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Ein Leben für die Oper

Madrid Ein Leben für die Oper

Er ist einer der bedeutendsten Sänger der Operngeschichte. Seinen 75. Geburtstag will Plácido Domingo heute an einem ungewohnten Ort feiern — in einem Fußballstadion.

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Placido Domingo (ab heute 75 Jahre alt): „Ich werde keinen Tag länger singen, als ich sollte. Allerdings auch keinen weniger, als ich kann.“

Madrid. . Fünf Konzerte auf zwei Kontinenten: Mit Auftritten in Chicago, Moskau, Dublin, Miami und Montevideo startet Plácido Domingo ins Jahr 2016.

Der spanische Opernsänger, der am heutigen Donnerstag 75 Jahre alt wird, gönnt sich trotz seines Alters keine Ruhe. Eine große Feier plant er erst gut fünf Monate nach seinem Geburtstag. Sie soll nicht in einem Opernhaus stattfinden, sondern im Bernabéu- Stadion.

In der riesigen Fußballarena seines Lieblingsvereins Real Madrid will Domingo am 29. Juni ein Geburtstagskonzert geben. „Unser Stadion wird immer dein Zuhause sein“, versprach Real-Präsident Florentino Pérez dem Sänger und Fan der Königlichen. Der Musiker witzelte: „Wenn ich 75 Jahre werde, ist das so, als würde ich zum dritten Mal 25.“

Ein Tenor, der in seiner Karriere viele Rekorde brach

Der Sänger und Dirigent blickt auf eine fast 55-jährige Bühnenkarriere zurück. Er ist nicht nur einer der bedeutendsten Opernsänger der Welt, er ging auch in die Musikgeschichte ein als der Tenor, der eine Reihe von Rekorden brach. Während das Repertoire seines musikalischen Vorbildes Enrico Caruso (1873-1921) 40 Rollen umfasste, sang Domingo nach eigenen Angaben mehr als 145 Opernrollen. Der „Tenorissimo“ erhielt in Wien einmal einen Applaus von mehr als einer Stunde und an die 100 Vorhänge. Dort gab er im Dezember 2010 auch seine 3500. Opernvorstellung und wurde als der „Weltmeister der Oper“ bejubelt.

„Zu Beginn meiner Karriere hatte ich mit Frauen im Duett gesungen, die meine Großmütter hätten sein können, heute trete ich mit Kolleginnen auf, die meine Enkelinnen sein könnten“, sagte Domingo und fügte lächelnd hinzu: „Bis zu den Urenkelinnen werde ich wohl nicht durchhalten.“

Domingo ist in allen großen Opernhäusern der Welt daheim. Einen Favoriten hat er nicht, wenngleich er die häufigsten Auftritte in der Metropolitan Opera in New York hatte. Vor wenigen Jahren wechselte der Tenor ins Baritonfach. „Auf diese Weise kann ich meine Karriere noch ein wenig verlängern“, sagte er damals der Deutschen Presse-Agentur. „Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich viele Tenorpartien nicht mehr so mühelos singen kann wie zu meinen besten Zeiten.“

Als Bariton hatte Domingo dereinst auch seine Karriere begonnen. Der Gesang war dem gebürtigen Madrilenen sozusagen in die Wiege gelegt worden. Seine Eltern waren Sänger an einer Zarzuela- Bühne, der spanischen Version eines Operettenhauses. Als Domingo acht Jahre alt war, wanderte die Familie nach Mexiko aus, wo er seine musikalische Ausbildung erhielt. Den internationalen Durchbruch schaffte er 1968 in New York. Den Höhepunkt seiner Karriere erlebte er nach eigenen Worten in Hamburg. „Dort sang ich 1975 meinen ersten Othello. Die Kritiker überschlugen sich vor Begeisterung. Ich glaube, so gut habe ich sonst nie in meinem Leben gesungen“, erinnerte er sich. Zwei Jahre zuvor hatte er in New York sein Debüt als Dirigent gegeben.

Seine größten kommerziellen Erfolge feierte der Sänger als einer der „Drei Tenöre“ zusammen mit Luciano Pavarotti und José Carreras. „Keiner von uns drei hätte erwartet, dass wir für solch eine Furore sorgen würden“, erinnerte sich Domingo. „Eigentlich hatten wir nur das Comeback von Carreras feiern wollen, der nach seiner Leukämie-Erkrankung auf die Bühne zurückgekehrt war.“

Von einer Pensionierung will der Musiker nichts wissen. „Wenn ich raste, roste ich“, betonte er in zahllosen Interviews. Seinem Namen Plácido Domingo, der auf Deutsch „gemütlicher Sonntag“ bedeutet, macht er in dieser Hinsicht keine Ehre. Neben seinen Auftritten als Sänger und Dirigent leitet er auch das Opernhaus in Los Angeles. Das Geld spielt für ihn nach seinen Worten keine Rolle.

„Freunde halten mir vor, kein guter Geschäftsmann zu sein“, sagte er. „Ich muss 20 Mal in der Oper auftreten, um das zu verdienen, was man mir für ein einziges Konzert zahlen würde. Aber ich brauche das Leben auf der Opernbühne.“

Mehr als ein Sänger
Plácido Domingo hat sein Prestige immer wieder für Wohltätigkeitsaktionen genutzt. Nach einem Erdbeben in Mexiko gründete er ein Dorf für Kinder, die ihre Eltern verloren hatten.
Und die enormen Einnahmen aus seinen Benefizkonzerten steckt er vor allem in Projekte für Kinder und Behinderte.



Sinn für Selbstironie zeigte er mit einem Gastauftritt in der „Sesamstraße“: Zusammen mit der Puppe Blaffido Flamingo, die nach ihm benannt ist und ihn karikiert, sang er ein Duett.

Hubert Kahl

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