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Ein Musiker ohne Grenzen

Stuttgart Ein Musiker ohne Grenzen

Vom Free-Jazz zur Oper: Pianist Wolfgang Dauner wird heute 80.

Stuttgart. . Es piepst aus den Lautsprechern, verzerrte Klänge erinnern an Posaunen, dazu Trommelwirbel und gebrochene Akkorde auf dem Flügel: Der Pianist Wolfgang Dauner präsentiert an diesem Abend in Stuttgart seine eigene Vision von Musik, sitzt vor der Tastatur, an Synthesizer und Laptop. Ihm gegenüber spielt sein Sohn, Schlagzeuger Florian Dauner, der sonst bei den Fantastischen Vier mitwirkt. Gemeinsam erzählen sie ihre „Elektronischen Mythen“.

Wolfgang Dauner bleibt sich dabei mit der Mischung aus Jazz, Elektronik, Klassik und Rock auch im Alter treu: Der einflussreichste Jazzpianist Deutschlands der vergangenen Jahrzehnte feiert heute seinen 80. Geburtstag. Im Januar soll er mit dem Landesjazzpreis Baden-Württemberg für sein Lebenswerk geehrt werden.

Der Stuttgarter forderte stets diejenigen heraus, die in musikalischen Schubladen denken. „Ich will die Menschen emotional erreichen“, sagt Dauner. „Ich mache ja nicht nur für mich Musik.“

Heute nehme er deswegen mehr Rücksicht auf seine Zuhörer. Das war nicht immer so. In den 1970er Jahren konnte er mit seiner Gruppe „Et Cetera“ langatmige Geräuschorgien feiern, die vielen auf die Nerven gingen.

Bei der Aufführung seiner Jazzoper „Der Urschrei des Musikers“ 1976 in Berlin ließ Dauner Auszüge aus Verträgen mit Musikern vorlesen. Die Oper sei eines seiner wichtigsten Werke gewesen, sagt er heute. Das Werk behandelt die Mechanismen in der damaligen Schallplattenindustrie. 1976 war er Mitbegründer des „United Jazz + Rock Ensembles“, einer Gruppe aus europäischen Spitzenmusikern, die auch kommerziell Erfolg hatte.

Nachdem Dauner im November 1999 einen Schlaganfall erlitten hatte, musste er um die Rückkehr ins Musikgeschäft kämpfen. „Wenn er auf der Bühne steht, dann ist das mit einer irren Spielfreude verbunden“, sagt Florian Dauner über seinen Vater. „Das gefühlte Alter ist dann eher 18 oder 20 und nicht 80.“ Wolfgang Dauner selbst sagt: „Ich werde Musik machen, bis ich den Löffel abgebe.“

LN

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