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Kultur im Norden Ein Song zur Wahl in Mecklenburg- Vorpommern
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19:12 01.09.2016
Aus Usedom: Jennifer Weist und Johannes Walter. Screenshot: F. Söllner

Kommende Woche erscheint das neue Album der Band Jennifer Rostock um die Sängerin Jennifer Weist, Titel: „Genau in diesem Ton“. Zuvor haben Weist und Pianist Johannes „Joe“ Walter aber noch einen Hit gelandet: Ein Anti-AfD-Video der Band („Willst Du ’ne Partei, die ihre Wähler manipuliert? Die deren Ängste instrumentalisiert?“) wurde seit Dienstagabend mehr als fünf Millionen Mal geklickt. Wir sprachen mit Walter über das Lied mit dem Refrain „Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber“.

Herzlichen Glückwunsch zum Hit auf Facebook. Wie kam es zu dem Video?

Joe Walter: Jennifer und ich waren vor einigen Wochen in Wolgast, um bei der Aktion „Nicht komplett im Arsch“ mitzumachen. Wir sind dort in der Gegend aufgewachsen, und die rechte Szene war omnipräsent. Und ist es nach wie vor. Am Sonntag sind dort Landtagswahlen. Die AfD wird wahrscheinlich mit circa 20 Prozent in den Landtag einziehen. Und wir dachten: Okay, was können wir tun? Einen Song, denn darauf verstehen wir uns am besten.

Der Song, nur begleitet vom E-Piano, kommt fast zärtlich daher, trotz Textstellen wie „Willst Du ’ne Steuerpolitik, die nur dem Großverdiener nützt, dann wähl’ die AfD“.

Walter: Wir wollten kein plumpes AfD-Bashing betreiben. Dass wir die AfD scheiße finden, wissen sowieso alle. Darum wollten wir mal ein paar Fakten präsentieren, so dass der Song sich jetzt als Wahlempfehlung tarnt: Wenn ihr wirklich wollt, dass verwirklicht wird, was in deren Parteiprogramm steht – die Steuererleichterungen für Besserverdienende, der Verzicht auf Mindestlohn, das reaktionäre Familienbild –, dann wählt die AfD.

Steckt dahinter die Vermutung, dass viele AfD-Wähler dieses Programm gar nicht kennen?

Walter: Das hat sich bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt gezeigt: Laut Umfragen wussten 80 Prozent der AfD-Wähler nicht, wofür die Partei wirklich steht, oder interessierten sich sowieso nicht dafür, weil sie rein aus Protest gewählt haben. Sie wissen nicht, dass sie eine Partei wählen, die ihnen ins eigene Fleisch schneidet.

Interview: Stefan Gohlisch

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