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Kultur im Norden Ein Star zwischen Barock und Rock
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18:12 03.11.2016
Daniel Sepec spielt seine Barockgeige.

Es gibt in Lübeck bedeutende Menschen, von denen man gemeinhin wenig Kenntnis hat. Die Musikhochschule ist ein Hort solcher Personen. Wolfgang Sandberger, Professor für Musikwissenschaft und Leiter des Brahms-Instituts, stellt nun einige davon in der Veranstaltungsreihe „Zu Gast bei Brahms“ vor – natürlich in seinem Institut am Jerusalemsberg.

Zuletzt holte sich Sandberger den Geigen-Professor Daniel Sepec in den weißen Sessel der Villa Eschenburg. Schon die Erscheinung des 51 Jahre alten Musikers entlockte dem Publikum ein „Oho!“:

zerknitterter Designer-Anzug, Brillant im Ohr. Sepecs Garderobe darf als modisches Statement verstanden werden, und doch ist er ganz uneitel, das stellte sich im Verlauf des Abends heraus. Dabei könnte sich Sepec als Star präsentieren. Er ist Konzertmeister der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, er tritt regelmäßig als Solist auf, und dann ist er auch noch Teil des prominenten Arcanto-Quartetts mit Antje Weithaas (Violine), Tabea Zimmermann (Viola) und Jean-Guihen Queyras (Cello). Aber darum geht es an diesem Abend zunächst nicht. Wolfgang Sandberger, ein so charmanter wie hartnäckiger Frager, lässt den in allen Epochen versierten Geiger von seinem Traum erzählen, auch noch Gitarre zu lernen. Er habe sich eine Konzertpause verschrieben, um sich mit dem Zupfinstrument zu beschäftigen. Auch die E-Gitarre sei ihm willkommen. Immerhin zählt die Rockband U2 zu seinen Idolen (neben Dawid Oistrach und Itzhak Perlman), und er spielt auch E-Geige – im Ensemble Toxic, das ein Repertoire zwischen Monteverdi und Britney Spears pflegt. Sepec scheut sich nicht, über (kleine) Probleme mit seinem Musiker-Elternhaus und (große) Krisen in der Studienzeit zu reden – seine Studenten im Saal werden es ihm danken.

Eines will Sandberger dann noch genauer wissen: Wie es für Sepec war, auf einer vor kurzem entdeckten Geige Ludwig van Beethovens ein Album einzuspielen. „Es war die leiseste Geige, die ich je gespielt habe“, sagt der Musiker ohne Ehrfurcht, bevor er seine eigene Barockgeige zur Hand nimmt und mit großer Konzentration eine Solo-Passacaglia von Heinrich Ignaz Franz Biber vorträgt. Das Publikum ist hingerissen.

Der nächste „Gast bei Brahms“ ist die Sopranistin Manuela Uhl: Mittwoch, 7. Dezember, 19 Uhr, Brahms-Institut.

mib

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