Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Ein Kandidat mit Musik von Brahms und Strauss

Lübeck Ein Kandidat mit Musik von Brahms und Strauss

Richard Strauss und Johannes Brahms waren beim 6. Sinfoniekonzert der Lübecker Philharmoniker unter der Überschrift „Befreit von Vätern und Titanen“ vereint.

Lübeck. Richard Strauss und Johannes Brahms waren beim 6. Sinfoniekonzert der Lübecker Philharmoniker unter der Überschrift „Befreit von Vätern und Titanen“ vereint.

 

LN-Bild

Dirigent und GMD-Kandidat Pointner.

Quelle:

Die Erklärung des Titels fand sich im Programmheft. Teenager Strauss empfand einen Heidenrespekt vor seinem Vater Franz Joseph, Solohornist der königlichen Hofkapelle und Musikprofessor in München.

Und Brahms quälte sich fast 20 Jahre lang mit dem Gedanken an eine Sinfonie ab, dabei den Schatten des Titanen Beethoven im Nacken.

Der 19-jährige Strauss blieb bei seinem Hornkonzert Nr. 1 den Formen der Vätergeneration verhaftet. Marie-Luise Neunecker, Hornistin von Ruf, bot den Solopart mit lockerem Ton. Sie spielte die melodischen Bögen sehr schön heraus, phrasierte mit Geschmack. Das Miteinander mit dem Orchester klappte bestens.

Am Pult stand in der Musik- und Kongresshalle ein weiterer Bewerber um den Posten des Lübecker Generalmusikdirektors. Der Österreicher Philipp Pointner dirigierte mit klarer Zeichengebung, nahm die Musiker zurück, wenn die Solistin ausdrucksstarke Stellen hatte. Sängerfreundlich würde man das in der Oper nennen.

Begonnen hatte das Konzert mit Strauss’ selten aufgeführtem Ton-Gemälde nach Shakespeares „Macbeth“. Pointner ging hier schwungvoll ins aufwühlende Geschehen. Stürmisch endete das fesselnd dargebotene Stück. Die Fortschritte des Komponisten zwischen seinen Opusnummern 11 und 23 waren unüberhörbar. Strauss hatte seine eigene Tonsprache gefunden.

Prüfstein für den Dirigenten war die zweite Konzerthälfte mit der ersten Sinfonie von Brahms. Pointner analysierte die Architektur des Kopfsatzes klar. Im ruhig dahinfließenden Andante sostenuto ließ

er der Musik Zeit zum Atmen, den Solostellen von Oboe, Horn und erster Geige ebenfalls. Der dritte Satz zeigte ein austariertes Gegeneinander von Streichern und Bläsern im Trio. Geheimnisvoll hingetupft leiteten die Pizzicato-Stellen das Finale ein, dessen Hauptthema bei jedem Erklingen die Hörer mehr fesselte. Eine schlüssige Wiedergabe, die auch die Qualitäten des Lübecker Orchesters in der Rotunde der MuK unter Beweis stellte. Konrad Dittrich

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden