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Ein Mann auf der Suche

Ein Mann auf der Suche

Lübeck. Als neues Ensemblemitglied in dieser Spielzeit war Lars Wellings bereits in „Mutter Courage“ zu sehen, nun bestreitet er im Jungen Studio die Ein-Mann- Vorstellung „Lenz“ nach einer Erzählung von Georg Büchner. Ein Thema, das den 55-Jährigen nicht loslässt.

Vor ein paar Tagen erst hat sich Lars Wellings auf eine Wanderung begeben. Von Ottrott in den Vogesen zum ehemaligen Kloster der Heiligen Odilie, dann weiter nach Waldbach. Eine Strecke, die auch schon der junge Schriftsteller Jakob Michael Reinhold Lenz im Jahr 1778 gegangen ist. Das jedenfalls lassen dessen Briefe vermuten, die wiederum Georg Büchner zu der Erzählung „Lenz“ inspiriert haben. Wie Büchner hatte der sehr junge Lenz mit sozialreformerischen Ideen gegen die herrschenden Verhältnisse angeschrieben, er war zerrissen in einer Zeit des Umbruchs, aber seine Wanderung und der Aufenthalt bei einem reformerischen Pfarrer brachten keine Erlösung.

Ein Mann auf der Suche – dieses Thema hat Lars Wellings schon als Jugendlicher interessiert. Im Deutschleistungskurs schrieb er ein Referat über Lenz. 2005 während seiner Zeit am Staatstheater Wiesbaden inszenierte er ein Lenz-Schauspiel, und mit der jungen Regisseurin Gertje Graef hat er für Lübeck nun eine neue Fassung von Büchners Lenz-Texten erarbeitet, die heute Premiere hat. „Lenz lebte in einer Zeit der beginnenden Krise der Moderne. Die Orientierung geht verloren, religiöse, familiäre Bindungen hatte er nicht. Er hat sich verloren auf der Suche nach etwas Neuem“, sagt Gertje Graef. Diesen Prozess will sie auf der Bühne nachvollziehbar machen. „Der Schauspieler untersucht den Text aus der Perspektive der Rückschau, wie auch Büchner die Briefe von Lenz untersucht hat. Der Schauspieler springt in die Rollen hinein, die Sprache wird zum Kostüm und zur Kulisse.“

Ein Mann auf der Suche, im weitesten Sinne trifft das auch auf den Schauspieler Lars Wellings zu, wenn man sich die zahlreichen Stationen seinen Schaffens anschaut. Nach dem Schauspielstudium in Hannover führten ihn Engagements an das Theater an der Ruhr in Mühlheim, das Residenztheater München, das Schauspielhaus Zürich, das Staatsschauspiel Dresden und das Staatstheater Wiesbaden. „Wenn Sie so wollen, bin ich ein Theaternomade.“ Über Bekannte kam der Kontakt zu Lübeck zustanden („Ich war vorher noch nie hier“), und nun hat er einen Jahresvertrag und eine Wohnung in der Altstadt.

„Ich wollte nah am Theater sein, diese kurzen Wege sind ein Geschenk.“ Von Lübeck ist er begeistert, war im Sommer oft in der Ostsee und im Stadtbad schwimmen. „Ich bin ein Bewegungsmensch.“ Seine Leidenschaft ist seit mehr als 20 Jahren der japanische Kampfsport Aikido, er ist Lehrer und trainiert in Hamburg.

Im Ensemble des Theaters fühlt Lars Wellings sich gut aufgenommen und schätzt die Arbeit hier. „Das Publikum ist offen und dem Theater sehr zugewandt.“ Demnächst können sich auch die Jüngeren von seiner Spiellust überzeugen: Im Dezember ist Lars Wellings der Räuber Hotzenplotz.

Premiere heute 20 Uhr, Junges Studio, Tickets: 0451/399600

Von Petra Haase

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