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Ein Kinder- und Jugendtheater würde Lübeck gut tun

Lübeck Ein Kinder- und Jugendtheater würde Lübeck gut tun

Schauspieldirektor Pit Holzwarth 1Sie beschwören mit Ihrem Programm den „heiligen Ernst des Spiels“.

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Lübeck. Schauspieldirektor Pit Holzwarth 1Sie beschwören mit Ihrem Programm den „heiligen Ernst des Spiels“. Mit Shakespeares „Kaufmann von Venedig“, Grass’ „Blechtrommel“, dazu mit Dostojewskij, Tschechow und Tennessee Williams gibt es viel Heiliges und Ernstes. Wo bleibt das Unheilig-Komödiantische?

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Schauspieldirektor Pit Holzwarth 1Sie beschwören mit Ihrem Programm den „heiligen Ernst des Spiels“.

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Gleich zum Spielzeitauftakt starten wir mit dem Schelmenroman „Die Blechtrommel“. Mit Monty Pythons „Spamalot“ haben wir einen extrem komödiantischen und anarchistischen Stoff in unserem Spielplan. Auch „Die Comedian Harmonists“ werden mit ihren ironischen Liedern und Texten unseren Zuschauer einen großen Spaß bereiten. Und wie wir wissen, zählt der russische Kulturtheoretiker Michail Bakhtin Dostojeweskis Romane zu den großen epischen Texten, die in der Tradition der karnevalesken Lachkultur stehen. Nachdem die junge Regisseurin Lucia Bihler mit ihrem phantastisch-komischen Zugriff auf Fassbinders „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ in der letzten Spielzeit für Furore sorgte, darf man auf ihren Umgang mit dem hintergründig-skurrilen Kafka Texten sehr gespannt sein.

2Mit der „Blechtrommel“, dem „Spieler“ und Mark Twains „Tom Sawyer“ stehen wieder drei Stücke nach Romanen auf dem Spielplan. Gibt es nicht genug originäre Theaterstoffe?

Wir möchten mit unserem Spielplan wesentliche Tendenzen des Gegenwartstheaters widerspiegeln und unseren Zuschauern neue und aufregende Erzählweisen vorstellen. Neben Filmadaptionen, Romandramatisierungen, dramatischen Klassikern haben wir mit Massinis „Lehman Brothers“ einen spannenden italienischen Gegenwartsautor in unserem Programm. Auch mit der Uraufführung „Rebellion der Liebe gegen den Starrsinn“ der Aspekte-Literaturpreisträgerin Kat Kaufmann können wir eine neue spannende dramatische Stimme präsentieren. Mit Michael Wallner haben wir einen renommierten und erfahrenen Kinder- und Jugendbuchautor engagiert, der mit dem Weihnachtsstück „Tom Sawyer, Huckleberry Finn und die gute Fee vom Mississippi“ für unsere kleinsten Zuschauer eine warmherzige Geschichte über Freundschaft und Abenteuer auf die Bühne bringt.

3Gibt es eine Leerstelle im Programm, die Sie gerne gefüllt sehen möchten?

Wir würden gerne – bei ausreichender finanzieller Förderung – ein professionelles Kinder- und Jugendtheater mit eigenem Ensemble und eigener Spielstätte gründen.

Ein Kabinettstück zum Auftakt

Mit einem musiktheatralischen Kabinettstück von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal eröffnet das Theater Lübeck die neue Spielzeit am kommenden Sonnabend im Großen Haus: In „Ariadne auf Naxos“(Foto: Jochen Quast) verliert Ariadne, Tochter des kretischen Königs Minos, von Theseus verlassen auf der Insel Naxos den Lebensmut.

Nur der Tod erscheint ihr noch erstrebenswert – bis sie dem Weingott Bacchus begegnet. Strauss und Hofmannsthal machten 1911 aus diesem Stoff mit ihrem Vorspiel eine Groteske: Im Haus des reichsten Manns von Wien sollen die Opera seria „Ariadne auf Naxos“ und eine Commedia dell’arte-Darbietung gleichzeitig gegeben werden. Das löst ein schönes Chaos zwischen den Beteiligten aus.

Das Schauspiel wird am 23. September mit „Der Kaufmann von Venedig“ von Shakespeare eröffnet, am 1. Oktober folgt die Bühnenversion von Güter Grass’ Roman „Die Blechtrommel“ in der Bearbeitung von Peter Schanz.

Konkurrenz zu Hamburg

Geschäftsführender Theaterdirektor Christian Schwandt

1Die Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg sei eine schwierige Herausforderung auch für das Theater Lübeck, sagten Sie im April.

„Daneben müssen wir bestehen.“ Was ist Ihre Antwort auf diesen Wettbewerb mit dem benachbarten Riesen?Es wird schwer: Hamburg setzt mit seiner ganzen Wirtschaftskraft auf Kultur. Wir müssen intelligenter, beweglicher, origineller sein. Unser Vorteil: Wir sind nicht so von Stars und ihren Agenturen abhängig.

2 Der Kulturbereich, auch das Theater, ist chronisch klamm. Muss das ewig so weitergehen? Wo ist da der Gordische Knoten, den es zu durchschlagen gilt? Der Kampf geht immer weiter. Aber unsere Argumente werden besser: Diejenigen, die als letztes hart an Theater und Kultur gespart haben, waren die Landesregierungen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Es ist ihnen nicht gut bekommen.

3Das Programm der Spielzeit bewegt sich zwischen Händel und Bernstein im Musiktheater. Zwischen Shakespeare und Grass am Schauspiel. Gibt es eine Leerstelle, die Sie gerne gefüllt sehen möchten? Im Schauspiel: „Der Wald“ von Aleksandre Ostrowskij. Wunderbare Rollen für unsere Schauspieler. Im Musiktheater: „Oliver!“ von Lionel Bart. Hoffentlich kann ich Frau Dr. Kost-Tolmein und Herrn Holzwarth überzeugen.

Wünsche bleiben offen

Operndirektorin Katharina Kost- Tolmein

1„Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss eröffnet die Spielzeit. Was geht uns dieser mythologische Stoff heute noch an? Ariadne erlebt etwas, was so aktuell ist wie eh und je: Sie wird verlassen, fällt in eine tiefe Depression und findet aus dieser wieder heraus. Die Opernversion von Strauss und Hofmannsthal erzählt die große Tragödie, überbringt aber zugleich die Botschaft, dass man sich nicht zu wichtig nehmen sollte. Das gilt, denke ich, noch immer!

2Mit der „West Side Story“ hatten Sie zuletzt ein populäres Werk im Spielplan, mit „Attila“ eine ambitionierte Inszenierung. Welche Premieren nehmen in dieser Spielzeit diese Positionen ein? Diesmal wird eine der ambitioniertesten Inszenierungen sich mit einem populären Werk befassen: „Tosca“von Giacomo Puccini. Daneben spielen wir unbekanntere Werke, die das Zeug dazu haben, zum Publikumsmagnet zu werden wie die Comic-Inszenierung von Rossinis „Reise nach Reims“ und Bernsteins gigantische „Mass“, die wir gerne auch „The rocky Road of faith“ nennen.

3Gibt es eine Leerstelle im Programm, die Sie gerne gefüllt sehen möchten? Im Repertoire der Moderne gibt es vieles, was ich gerne noch in Lübeck sehen und hören möchte, von den rauschhaften Opern Franz Schrekers bis zum zeitgenössischen, experimentelle Musiktheater. Mehr als ein Titel pro Spielzeit lässt sich aus diesem riesigen Bereich kaum ansetzen. Da gibt es also noch viele Wünsche!

LN

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