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Kultur im Norden Ein Junge und die Folgen der Finanzkrise
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21:17 24.09.2013
Todd Strasser alias Morton Rhue und sein neues Buch. Quelle: Foto: Gerke

Das Marzipan hat ihn gelockt. Der US-amerikanische Bestsellerautor Todd Strasser, in Deutschland besser bekannt als Morton Rhue, begann am Montag die Lesereise für sein im Juni erschienenenes Buch „No place, no home“ im Kinderliteraturhaus in Lübeck. „Letztes Jahr interviewten mich ein paar der jungen Bücherpiraten. Sie schwärmten, dass es in Lübeck das beste Marzipan gibt. Das war natürlich ein toller Anreiz, die Lesereise diesmal hier beginnen zu lassen“, sagt der New Yorker augenzwinkernd.

Bekannt wurde Todd Strasser mit dem Jugendroman „Die Welle“, der in Deutschland 1984 unter seinem Pseudonym Morton Rhue erschien. „Es kamen damals zwei Bücher gleichzeitig von mir heraus. Und um den Leser nicht zu verwirren, wollte der Verlag gerne ein Pseudonym“, sagt er. Seitdem darf man von Morton Rhue gesellschaftliche Themen erwarten.    

Auch sein neuer Jugendroman „No place, no home“spart nicht mit Sozialkritik. „45 Millionen Amerikaner gelten als arm, während die Verursacher der Finanzkrise immer reicher werden. Das ist ein Riesenproblem“, sagt Strasser. Wie es ist, wenn man aus seinem behaglichen Heim hinausgeworfen wird und sich in einer Zeltstadt wiederfindet, diese Erfahrung macht in dem Roman der junge Daniel. Der beliebte Baseballspieler fällt aus allen Wolken, als seine Eltern ihre Jobs verlieren und sich die Raten für das Eigenheim nicht mehr leisten können. Dan leidet unter der Situation. In der Zeltstadt Dignityville angekommen, lernt er jedoch Menschen kennen, die so gar nicht zu dem Bild des verwahrlosten Penners passen, das er immer mit Obdachlosigkeit assoziiert hat.

Für die Recherche besuchte Strasser einige Zeltstädte und sprach mit den Bewohnern. „Da leben Menschen, die noch voller Hoffnung sind, dass dies nur eine vorübergehende Situation für sie ist.

Andere dagegen haben aufgegeben“, erzählt er zwischen zwei Lesungen. Entspannt sitzt der 63-jährige Autor auf dem Sofa in der Bibliothek der Bücherpiraten. Leger in Jeans und dunkelblauen Sweatshirt, eine schwarze Brille auf der Nase, strahlt er Gelassenheit aus. Gerade hat er vor Lübecker Schülern die erste englischsprachige Lesung gehalten. „Die Fragen der Schüler hier sind immer sehr gut. Über die Reaktion der US-Leser kann ich noch gar nichts sagen, denn seit einiger Zeit werden meine Bücher zuerst in Deutschland veröffentlicht. In Amerika kommt es erst im Januar heraus.“

Schnell füllt sich auch am Nachmittag der Veranstaltungsraum der Bücherpiraten. Bevor er Passagen aus dem Buch vorliest, gibt Strasser mittels einer kleinen Powerpoint-Präsentation einen Einblick in sein privates Fotoalbum und zeigt, wie er sich seine Themen erarbeitet. „Viele Erlebnisse fließen direkt in neue Geschichten. Ein Buch zu schreiben ist oft meine Art, ein Thema zu begreifen“, sagt er.

Eine Lösung, wie man den obdachlos gewordenen Menschen helfen könnte, hat Strasser auch nicht. „Auch wenn man eine gute Ausbildung hat, kann Arbeitslosigkeit jeden treffen.“„No place, no home“ von Morton Rhue, Ravensburger Buchverlag, 224 Seiten, 14,99 Euro, ab 12 Jahren

Majka Gerke

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