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Kultur im Norden Ein Platz für Mut-Bürger
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10:50 16.11.2016
Bürgerbühne 2016: Menschen erzählten ihre Fluchtgeschichten von 1945 und aktuell. Quelle: ROESSLER
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Lübeck

Reformation reloaded: Im Jahr 1517 schlug Martin Luther seine Thesen an eine Tür in Wittenberg. Das Theater Lübeck sucht nun für seine Bürgerbühne Nachahmer im Geiste: „Wo sind heute die sperrigen Orte, die trotzigen Menschen, die unbequemen Utopien?“, fragt Knut Winkmann. Er leitet das Mitmach-Podium des Theaters, das im vergangenen Sommer Premiere hatte und in der kommenden Spielzeit wieder drei Projekte beinhaltet.

Die Idee dahinter: Das Theater setzt auf Partizipation und öffnet den Bühnenraum für Otto Normalverbraucher. Die Lebenswirklichkeit der Menschen produktiv ins Theater einzubringen, ist keine neue Erfindung, schon Lessing forderte in der „Hamburgischen Dramaturgie“ eine empathischere Bindung zwischen Publikum und Bühne. Das ist dem Theater Lübeck im vergangenen Jahr bei der Bürgerbühnen-Premiere bereits gut gelungen. Der Aufruf unter dem Motto „Finding a place“ stieß auf große Resonanz. Knut Winkmann sammelte und filmte Geschichten vom Weggehen und Ankommen, Flüchtlinge von 1945 und 2015 tauschten, oft sehr emotional, ihre Erfahrungen.

Die neuen Projekte stehen unter dem Motto „Kanten statt Konsens“ und sind für Mai 2017 geplant. Eine Aktion dabei nennt sich „Stadt-Stachel“, und dafür erhofft sich Winkmann rege Teilnahme von Menschen aus Lübeck und Umgebung. „Wir suchen Geschichten, die Mut machen. Das können Menschen sein, die trotz Widerständen ihren Traum verwirklicht haben, sei es ein Geschäft eröffnet oder endlich das gemacht, was sie schon immer wollten. Wir suchen Leute mit wegweisenden Ideen, Bürger, die für ihre Ideale einstehen, die auch mal Nein sagen.“

Das Spektrum ist aber noch weiter gefasst. „Uns interessieren auch Orte, die solche Geschichten erzählen“, sagt Knut Winkmann. Orte, die verändert wurden oder die es wert sind, neu gestaltet zu werden. „Was würden sie verändern, wenn sie etwas zu sagen hätten? Was regt sie auf?“

Wer dazu eine Idee hat oder Mutbürger kennt, die spannende Geschichten zu erzählen haben, kann sich direkt an Knut Winkmann wenden. Er sammelt alle Ideen und Anregungen und „theatralisiert“ sie. „Was letztendlich daraus wird, ist noch völlig offen. Von Lesungen über Video bis zu O-Ton-Sprachboxen ist vieles möglich.“ Die Ergebnisse sollen dann in einem mehrtägigen Bürgerbühnen-Festival präsentiert werden – und im besten Fall Mut zur Veränderung machen.

Von Petra Haase

INFO: Sie können sich mit Ihren Ideen, Vorschlägen und Geschichten bis zum 26. November an Knut Winkmann wenden – unter Telefon 0451 / 7088 209 oder per email k.winkmann@theaterluebeck.de

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