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Hamburg Ein Palast für alle

Am 11. Januar 2017 ist es so weit: Dann soll nach zehn Jahren Bauzeit die Hamburger Elbphilharmonie eröffnen — Das Programm protzt mit großen Orchestern und international renommierten Dirigenten.

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Generalintendant Christoph Lieben-Seutter (l.), Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (M.) und NDR-Intendant Lutz Marmor präsentierten das Elbphilharmonie-Programm.

Quelle: Fotos: Dpa

Hamburg. . Christoph Lieben-Seutter hatte gestern endlich einen großen Auftritt, bei dem er nicht belächelt, bedauert oder mit Befremden bedacht wurde: Der Generalintendant der Elbphilharmonie Hamburg konnte vermelden, dass „Weltstars der Klassik“ das größte Konzerthaus Norddeutschlands eröffnen werden. „Sie sehen ein Programm von einer Dichte und einer Vielfalt und einer Qualität, wie Sie es wahrscheinlich kaum woanders auf dem Planeten finden werden“, sagte er mit stolzgeschwellter Brust. Sein Programm konnte Lieben-Seutter allerdings noch nicht in einem der Konzertsäle präsentieren, das dritte Obergeschoss des Parkhauses in dem Prachtbau in der Hafencity musste ausreichen.

LN-Bild

Am 11. Januar 2017 ist es so weit: Dann soll nach zehn Jahren Bauzeit die Hamburger Elbphilharmonie eröffnen — Das Programm protzt mit großen Orchestern und international renommierten Dirigenten.

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Mit der Uraufführung von Wolfgang Rihms „Triptychon und Spruch in memoriam Hans Henny Jahnn“ soll die Elbphilharmonie nach zehnjähriger Bauzeit am 11. Januar 2017 eröffnet werden. Der 1952 geborene Neutöner Rihm hat das Werk zum Gedanken an den Hamburger Literaten und Orgelbauer Hans Henny Jahnn (1894-1959) geschrieben. Zum hochkarätigen Sängerensemble gehören Anja Harteros, Wiebke Lehmkuhl, Philippe Jaroussky, Jonas Kaufmann und Bryn Terfel. Thomas Hengelbrock wird die NDR-Sinfoniker, die jetzt NDR Elbphilharmonie-Orchester heißen, dirigieren.

Auch das Philharmonische Staatsorchester, das sonst die Hamburger Opernaufführungen begleitet, wird seine neue Spielstätte für sinfonische Konzerte einweihen. Für diesen Anlass hat Hamburgs Generalmusikdirektor Kent Nagano ein abendfüllendes Oratorium für Orchester, Chor und Gesangssolisten bei Jörg Widmann (*1973) in Auftrag gegeben. Die Uraufführung wird am 13. Januar stattfinden.

Insgesamt stehen mehr als 200 Konzerte im ersten Halbjahr auf dem Programm, beim dreiwöchigen Eröffnungsfestival sind unter anderem das Chicago Symphony Orchestra unter Leitung von Riccardo Muti und die Wiener Philharmoniker unter Leitung von Semyon Bychkov und Ingo Metzmacher zu erleben. Am 7. Mai 2017 kommen die Berliner Philharmoniker unter Leitung von Simon Rattle und am 29. Juni die Staatskapelle Berlin unter Leitung von Daniel Barenboim.

„Es ist ein Programm, das die Relevanz der klassischen Musik in unserer Gesellschaft nicht nur erhalten, sondern neu definieren will“, sagte Lieben-Seutter etwas großspurig. Zielpublikum seien Klassikkenner von nah und fern sowie Menschen, die über ihr Interesse am neuen architektonischen Wahrzeichen Hamburgs einen Zugang zur Welt der Musik fänden.

Nach dem dreiwöchigen Eröffnungsfestival stehen mehrere Themenfestivals auf dem Programm, darunter „Salam Syria“ — „als wichtiges Zeichen, die neuen Mitbürger hier zu begrüßen“, so Lieben-Seutter. „New York Stories“ widmet sich unter anderem dem US-amerikanischen Komponisten John Adams (*1947, Autor von „Nixon in China“) und unter dem Motto „¡Viva Beethoven!“

führt der aufstrebene venezolanische Dirigent Gustavo Dudamel an fünf Abenden sein Orquesta Sinfónica Simón Bolívar durch die neun Beethoven-Sinfonien.

„Schön und rau steht die Elbphilharmonie mitten im Herzen der Stadt. Schon ihre Lage fordert uns dazu heraus, sie zu einem Haus für alle zu machen“, sagte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD).

Die Elbphilharmonie sei ein demokratisches Gebäude und kein Kulturtempel für die oberen Zehntausend und mache Kultur für jeden erschwinglich. Besonders die billigen „Konzerte für Hamburg“, die das NDR Elbphilharmonie-Orchester im Januar und im Juni 2017 für insgesamt bis zu 60000 Besucher spielen wird, bieten dazu Gelegenheit.

Im Juni soll der große Konzertsaal fertiggestellt sein, für den 31. Oktober ist die Schlüsselübergabe geplant. Anfang November wird die öffentliche Plaza des Gebäudes geöffnet. Auf einer Höhe von 37 Metern bietet sie den Besuchern unabhängig vom Konzertbesuch einen atemberaubenden Blick über die Stadt.

Eröffnungs-Tickets werden verlost

Die Elbphilharmonie soll einmal zu den zehn besten Konzerthäusern der Welt gehören. Für die Akustik im Großen Saal mit seinen 2100 Plätzen ist der Japaner Yasuhisa Toyota verantwortlich, der auch schon die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles geplant hat. Die Bühne in der Mitte des Saales wird von aufsteigenden Zuschauerrängen umgeben, die von griechischen Theatern und Fußballstadien inspiriert sind.

Grundsteinlegung für das spektakuläre Gebäude aus Glas der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron war im April 2007. Nach jahrelangen Querelen und Bauverzögerungen stiegen die Kosten um das Zehnfache auf 789 Millionen Euro.

Ein Teil der Tickets für die ersten beiden Konzerte der Eröffnung am 11. und 12. Januar 2017 wird verlost. 1000 Karten werden so vergeben. Weitere Infos soll es ab 9. Mai auf der Homepage der Elbphilharmonie geben:

www.elbphilharmonie.de

Für alle weiteren Konzerte des Eröffnungsfestivals beginnt der Vorverkauf am 20. Juni.

Von Carola Große-Wilde und Michael Berger

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