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Ein Ort, der Geschichte atmet

Los Angeles/Berlin Ein Ort, der Geschichte atmet

Die Bundesregierung hat tatsächlich die Thomas-Mann-Villa in Kalifornien erworben.

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Thomas Mann und seine Frau Katia mit ihren Enkeln Frido und Tonio im Garten der Villa in Pacific Palisades. FOTO: AP

Los Angeles/Berlin. Die Immobilienanzeige erwähnte noch nicht einmal den Namen Thomas Manns. Sie versprach für 15 Millionen Dollar ein „Einfamilienhaus“ mit 489 Quadratmetern, Swimmingpool, Kamin und sechs Badezimmern. „Zum ersten Mal seit fast 65 Jahren auf dem Markt!“, schwärmt der Makler. Jetzt ist die Villa in Pacific Palisades verkauft. Der neue Besitzer: die Bundesrepublik Deutschland. Für US-amerikanische Makler ist es ein Objekt wie viele andere, für Deutsche aber ein Ort, der Geschichte atmet.

„Ich kriege eine Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagte gestern der Literaturwissenschaftler Heinrich Detering, Mitglied der Thomas-Mann-Gesellschaft Lübeck. Die Villa von Thomas Mann (1875-1955) ist als kulturelles Erbe gerettet. Die Familie Mann lebte dort zehn Jahre, von 1942 bis 1952, der Literaturnobelpreisträger schrieb in der Villa „Doktor Faustus“, „Lotte in Weimar“ und den letzten Teil von „Joseph und seine Brüder“. Dort verfasste er auch seine BBC-Ansprachen an die Hörer im Nazi-Deutschland. Es war die Zeit, als Kalifornien zum „Weimar unter Palmen“ wurde, mit vielen namhaften Emigranten.

Das einstige Haus des Schriftstellers Lion Feuchtwanger ist nur wenige Kilometer von der Mann-Villa entfernt. Es war damals ein Treffpunkt von Flüchtlingen vor den Nazis wie Bertolt Brecht, Arnold Schönberg, Kurt Weill, Theodor Adorno und Albert Einstein. Feuchtwangers Haus, die Villa Aurora, ist seit 1995 ein Ort für Kultur und Austausch. Der deutsche Film feiert dort seinen traditionellen Oscar-Empfang. Nun wird auch die Mann-Villa zum Bildungszentrum für Stipendiaten werden.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier: „In „stürmischen Zeiten wie diesen soll dort die transatlantische Verständigung gefördert werden.“ Kulturstaatsministerin Monika Grütters erwartet Störungen in dieser Verständigung nach dem Wahlsieg von Donald Trump. „Ich vertraue auf die Kraft der Kultur“, sagte sie der „SZ“, „weil sie Brücken bauen kann, wo Politik und Diplomatie an ihre Grenzen stoßen.“

Heinrich Detering sagte unverblümt: „Nach der Wahl von Trump ist es, glaube ich, besonders wichtig, dass wir diese Seite der transatlantischen Beziehung wieder lebendig machen.“

Mit dem Kauf endet eine Zitterpartie. Die Villa am Westrand von Los Angeles war Jahrzehnte in Privatbesitz und nicht zugänglich. Sie stammt von Bauhaus-Architekt Julius Ralph Davidson, der sie nach Manns Wünschen entworfen hatte.

Es gab große Sorgen, das geschichtsträchtige Haus könnte von einem privaten Investor für einen Neubau abgerissen werden. Kulturstaatsministerin Grütters und eine von Literaturn obelpreisträgerin Herta Müller unterstützte Online-Petition warben dafür, die deutsche Regierung solle die Villa kaufen. Der Schlüssel zur Hausnummer San Remo Drive 1550 liegt nun in Berlin. Offenbar haben die deutschen Unterhändler nicht schlecht verhandelt. Statt der geforderten 15 Millionen zahlte der Bund nur 13250000 Dollar (etwa 12,5 Millionen Euro).

Auch an der prestigeträchtigen 5th Avenue in New York tut sich etwas. Ein leerstehendes Haus im Besitz des Bundes soll zur „German Academy“ mit Kulturprogramm ausgebaut werden. Für beide Vorhaben stehen nun 34 Millionen Euro bereit.

Schmucker Bau

Thomas Mann ist am 5. Februar 1942 mit seiner Familie in sein erstes eigenes Haus im Exil gezogen. Adresse: Pacific Palisades, 1550 San Remo Drive. „Noch recht arger Zustand, chaotisch-provisorisch, aber Schmuckes und Erfreuliches versprechend“, schreibt er in sein Tagebuch. Und am nächsten Morgen: „Die erste Nacht im neuen Schlafzimmer unter der eigenen seidenen Decke recht gut verbracht.“

Direktor der Kulturstiftung Lübeckattribute_separationalign|center">

LN: Wie bewerten Sie den Erwerb der Mann-Villa durch den Bund?

Hans Wißkirchen: Es ist großartig, dass das „Weiße Haus des Exils“ gerettet ist und einer neuen Funktion als transatlantische Begegnungsstätte zugeführt wird.

LN: Welche Auswirkungen wird der Kauf für Lübeck haben?

Wißkirchen: Wir stehen als Kulturstiftung und als Thomas-Mann-Gesellschaft in engem Kontakt zu Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Wir werden selbstverständlich bei der inhaltlichen Planung des Hauses unsere Hilfe anbieten.

LN: Es gibt ja bereits einige Thomas- Mann-Häuser, in Lübeck zum Beispiel. Wie wird sich das Haus in Los Angeles positionieren?

Wißkirchen: Es wird auf jeden Fall dafür sorgen, dass deutlich wird, dass Thomas Mann kein uninteressanter Autor des 19. Jahrhunderts ist. Thomas Mann steht für die transatlantische Verständigung und für den Kampf gegen den Totalitarismus.

 Caroline Bock und Michael Berger

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