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Ein Reporter im ständigen Krieg

Lübeck Ein Reporter im ständigen Krieg

Kriegsreporter: Harte Hunde. Sie kennen das Leid. Ihre Aufgabe: Sie müssen der Welt zeigen, wie sie ist. Ihr Problem: Die Härte der anderen führt zur eigenen Verhärtung.

Lübeck. Kriegsreporter: Harte Hunde. Sie kennen das Leid. Ihre Aufgabe: Sie müssen der Welt zeigen, wie sie ist. Ihr Problem: Die Härte der anderen führt zur eigenen Verhärtung. Sie rauchen, sie trinken, ihre Ehen zerbrechen, Kinder haben sie keine.

Soweit die Klischees. Die Schriftstellerin Sabine Gruber hat den Reportern nun einen Roman gewidmet: „Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“ erzählt vom Kriegsfotografen Bruno Daldossi. Seine Freundin hat ihn verlassen, nun reist er ihr nach. Aber er kann sie nicht zurückgewinnen. Er folgt einer befreundeten Journalistin nach Lampedusa, die dort eine Reportage über Flüchtlinge schreiben soll. Da überwölbt fremdes Leid wieder sein eigenes.

Wichtiger als die nur langsam voranschreitende Handlung sind Daldossis Erinnerungen an vergangene Einsätze in Kampf- und Krisengebieten. Sie kommen unvermittelt wie bei einer posttraumatischen Belastungsstörung. Die Übergänge zwischen Gegenwart und Kriegserinnerung sind oft holprig. Einmal klingt das so: „In einem Zug leerte Daldossi die letzte Bierdose, die er noch in seiner Umhängetasche gehabt hatte, und zog eine Zigarette aus der Schachtel. Wegen des nun heftigeren Windes versuchte er mehrere Male, sie anzuzünden. Mit einem Zippo wäre mir das nicht passiert, dachte Daldossi. Zippo – es bedurfte nur eines Wortes, um den Ort zu wechseln. Damals, in Falludscha ....“ Immerhin passt das irgendwie zum Helden.Ronald Meyer-Arlt

„Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“ von Sabine Gruber, C. H. Beck, 316 Seiten, 21,95 Euro. Die Autorin stellt ihren Roman am nächsten Montag um 20 Uhr im Lübecker Buddenbrookhaus vor.

LN

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