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Ein Sommer für die leichte Muse

Lübeck Ein Sommer für die leichte Muse

Die Lübecker Sommeroperette bietet in diesem Jahr drei Revuen und eine selten gespielte Operette: „Polenblut“ von Oskar Nedbal.

Lübeck. Drei Tenöre eröffnen die Spielzeit der Sommeroperette am Sonntag, 17. Juli, um 14.30 Uhr im Volkstheater Geisler. Das internationale Ensemble, das sich mutig „Les grands Chanteurs“ nennt, besteht seit 2014. Seitdem sind Daniel Schliewa, Ricardo Marinello und Juan Hurtado-Ramirez (bekannt durch die Lübecker Sommeroperette 2015) auf Tournee.

 

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Titelblatt des Notendrucks der Operette „Polenblut“ aus dem Jahr 1913.

Quelle: AKG
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Oskar Nedbals größter Erfolg war die Operette „Polenblut“.

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Titelblatt des Notendrucks der Operette „Polenblut“ aus dem Jahr 1913.

Quelle: AKG

Das Repertoire des Gesangstrios hat eine große Spannweite: die großen Opernhits von Puccini, Verdi und Wagner gehören ebenso zu ihrem Programm wie die Evergreens „O Sole mio“ und „Funiculi funicula“.

Darüberhinaus sind Les grands Chanteurs auf dem Gebiet der Operette zu Hause: bekannte Melodien wie „Dein ist mein ganzes Herz“ oder das melancholische „Wolgalied“ erklingen im Programm, aber auch unvergessene Tonfilmmelodien der 1920er- und 30er-Jahre. Die musikalische Leitung hat Mira Teofilova.

Am 21. Juli geht es dann mit einer Berlin-Revue weiter im Programm der Sommeroperette. „Es gibt nur ein Berlin“ ist der Titel der Produktion, die sich Operette, Chanson und Kabarett widmet. Es erklingt Musik von Komponisten wie Walter Kollo, Ralph Benatzky, Oscar Straus und Paul Abraham. Ihre Kunst, die sich in den ersten drei Jahrzehnten auf Berliner Boden ausformte, ist Geschichte geworden, und ihr Charisma ist bis heute geblieben. Spritzige Musik, Gassenhauer und Evergreens, dazu geschliffene Wortakrobatik und geistreiche Pointen machen diesen Abend aus. Die Revue beginnt um 19.30 Uhr und ist bis zum 4. September zu sehen.

Die Operette „Polenblut“ von Oskar Nedbal wurde in Lübeck zuletzt 1967 am Stadttheater gespielt. Seitdem ist das Werk in Vergessenheit geraten und wird zur Zeit auf keiner deutschsprachigen Bühne gespielt – die Lübecker Sommeroperette wagt sich somit an eine echte Rarität, die Premiere ist am 11. August im Johanneum.

„Polenblut“ war eine der großen Erfolgsoperetten, die in den ersten zehn Jahren nach der Wiener Uraufführung 1913 allein im deutschsprachigen Raum über viertausend Mal auf die Bühne kam. Ein Werk mit sonniger und fröhlicher Musik, mit viel Humor und romantischen Liebesduetten. Die Operette besticht musikalisch durch einen stimmigen Wechsel zwischen kraftvollen Krakowiak-, Mazurka- sowie Polka-Rhythmen, wie auch zauberhaften Walzermelodien. Diese musikalischen Leckerbissen sind eingebettet in ein spannendes Verwirrspiel mit witzigen Dialogen.

„Polenblut“ gehörte einst den berühmtesten und meistgespielten Stücken; dank ihres Ursprunges ein typisches Stück der „silbernen“ Operettenära, in der sich der damalige kosmopolitische Charakter der kulturellen Atmosphäre von Mitteleuropa wiederspiegelte. Der Titel verweist auf „Wiener Blut“ von Johann Strauß, in dessen musikalischem Geist sich Nedbal bewegt.

Heute ist „Polenblut“ wie auch die meisten anderen Werke Nedbals in Vergessenheit geraten – völlig zu Unrecht, denn die eingängigen Melodien haben nichts von ihrem Charme eingebüßt.

Am 5. August hat im Johanneum um 19.30 Uhr die Revue „Spanische Serenade“ Premiere. Sie vereint traditionelle Tänze wie Bolero, Habanera, Tango und Spanischer Walzer mit bekannten Operetten- und Musical-Ausschnitten: feurig und lebhaft präsentiert das Ensemble der Lübecker Sommeroperette die Lebensfreude in einprägsamen Rhythmen und mitreißenden Melodien unter anderem von Franz Lehár, Robert Stolz, Eduard Künneke und Nico Dostal, aber auch Georges Bizet und Conradin Kreutzer aus Werken wie „Carmen“, „Frasquita“, „Clivia“ und „My fair Lady“. Neben Wiederbegegnungen mit der Oper „Das Nachtlager von Granada“ und dem Musical „Der Mann von La Mancha“ erklingen auch Evergreens wie „Granada“ und „Valencia“. Darüberhinaus wird im traditionellen Pausen-Programm die spezielle Form der „Spanischen Operette“, die Zarzuela, vorgestellt, außerdem werden bekannte Schlager der 1970er-Jahre gesungen.

Böhme mit Musik im Blut

Oskar Nedbal (1874-1930) wurde im südböhmischen Tábor – damals in der Monarchie Österreich-Ungarn – als Sohn einer deutsch- und tschechischsprachigen Familie geboren. Nach seinem Studium am Konservatorium in Prag als Schüler von Antonín Dvorák war er von 1892 bis 1906 Bratschist und Organisator des Böhmischen Streichquartetts, um dessen Weltruhm er sich besonders verdient gemacht hat. Nedbal war Mitbegründer und Dirigent der böhmischen Philharmonie und von 1906 bis 1919 Chefdirigent des von ihm gegründeten Wiener Tonkünstler-Orchesters, wo er als Operetten-Komponist gefeiert wurde. Die 1913 in Wien uraufgeführte Operette „Polenblut“ wurde populär und sicherte ihm in der Folge ein ständiges Einkommen durch Tantiemenzahlungen. Nach der Gründung der Tschechoslowakei war er von 1923 bis 1930 Leiter des slowakischen Nationaltheaters in Bratislava. Nedbal starb 1930 nach einem Unfall im Theater von Zagreb.

LN

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