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Ein Sängerfest in der Lübecker MuK

Lübeck Ein Sängerfest in der Lübecker MuK

Mendelssohns Oratorium „Elias“ mit mehr als 500 Mitwirkenden: Das erste Mitsing-Konzert im Norden.

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Auch Empore und Seitenränge der Musik- und Kongresshalle waren von Sängern belegt bei Felix Mendelssohn Bartholdys „Elias“.

Quelle: Foto: Olaf Malzahn

Lübeck. Ein Mammutunternehmen. Rund 500 Mitwirkende, mehr als 400 Chorsänger. Zum Mitsing- Konzert lud Chorleiterin Gabriele Pott am Sonntagabend in die Musik- und Kongresshalle. Natürlich sang nicht das Publikum mit. Aber wer sich in den vergangenen Monaten bei der Lübecker Singakademie gemeldet hatte, durfte mitmachen. Auf dem Programm stand mit Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Elias“ ein Großwerk, das viele Mitwirkende verträgt.

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Gabriele Pott hielt den riesigen Apparat vorbildlich zusammen.

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Die Idee der Mitsing-Konzerte stamme aus England, schreibt Ministerpräsident Torsten Albig als Schirmherr der ersten derartigen Veranstaltung in Lübeck im Programmheft. Viele Sänger seien aus anderen Teilen Deutschlands gekommen, sagte Gabriele Pott in ihrer Begrüßung. Deshalb war seit Freitag nahezu ohne Pause geprobt und zusammengefügt worden, mit und ohne Orchester. Natürlich war das von vielen getragene Ereignis ein bejubelter Erfolg. Schon zur Pause gab es Beifallsstürme.

Keine Frage: Bei den Chören des Volkes Israel, bei Getreuen und Abtrünnigen vom Glauben der Väter zur Zeit des jüdischen Königs Ahab und seiner Frau, der phönizischen Prinzessin Isebel, kann ein riesig besetzter Chor mit wahren Klangfluten Eindruck machen. Gabriele Pott hatte die Sänger nicht nur auf Podesten im hinteren Teil der Bühne postiert, sondern auch den gesamten Raum der Empore darüber sowie Teile der Seitenränge rechts und links für ihren Chor reserviert. Dazu saß auf dem Podium das nahezu vollbesetzte Philharmonische Orchester Lübeck. Dies alles zusammenzuhalten ist gewiss kein Kinderspiel. Die Dirigentin musste klare Zeichen geben, mit großer Handbewegung der Linken die Einsätze für die Chorgruppen anzeigen. Hut ab! Natürlich lassen sich mit Hundertschaften Fortestellen besser darstellen als Piano-Passagen. Aber bei der Begeisterung aller Mitwirkenden war das Ergebnis überzeugend.

Die Gesangssolisten blieben während der (mit Pause) fast dreistündigen Veranstaltung nicht auf ihren Plätzen. Es gab auch für kleine Einsätze immer wieder Auftritte und Abgänge. Dazu schlüpften die Solosängerinnen in unterschiedliche Kostüme. Die Altistin Katharina von Bülow trat als Engel in schlichtem Weiß auf, als wutschnaubende Königin in farbkräftiger Garderobe. Ein bisschen wirkte das wie Oper konzertant, unterstrich natürlich die Dramatik des Geschehens.

Rückgrat der großen Chorpartien war die Lübecker Singakademie. Hinzu kamen nicht nur mehr als 300 Sänger von auswärts, sondern auch der Mädchenchor des Johanneums, der — engelgleich in Weiß — von der Mitte der Empore herab sang. Das Ensemble für die Quartettsätze wurde von der Musikhochschule gestellt, erschien gleich in doppelter Stärke. Alles war eben ein bisschen üppiger als gewohnt.

Bei den Gesangssolisten war Lübeck ebenfalls stark vertreten. Katharina von Bülow in der Altpartie legte viel Ausdruck in die unterschiedlichen Rollen. Der Bogen spannte sich hier vom reinen Engel bis zur flammenden Königin; nicht der Nacht, sondern aus dem jüdischen Nordreich. Klarheit und Reinheit der Stimme verband Lea-ann Dunbar in ihren Sopranarien. Tenor Christian S. Malchow, ebenfalls Lübecker, legte sich mächtig ins Zeug, um die Höhen zu nehmen. Thorsten Grümbel überzeugte in der Partie des Elias mit ausdrucksstarkem Bass. Jeremias Pfeiffer sang das Knabensolo von der Höhe des Ranges wie aus dem Ausguck eines Schiffes. Passsend, er sollte ja nach Wolken am Horizont suchen. Auch das Orchester ließ sich voll auf das Experiment ein. Am Schluss Ovationen, Blumen und eine Wiederholung aus dem „Elias“ als Zugabe.

Ein mächtiger Prophet
Elias, im Hebräischen Elija, war ein biblischer Prophet, der im zweiten Viertel des 9. Jahrhunderts v. Chr. im Nordreich Israel wirkte. Erwähnt wird er im Alten Testament im 1. und 2.

Buch der Könige. Nach allerlei Auseinandersetzungen mit König Ahab und Königin Isebil, Anhänger des Gottes Baal, muss er ins Exil flüchten. An seinem Lebensende wird er schließlich in einem feurigen Wagen in den Himmel entrückt, wo er auf seine Rückkehr zur Erde wartet. Der Prophet Maleachi bezeichnete Elias als Wegbereiter des Messias. Deshalb gilt Elias als einer der wichtigsten Propheten nach Moses. Er gilt als Mittler zwischen Gott und den Menschen. Auch im Koran wird Elias erwähnt.

Konrad Dittrich

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