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„Ein Juwel zu einem Diadem gemacht“

Lübeck „Ein Juwel zu einem Diadem gemacht“

Wer mit dem Begriff Festakt vor allem harte Stühle und Reden, die Geduld erfordern, verbindet, wurde auf das Angenehmste überrascht. Feierlich ging es selbstverständlich auch zu beim Festakt zum 25-jährigen Bestehen des Brahms-Instituts am Freitagabend in der Eschenburg-Villa am Lübecker Jerusalemsberg.

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Institutsgründer Kurt Hofmann.

Lübeck. Eher ungewöhnlich aber war die Benefiz-Aktion im zweiten Teil des Abends: äußerst unterhaltsam und zudem ertragreich.

LN-Bild

Festakt zum 25-jährigen Bestehen des Brahms-Instituts — Festredner Otto Biba würdigt die Einrichtung — Sabine Meyer gibt Klarinettenunterricht für einen guten Zweck.

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Die Versteigerung von 25 „Brahmsiana“ lief so gut, dass Institutsleiter Wolfgang Sandberger wohl wie erhofft von dem Erlös einen Brahms-Brief ersteigern kann. Schließlich gab es Dinge zu erwerben, die sonst nicht oder kaum zu bekommen sind wie eine Klarinettenstunde bei Sabine Meyer oder Mitspielen in einem Streichquartett.

Zunächst aber zum eigentlichen Festakt — Brahms-Institut und Brahms-Festival begehen in diesem Jahr ein Doppeljubiläum. Wenn ein solcher Geburtstag zu feiern ist, geht der Blick immer auch zurück.

Institutsgründer Kurt Hofmann erinnerte vor den geladenen Gästen an die Zeiten, als seine Sammlung ihren Platz noch in seiner Privatwohnung hatte: „Brahms war in unserem Arbeitszimmer zu finden, wenn es Anfragen zu Schumann gab, musste ich auf eine Trittleiter steigen.“ Das ist lange her. 1991 überließen Hofmann und seine Frau die weltweit größte Brahms-Privatsammlung dem Land Schleswig-Holstein zur Gründung des Brahms-Instituts. Die Einrichtung bekam ihren Sitz zunächst im Dachboden des Instituts für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte in der Königstraße. Im Sommer 2002 bezog sie ihr jetziges Domizil, die sanierte Eschenburg-Villa am Jerusalemsberg. Als Festredner hatte man den Direktor von Archiv, Bibliothek und Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Otto Biba, gewonnen. Der renommierte Verein, vor über 200 Jahren mit dem Ziel der „Emporbringung der Musik in allen ihren Zweigen“ gegründet, ist Johannes Brahms eng verbunden. Schließlich lebte und wirkte der Komponist von 1871 an bis zu seinem Tod 1897 in Wien. Seinen gesamten Nachlass an Noten und Büchern wollte er eigentlich im Archiv des Musikvereins wissen.

Ein Juwel — die Sammlung Hofmann — sei zu einem Diadem gemacht worden, würdigte Biba die Arbeit des Brahms-Instituts. Ihre Aufgabe sei eine permanente. „Das Wissen über Musik wird niemals abgeschlossen sein“, unterstrich er.

Eine kurze Pause trennte den Festakt vom zweiten Teil — der Auktion. Kleinere Umbauten waren erforderlich, und Wolfgang Sandberger verkündete: „Ich muss erst noch den Hammer holen.“ 25 einzigartige Lots galt es zu versteigern. Dass die schnell weggingen, lag zum einen am Geschick des Auktionators, aber auch an den Lots selbst. Mindestgebot für die Klarinettenstunde bei Sabine Meyer (Sandberger: „Wenn Sie Blockflöte spielen, können Sie die Stunden auch verschenken.“): 80 Euro. Alles ging so schnell, dass manchmal kaum zu verfolgen war, wer den Zuschlag erhielt. Aber Sandberger hatte alles im Griff — die Klarinettenstunde erbrachte 220 Euro.

Für 240 Euro stehen die Musik-Professoren Diethelm Jonas und Dieter Mack einen Abend lang als Köche zur Verfügung. Max Schön, neuer Vorsitzender der Possehl-Stiftung, ersteigerte eine Führung für vier bis fünf Personen durch das Brahms-Institut. Sandberger selbst wird die Gruppe begleiten. Auch Rico Gubler, Präsident der Musikhochschule, trug etwas bei. Er wird ein Stück für ein Wahl-Instrument komponieren und lässt dadurch 260 Euro in Sandbergers Kasse fließen.

Um eine Rarität — zwei Karten für die Klarinettennacht am 13. Mai (Sandberger: „Die war schon vor fünf Jahren ausverkauft, das ist fast wie Bayreuth“) — rissen sich die Anwesenden nicht so sehr. Sie gingen schnell für 60 Euro weg.

Geigenkasten bringt Münzen zum Klingen

Die Brahms-Galerie in der Musikhochschule ist um ein Objekt der besonderen Art bereichert worden. Hochschul-Präsident Rico Gubler und der Künstler Thomas Judisch enthüllten die Skulptur „Hier spielt die Musik“. Ein leerer offener Geigenkasten, allerdings aus Bronze. Für Gubler eine „eindeutige Andeutung“, dass Musik nicht zwangsläufig mit Reichtum verbunden sein muss. Thomas Judisch, 1981 in Waren an der Müritz geboren und in Kiel und Dresden ausgebildet, kam nach seinen Worten auf die Idee zu der Plastik, als er in Stuttgart Straßenmusikern zuhörte, die andauernd von der Polizei vertrieben wurden. Insofern sei seine Plastik so etwas wie ein Denkmal für diese hochprofessionellen Musiker. Nun ist dieser bronzene Geigenkasten aber nicht nur ein metallenes Objekt zum Anschauen, sondern auch ein Musikinstrument. Er erzeugt Klänge, wenn man Münzen hineinwirft. Und was man noch alles damit anstellen kann, bewies Schlagzeug-Professor Johannes Fischer. Er entlockte dem Kunstwerk sphärische Klänge, die das Publikum bezauberten. Was für eine Kunst.

Fel / Liliane Jolitz

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