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Ein Lübecker Eulenspiegel im Fernsehen

Lübeck Ein Lübecker Eulenspiegel im Fernsehen

Das Erste zeigt zu Weihnachten eine zweiteilige Neuverfilmung des alten Possenreißer-Stoffs.

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Till Eulenspiegel (Jacob Matschenz, l.) legt als angeblicher Porträtmaler den Lübecker Bürgermeister Klaas Wüllenwever (Devid Striesow) herein.

Quelle: ARD

Lübeck. Ob es Till Eulenspiegel je gegeben hat, steht dahin — und spielt eigentlich auch keine große Rolle. Denn selbst wenn es ihn nicht gegeben hat, ist er als Kunstgestalt seit 500 Jahren lebendig — und wird es bleiben, solange seine Geschichten erzählt werden. Das deutsche Fernsehen hat den vielen Versionen des Eulenspiegel eine weitere hinzugefügt, die es als Zweiteiler zu Weihnachten zeigen wird. Die Hauptrolle spielt Jacob Matschenz, die wichtigste Nebenrolle Devid Striesow. Er verkörpert Eulenspiegels Widersacher, den Lübecker Bürgermeister Klaas Wüllenwever.

In dieser Version ist nicht Mölln, sondern Lübeck die Eulenspiegelstadt — mit mittelalterlichem Treiben vor einer Postkartenkulisse der Altstadt als wiederkehrendem Schnittbild. Klaas Wüllenwever (der nur wenig mit dem historischen Lübecker Bürgermeister Jürgen Wullenwever zu tun hat) ist das Opfer des ersten Streiches: Till Eulenspiegel gibt sich als Maler aus, der Wüllenwever porträtieren will. Das fertige Bild ist in Wahrheit eine leere Leinwand, aber niemand will es zugeben; der Bürgermeister wird blamiert wie der Kaiser in dem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Von da an verfolgt der rachsüchtige Wüllenwever Eulenspiegel durchs ganze Land. Das ist die Rahmenhandlung, in die verschiedene bekannte Eulenspiegel-Geschichten gefasst sind, darunter der Seiltanz mit Schuhen, die Heilung der Kranken im Spital und die Eulen-und-Meerkatzen-Bäckerei; das ganze mit viel Action, viel Klamauk und viel Kopfsteinpflaster, Backstein und Fachwerk.

Jede Zeit hat den Eulenspiegel auf ihre Weise interpretiert. Die erste Fassung von 1515, „Ein kurtzweilig Lesen von Dyl Ulenspiegel“, erzählt in derber, mittelalterlicher Sprache von einem Possenreißer, der ohne moralischen Anspruch seine Scherze auf Kosten anderer treibt. Der belgische Romancier Charles de Coster machte im 19. Jahrhundert aus Eulenspiegel einen flämischen Freiheitskämpfer gegen die Spanier. Im neuen ARD-Film ist Eulenspiegel ein moderner Individualist, der sich mit seinen Streichen selbst verwirklicht und zugleich pädagogisch wirkt. Dazu bekommt er nicht nur eine Geliebte (Anna Bederke), sondern auch ein vorwitziges, zehnjähriges Mädchen (Jule Hermann), das mit ihm durch die Lande zieht und das sich — man kann dies vorwegnehmen, weil es ohnehin keine Überraschung ist — am Ende als seine Tochter herausstellt. „Till Eulenspiegel“ in zwei Teilen, Das Erste, Donnerstag, 25. Dezember, und Freitag, 26. Dezember, 16.15 Uhr

Versionen
Der Ur-Eulenspiegel mit 95 Geschichten erschien 1515 unter dem Titel „Ein kurtzweilig Lesen von Dyl Vlenspiegel geboren uß dem land zu Brunßwick. Wie er sein leben volbracht hatt“. Als Verfasser kommt der Braunschweiger Hermann Bote infrage.
Unter den vielen Nacherzählungen ist die bekannteste die von Erich Kästner, die 1938 in der Schweiz erschien. 1867 machte Charles de Coster Eulenspiegel in einem 500-Seiten-Epos zum flämischen Nationalhelden.
Die erste DDR-Verfilmung von 1956 basierte auf diesem Roman, eine weitere entstand 1975 nach einer Vorlage von Christa Wolf. Eine deutsche Zeichentrick-Version von Eberhard Junkersdorf
erschien 2003.

kab

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