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Kultur im Norden Ein Song für den Serienmörder?
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18:15 18.02.2016
Ein Darsteller kommt als Mörder Haarmann mit Beil auf die Bühne. Quelle: dpa

. Bei Fritz Haarmann verstehen viele Hannoveraner keinen Spaß. Sie diskutierten heftig darüber, ob der Serienmörder mit dem Hackebeil auf einem jährlich erscheinenden Adventskalender auftauchen darf. Im Stadion von Hannover 96 erregte eine Fahne mit Haarmanns Konterfei die Gemüter. Als das Schauspiel Hannover auch noch ein Haarmann-Musical ankündigte, wurden sofort Befürchtungen laut, dies sei keine geeignete Form für den Stoff.

„Bis heute habe ich keine Erklärung dafür gefunden, warum es in Hannover so einen neurotischen Umgang mit diesem Thema gibt“, sagt Lars-Ole Walburg, Intendant und Regisseur des jetzt uraufgeführten Musicals „Amerikanisches Detektivinstitut Lasso“ (das stand auf Haarmanns Visitenkarten). In der Inszenierung fließt kein Blut, es werden keine Körper zerstückelt. Haarmann wurde 1925 für die Morde an 24 Jungen und jungen Männern in Hannover hingerichtet. 

Walburg war erleichtert, als sich der Autor Nis-Momme Stockmann bei der Entwicklung des Stückes von der historischen Figur des Triebtäters und Polizeispitzels wegbewegte. „Nach Filmen wie ,Der Totmacher‘ ist alles gesagt, was die Geschichtsdetails angeht“, meint der Regisseur. So erfährt das Publikum zwar im Programmheft viel über Haarmann, auf der Bühne aber wenig.

Der vielfach ausgezeichnete 34 Jahre alte Dramatiker Stockmann beschreibt das Scheitern eines jungen Mannes am Auftrag, ein Musical über Fritz Haarmann zu schreiben. Der Serienmörder fungiert als Auslöser für Reflexionen über die Wirkung von Kunst, über die eigene politische Haltung in der Flüchtlingskrise oder über Pegida. Zwar gibt es Selbstironie und einige komische Momente. Insgesamt wird jedoch nicht ersichtlich, warum die Akteure Anleihen beim Pathos eines Musicals machen.

Den „unsicher wirkenden jungen Mann“, die Figur des Autors, verkörpern sieben Schauspielerinnen und Schauspieler, oft ein mehrstimmiger Chor. Nur in einer Szene erscheint Haarmann als Phantom mit Hut und weißer Strumpfmaske. In der Hand hält er das Hackebeil. Er ist nicht das Monster, der Unmensch, sondern einer von Tausenden. Stockmann geht es darum zu zeigen, dass wir heute noch wie zu Haarmanns Zeiten das Böse „outsourcen“ statt in uns selber zu suchen. 

Im zweiten Teil spielt der Intendant eine große Rolle. Er verbietet dem Autor das Scheitern am Auftragswerk. Dabei nimmt der Theaterchef Kritik am Stück vorweg. Als er den Vorwurf der „selbstreferenziellen Nabelschau“ erhebt, gibt es Applaus. Am Ende ernten die Schauspieler und das Musiker- Duo Les Trucs Beifall. Für Regisseur und Autor sind einzelne Buhs zu hören.

Christina Sticht

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