Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 1 ° Gewitter

Navigation:
Ein Lebenswerk aus Glück und Tanz

Lübeck Ein Lebenswerk aus Glück und Tanz

Der ehemalige Lübecker Ballettchef Heino Heiden ist mit 89 Jahren gestorben. Er hatte mit neun seinen ersten Auftritt.

Voriger Artikel
Benefiz-Konzert: Stars ersingen 40 000 Euro für Flut-Opfer
Nächster Artikel
Hört bei Schießwut der Film-Spaß auf?

1985 bekam Heino Heiden den Hanse-Kulturpreis.

Quelle: Foto: Kranz-Pätow

Lübeck. Heino Heiden ist still in seinem Haus in Bad Schwartau gestorben. Er war ein Glücklicher. Sein Leben war, von wenigen Ausnahmen abgesehen, erfüllt von Applaus. Es gehörte dem Tanz.

Der am 6. Oktober 1923 in Wuppertal Geborene kam bereits als Kind in guten Kontakt mit der Bühne. Heino war neun Jahre alt, als er in Hagen als quirliger Piccolo in der Benatzky-Operette „Im weißen Rößl“ debütierte. Der Erfolg trug ihn weiter, er tanzte Kinderrollen in Köln, Berlin und Dortmund, in München stand er zusammen mit Leo Slezak auf der Bühne.

Seine Eltern erfüllten ihm den übergroßen Wunsch — Tänzer. Heino Heiden erhielt die denkbar beste Ausbildung, bei Tatjana Gsovsky in Berlin, bei Olga Preobajenska in Paris, bei Anthony Tudor in New York. Das erste Engagement führte ihn gleich an die Staatsoper Berlin.

Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Solotänzer an der Dresdner Staatsoper, und in der Staatsoper München tanzte er im heftig umstrittenen „Abraxas“-Ballett von Werner Egk. 1952 kam ihm Kanada auf dem Lebensweg entgegen. Er heiratete, um bürokratische Hemmnisse zu umgehen, eine Freundin, mit der er in Berlin eine gemeinsame Wohnung hatte, erhielt die Staatsbürgerschaft und stieg in die kanadische Theaterszene ein. Inszenierungen von Ravels „Daphnis et Chloé“ und Strawinskis „Apollon musagète“ brachten ihm internationales Ansehen. Er wurde zum gesuchten Choreografen, das Nationaltheater Mannheim und die Oper Antwerpen waren weitere Stationen.

Ende der 1960er Jahre wurden die Ballett-Compagnie von Lübeck und Kiel, um vermeintlich zu sparen, zu einer gemeinsamen Tanztruppe zusammengeführt. Chef der Gemeinschaft: Heino Heiden. Die Konstruktion indes bewährte sich nicht. 1968 wurde von ihm die „Schule für Ballett Heino Heiden“ gegründet, aus der später das sehr erfolgreiche „Lübecker Kinder-Tanztheater Heino Heiden“ hervorging — gefeiert daheim ebenso wie am Theater des Westens in Berlin, an der Hamburgischen Staatsoper, in Kopenhagen, am Teatro Goldoni in Venedig. Lübeck zeichnete Heino Heiden 1985 mit dem Hanse-Kulturpreis aus.

Einige Zeit darauf setzte Heiden nochmals neu an. In der Dr.-Julius-Leber-Straße 23 schuf er zusammen mit Michael Goden, dem Ausstattungsleiter der Lübecker Bühnen, das „Theaterhaus“, ein reizvolles Privattheater, 99 Plätze, für Studioabende und Kabarett.

Es war wie der heitere Schlusspunkt eines bunten, von Überraschungen und Ortswechseln erfüllten, aber nahezu stets erfolgreichen und immer beglückenden Theaterlebens, wie es in unserer Welt selten ist. Am Ende, da es stiller um ihn geworden ist, hielt er sich an einen Satz, den Elektra in der Oper von Richard Strauß zu ihrer Schwester sagt: „Wer glücklich ist wie wir, dem ziemt nur eins — schweigen und tanzen.“

Wolfgang Tschechne

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden
Von Redakteur Wolfgang Tschechne