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Ein Novize mit gewinnender Stimme

Lübeck Ein Novize mit gewinnender Stimme

Die Neuen am Theater Lübeck (3): Der Schauspieler Jochen Weichenthal hat hier sein erstes Engagement.

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Jochen Weichenthal

Lübeck. Für wen spielst du Theater?, werden die Schauspieler des Lübecker Ensembles auf der Homepage der Bühne gefragt. Da ist Originalität gefragt. „Für das Publikum“ wäre zu banal, „für den Weltfrieden“ zu ambitioniert. Jochen Weichenthal, der Neue in der zwölfköpfigen Truppe, hat eine so ehrliche wie schlagende Antwort: „Für alle! Also auch für mich.“

Weichenthal, 1987 in Hamburg geboren, ist noch in einer zweiten Hinsicht Novize: Das Theater Lübeck ist sein erster Arbeitgeber. Zuvor hat er eine Ausbildung an der Universität der Künste in Berlin absolviert, danach gab es ein paar Gastauftritte an Berliner und Potsdamer Bühnen. Bei einer experimentellen Shakespeare-Paraphrase hat er mitgemacht: In „Othello — I Know I‘m not the Only One“ im Berliner Theaterdiscounter spielte er den „Mohr von Venedig“.

Auch in Lübeck war er bereits zu sehen: In Pit Holzwarths Leonard- Cohen-Stück „I‘m a hotel — songs of love and hate“ konnte er zeigen, dass er ein sehr guter Sänger ist. Und im Fassbinder-Drama „Welt am Draht“ musst er nach kurzer Einweisung einen kranken Kollegen ersetzen. „Ich dachte, ich richte mich in Lübeck gemütlich ein, aber man hat mich gleich in eine Feuerprobe geschickt“, sagt er — auch ein wenig stolz, denn bisher lief es für ihn blendend in der Beckergrube.

„Ich wollte schon immer Schauspieler werden“, gesteht er, „schon seit der Kindheit.“ Natürlich hat er im Schultheater mitgemacht, natürlich hat er bei der Berufswahl vor allem an den glamourösen Film gedacht. „Doch im Studium habe ich Leidenschaft für die Bühnen entwickelt. Jetzt würde ich das Theater immer vorziehen.“ Für den Film habe er kein spezifisches Talent. Wenn er sich selbst auf dem Bildschirm oder der Leinwand sehe, sei es ihm peinlich.

Ein besondere Begabung des Jochen Weichenthal fällt ins Ohr: Er hat eine eine junge, gutturale Stimme — angenehm, gewinnend, wohlartikuliert, man darf auch sagen: männlich. Man hört geradezu den Bart. Er habe in Berlin beim Rundfunk auch als Sprecher gearbeitet, sagt er. Dass er als Rezitator und Erzähler reüssieren könnte, glaubt man ihm gerne.

mib

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