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Kultur im Norden Ein Stück Gottes- und Welttheater
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19:16 14.12.2015
Ulrike Gast, Kantorin an St. Jakobi Lübeck, leitete die Händel-Aufführung. Quelle: Silz & Silz

Es muss nicht immer das Weihnachtsoratorium sein, wenn in der Adventszeit die großen Kirchen gefüllt sein sollen. Das gleiche Ergebnis erzielte Ulrike Gast in St. Jakobi mit Georg Friedrich Händels „Messias“.

Gegeben wurde allerdings „The Messiah“, will sagen, Händels bekanntestes Oratorium in der englischen Originalsprache. Den Vorteil sieht man vielleicht nicht auf den ersten Blick, weil es eine gute deutsche Übertragung gibt. Insbesondere bei der Vertonung der Arien ist Händel aber sehr genau dem Sprachduktus seiner Wahlheimat gefolgt. Im Programmheft standen beide Versionen untereinander. Also keine Schwierigkeit, das Geschehen zu verfolgen.

Der Satz klingt abgedroschen, trifft aber hier zu: Ulrike Gast lieferte mit der Jakobi-Kantorei, dem Hamburger Barockorchester Elbipolis und einem ausgezeichneten Solistenquartett eine Aufführung aus einem Guss. Dabei hatte sie beherzt Striche im zweiten und dritten Teil angebracht und kam, ganz kurz unterbrochen nur ein einziges Mal zum Nachstimmen der Instrumente, auf exakt zwei Stunden. Zwei sehr kurze Stunden, wie man hinzufügen muss. Das setzte voraus, dass die Tempi zügig genommen wurden. Trotzdem wurde das Händelsche Gottes- und Welttheater nicht überhastet dargeboten.

Die Geschichte der Entstehung des Werkes ist bekannt. Händel war finanziell und gesundheitlich am Ende. Angeblich wollte er England verlassen, als er im Jahre 1741 eine Einladung nach Dublin erhielt.

In einem Schaffensrausch von dreieinhalb Wochen schrieb er das Meisterwerk auf biblische Texte, das bis heute zumindest in der Beliebtheit beim Publikum die Liste seiner Erfolge anführt.

Die Jakobi-Kantorei sang nirgendwo dick oder breiig. Der Chorklang kam präzise, transparent, vor allem immer wieder glasklar und trotzdem beseelt in den Fugen. Ulrike Gast hatte die Tempowechsel zwischen schweren langsamen Takten der Einleitungen und den sofort folgenden rhythmisch schwungvollen Chorteilen gut herausgearbeitet. Der Chor zeigte zudem, dass man für dieses Werk keine Hundertschaften an Sängern braucht, um Betonungen aufzubauen. Ebenso passte sich der Klang der historischen Instrumente dem schlanken, beweglichen Musizierstil an. Elbipolis bewies Sicherheit und Geschmack. Selbst die Trompeten, die immerhin erst nach 90 Minuten den ersten Einsatz hatten, klangen sauber und intonationsrein.

Die Solisten überzeugten ebenfalls. Der Sopran von Miriam Meyer stand klar im Raum, verströmte Innigkeit bei der Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“ beziehungsweise „I know that my redeemer liveth“. Das kleine Vibrato in der Höhe klingt angenehm. Mit großem Atem und ausdrucksstarker Stimme gestaltete Juliane Sandberger die umfangreiche Altpartie, Wärme und Kraft verbindend. Forsch und kräftig kamen die Tenor-Arien von Benjamin Glaubitz; auch bei ihm saßen die Koloraturen sicher. Für Dramatik bei den Arien war insbesondere Klaus Mertens, ein ausgezeichneter Oratorienbass, zuständig. Bis zu den Schlussfugen verlor die Aufführung nichts von ihrer Intensität und Spannung. Es gab verdientermaßen jubelnde Zustimmung im großen Auditorium. Konrad Dittrich

LN

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