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Kultur im Norden Ein Klassiker in Neuauflage: Voltaires „Candide“
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17:58 07.11.2018
Der Verleger Claus Lorenzen aus Großhansdorf widmet sich mit seinem Verlag „Officina Ludi“ dem Erhalt bibliophiler Schätze. Quelle: B. Albrod
Großhansdorf

Als Voltaires Satire „Candide ou l’optimisme“ 1759 erschien, wurde sie auf den Index gesetzt und öffentlich verbrannt. Das konnte den Erfolg des Werkes nicht aufhalten, das im 18. Jahrhundert eines der meistgelesenen Bücher war und bis heute vielfach übersetzt, illustriert und wieder aufgelegt wurde. Claus Lorenzen, Verleger bibliophiler Bücher aus Großhansdorf, hat sich in den Kreis der Neuinterpreten eingereiht und sich mit Tobias Roth als Übersetzer und dem Illustrator Klaus Ensikat namhafte Unterstützer geholt. Sein „Candide“ ist jetzt im Klein-Verlag „Officina Ludi“ als bibliophile Ausgabe erschienen.

Kriege, Gewalt und Heucheleiin der besten aller Welten

„Es war mir seit vielen Jahren ein Anliegen, dieses Buch zu machen“, erläutert Lorenzen, „es ist eines der wichtigsten Bücher des Jahrtausends und so aktuell wie damals, als Voltaire es geschrieben hat.“ Darin stolpert der naive titelgebende Candide in der festen Überzeugung von einer guten Welt durch eine Wirklichkeit voller Kriege, Verderbtheit, Gewalt und Heuchelei. Trotz aller schlechten Erfahrungen bleibt ihm die Welt eine grundsätzlich gute.

Durch den Kontrast von Überzeugung und Realität erweist sich die philosophische Grundhaltung Candides im Praxistest als Zerrbild, dessen satirische Wirkung durch die einfache, fast lakonische Sprache Voltaires noch verstärkt wird. Candide ist der ewig Suchende nach der von Leibniz propagierten besten aller möglichen Welten, die er letztendlich nur in sich selbst findet.

Lorenzen hat das Werk neu herausgebracht, weil er damit „ein zeitloses Buch“ habe machen wollen, das heute so aktuell wie damals sei und dem Leser neu erschlossen werden solle. „Wo Candide sich über das Elend der Sklaven entsetzt, die den Preis für seinen Kaffee und Zucker zahlen, trifft dasselbe heute auf die Textilindustrie zu.“ Auch die Fragen von Religionskriegen, Presse- und Meinungsfreiheit oder politischer Unterdrückung blieben aktuell. Für den Neuauftritt Candides wünschte Lorenzen sich eine jüngere Sprache und einen Akzent auf dem Witz der Geschichte. „Candide ist der Forrest Gump des 18. Jahrhunderts.“ Um die alte Bildsprache wieder lesbar zu machen, hat er den Text neu übersetzen lassen.

Ein Klassiker der Literatur

Der französische Philosoph Voltaire veröffentlichte seine Satire „Candide oder der Optimismus“ 1759 unter Pseudonym. Im Jahr 1776 erschien eine deutsche Übersetzung unter dem Titel „Candide oder die beste aller Welten“.

Jetzt ist das Werk mit 55 farbigen Zeichnungen im Verlag „Officina Ludi“ in einer Auflage von 2000 Stück erschienen, 24,80 Euro. ISBN 978-3-946257-06-6. www.officinaludi.de

Tobias Roth, der seinerseits den Verlag „Das kulturelle Gedächtnis“ gegründet und Voltaires „Der Fanatismus oder Mohammed“ ins Deutsche übertragen hat, hat den Ursprungstext schnörkellos und ohne künstliche Altertümerei übersetzt. So wurden die roten Schafe in Voltaires „El Dorado“ – üblicherweise als Lamas übersetzt – wieder zu den roten Schafen des Originals. Die Eingeborenen mit den großen Ohren nähern sich als „Ohrlinge“ der Sprache Voltaires wieder an. Die zeitgemäße Übersetzung wird mit 55 farbigen Federzeichnungen von Klaus Ensikat ins Bild gesetzt. Der Meister der filigranen Zeichenkunst hat schon früher für Lorenzen illustriert. Seine auf den ersten Blick an Kinderbücher erinnernden Illustrationen geben auf den zweiten Blick hintergründigen Humor frei und greifen damit das Doppelbödige der Voltairschen Satire im Optischen auf.

Bettina Albrod

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