von allzu viel Nostalgie will sie nichts wissen, auch von einer reinen Tourismus-Falle hält sie nichts. Sie wolle ein junges, abenteuerlustiges Publikum, das ins Theater geht, „um einen gelungenen Abend zu haben“.

Samt „Geheimnissen und Zauberei“, versteht sich. So wie vor 400 Jahren.

LN

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