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Ein Scherz der Extraklasse als Zugabe

Lübeck Ein Scherz der Extraklasse als Zugabe

In der MuK in Lübeck stellte sich der russische Pianist Igor Levit mit den NDR-Sinfonikern vor.

Lübeck. Folgt man den Gedanken des Programmheftes zum jüngsten Konzert des NDR Sinfonieorchesters in der MuK, dann fühlten die beiden Komponisten des Abends einen Riesen hinter sich. Beethoven bewunderte Mozarts Klavierkonzerte, Brahms den Riesen Beethoven als Sinfoniker. Natürlich bewies das Konzert unter Leitung von Thomas Hengelbrock, dass die Schatten überwunden waren.

Ludwig van Beethovens B-Dur-Klavierkonzert ist durch Umarbeitungen als Nr. 2 in die Literatur eingegangen. Eigentlich ist es das erste vollgültige Opus des Meisters in dieser Gattung. Viele Konzertbesucher waren dabei auf das Lübeck-Debüt des 28 Jahre alten Solisten gespannt. Igor Levit, in Nischni Nowgorod geboren, aber in Deutschland ausgebildet, hat sich ausgiebig mit Beethovens Werken beschäftigt. In ständige Mozartnähe rückte er das B-Dur-Konzert keineswegs. Sicher, da gab es perlende Läufe, glitzerndes Figurenwerk, das an das Genie aus Salzburg erinnerte. Aber in allen drei Sätzen entdeckte Levit auch Beethovens eigene Tonsprache. Großartig abgestuft erklang die lange Kadenz des ersten Satzes. Sensibel und träumerisch gestaltete Levit das Adagio. Auch im schelmischen Schlussrondo waren eigenwillige rhythmische Rückungen auszumachen, und das Zusammenspiel mit dem Orchester funktionierte bestens. Als Zugabe spielte er eine Polka von Dmitri Schostakowitsch, eine ungemein farbig ausgeleuchtete Jahrmarktsmusik, ein Scherz der Extraklasse.

Die dritte Sinfonie von Johannes Brahms bildete den zweiten Teil des Abends. Hengelbrock, auswendig dirigierend, malte mit eleganten Armbewegungen, aber auch mit deutlichen Markierungen eine musikalische Landschaft, in der die genial verarbeiteten Themen ihr Gewicht bekamen.

Leidenschaftlich schon die Exposition im Kopfsatz, schlicht ausgesungen immer wieder die Themen im Andante. Im dritten Satz, dem stimmungsvoll gedeuteten Poco Allegretto, kam Nachdenklichkeit, sogar gelegentlich Schwermut auf. Aufgewühlt und energiegeladen setzte der Chefdirigent der NDR-Sinfoniker den Schlusssatz um. Ein pianissimo ausklingender Satz schien Hengelbrock dann aber offenbar nicht besonders passend als Ende des Konzertabends. In einer kurzen Ansage wies er darauf hin, dass die Uraufführung dieser Sinfonie anno 1883 dem Wiener Publikum gar nicht gefallen hatte. Eine Ausnahme sei der im Saal sitzende Antonin Dvorak gewesen. Deshalb gab es als Orchesterzugabe einen besonders kraftvollen Sinfoniesatz von Dvorak, den Schluss von dessen G-Dur-Sinfonie, der achten, mit Tschingderassassa, aber auch mit der nötigen Eleganz dargeboten.

kd

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