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Ein Instrument der sanften Emotionen

Lübeck Ein Instrument der sanften Emotionen

Erstes Lautenfestival in Lübeck findet im historischen Dielenhaus statt.

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Lübeck. Vom 10. bis zum 18. Juni findet zum ersten Mal in Lübeck ein der Laute gewidmetes Festival statt. Unter dem Titel „Lübecker Lauten Lust“ werden im historischen Dielenhaus in der Fleischhauerstraße 79 einige der besten deutschen Lautenisten auftreten.

Organisiert hat das Festival Ralph Lange, Direktor der Musikschule der Gemeinnützigen und selbst begeisterter Lautenist. „Ich bin darauf gekommen, ein Lauten-Festival zu veranstalten, als ich gelesen habe, dass es früher in Lübeck Rats-Lautenisten gab. Der berühmteste unter ihnen war Thomas Baltzar, der nach seiner Tätigkeit in Lübeck an den englischen Hof ging und dort als Violinist zu einem wahren Star wurde. Wie groß das Interesse hier an der Zeit zwischen 1500 und 1600 ist, hat sich auch am Erfolg der Ausstellung ,1500‘ gezeigt.“

Ralph Lange ist es gelungen, einen der bekanntesten Lautenisten überhaupt nach Lübeck zu holen. Joachim Held unterrichtet sein Instrument an den Musikhochschulen im holländischen Den Haag und in Bremen. Beide Hochschulen sind Hochburgen der Alten Musik, in Den Haag gibt es 150, in Bremen immerhin 85 Studierende für Alte Musik und für Instrumente wie Gambe, Laute und Naturhorn.

Joachim Held ist über ein ganz anderes Instrument zur Laute gekommen: „Als Schüler habe ich im Musikunterricht zum ersten Mal in meinem Leben ein Cembalo gehört. Der Klang und die barocke Musik haben mich zutiefst beeindruckt, zum Glück hatte ich einen Musiklehrer, der viel von Alter Musik verstand. Ich begann dann, Cembalo zu lernen, habe aber schnell gemerkt, dass das nicht mein Instrument ist.

Das wurde dann die Laute.“

Neben Laute spielt Joachim Held auch andere Zupfinstrumente aus Renaissance und Barock wie Theorbe, eine Basslaute. Held spielt keine Originalinstrumente, sondern Nachbauten barocker Lauten. Bei seinem Instrument ist er geblieben, immer noch fasziniert ihn vieles an der Laute: „Mit diesem Instrument hat man die Möglichkeit, innerhalb eines sehr leisen Tonspektrums die größten Emotionen auszudrücken. Man ist als Lautenist auch so dicht an seinem Instrument wie kaum ein anderer Musiker. Wir zupfen die Saiten mit den Fingern, das ist noch nicht einmal wie bei der Gitarre ein Fingernagel zwischen dem Spieler und der Laute.“

Joachim Held nennt die Laute auch ein „introvertiertes“ Instrument. „Wer auf die Pauke hauen will, soll Schlagzeuger werden. Die Laute ist ein leises, feines Instrument, das bestens in kleinere Räume passt.“

Die Szene der Alten Musik und damit auch die Berufaussichten der Studierenden dieses Faches haben sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verbessert. Joachim Held führt das auf das Wirken von Nikolaus Harnoncourt und den anderen Pionieren der historischen Aufführungspraxis zurück, die auch Originalinstrumente wieder zurück in den Konzertsaal brachten. „Es hat einen richtigen Boom gegeben, was die Alte Musik anging, der Markt ist immer noch sehr gut für Ensembles und Solisten, obwohl der Zenit überschritten zu sein scheint. Die Zahl der Anmeldungen an den Hochschulen ist leicht rückläufig, aber immer noch sehr hoch.“

Das Repertoire für Laute besteht fast ausschließlich aus Musik der Renaissance und der Barockzeit. Es waren wohl die Kreuzfahrer, die erstmals Lauten nach Europa gebracht haben, um 1500 galt sie als „Königin der Instrumente“. Die Laute stammt aus dem Orient und ist wohl in ihren Ursprüngen mehr als 4000 Jahre alt. Zeitgenössische Komponisten scheinen aber einen Bogen um dieses Instrument zu machen. Joachim Held: „Ich kenne sicher mehr als 100 aktuelle Kompositionen für Laute. Manche Lautenisten arbeiten mit Komponisten sogar zusammen. Insgesamt gesehen ist es aber ein Instrument, an dem die Moderne eher vorbeigegangen ist.“

Die Termine der „Lübecker Lauten Lust“

Das Festival eröffnet am Freitag, 10. Juni, 19.30 Uhr. Der Lautenist und Echo-Preisträger Joachim Held spielt Werke italienischer Komponisten der Renaissance.

Am Sonnabend, 11. Juni, 19.30 Uhr spielen die Lautenisten Ulf Dressler und Ralph Lange sowie der Harfenist und Counter-Tenor Daniell Fourie Lieder und Instrumentalstücke. Als Nachtkonzert findet am 11. Juni ab 22.30 Uhr ein Konzert mit Studierenden der Abteilung für Alte Musik der Hochschule der Künste Bremen statt.

Am Freitag, 17. Juni, 19.30 Uhr spielt Stephan Rath, Brühl, Musik aus der goldenen Zeit der Laute in Frankreich.

Am Sonnabend, 18. Juni, 19.30 Uhr präsentiert Michael Freimuth, Warnau, Sonaten des deutschen Lautenkomponisten Silvius Leopold Weiss, einem Zeitgenossen und Freund Johann Sebastian Bachs.

Den Abschluss des Festivals bildet am Sonnabend, 18. Juni, um 22.30 Uhr das Programm „Von Rom nach Wien“ für Laute, Violine und Gambe von Studierenden der Hochschule in Bremen.

Alle Konzerte finden im Dielenhaus (Fleischhauerstraße 79) statt.

 Jürgen Feldhoff

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