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Kultur im Norden Ein Superstar in Lübeck
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17:35 27.08.2018
Anna Netrebko und Dirigent Jader Bignamini. Quelle: Axel Nickolaus
Lübeck

Es war einer dieser magischen Abende, von denen man sich wünscht, sie mögen nie enden. Der Auftritt von Anna Netrebko bei der Abschlussgala des Schleswig-Holstein Musik Festivals in der Lübecker MuK war eine Sternstunde der Gesangskunst, wie man sie nicht oft erlebt.

Man hat Anna Netrebko vorschnell in die Garde berühmter Sopranistinnen eingereiht, die vor allem aufgrund ihres guten Aussehens Karriere gemacht haben. Anna Moffo und Julia Migenes waren Beispiele für diesen Sängerinnen-Typus. Und jetzt Anna Netrebko? Nach dem, was sie bei der Gala zu bieten hatte, kann man nur sagen: Mitnichten.

Eine strahlende Höhe hatte die Stimme von Anna Netrebko immer. Aber im Laufe der Jahre hat sich ihre Stimme entscheidend weiterentwickelt. Sie verfügt heute über weitaus mehr Kraft in der mittleren und tiefen Lage, ihr Piano ist standfester geworden, insgesamt klingt die Stimme dieser Sängerin wärmer und voller als früher. Anna Netrebko trat gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Tenor Yusif Eyvazov, sowie der NDR Radiophilharmonie unter Jader Bignamini und dem Festival Chor auf. Große „Hits“ des Belcanto aus Opern von Verdi, Puccini und Mascagni waren zu hören, ein ausgesprochen eingängiges Programm.

Schon die erste Arie von Anna Netrebko, „Nel di della vittoria“ aus Verdis „Macbeth“ riss das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Mit großer Emotion und schon fast Gewalt in der Stimme sang sie diese Arie, ein eindrucksvolles erstes Beispiel für ihr Können. Yusif Eyvazov hatte bei seinem ersten Auftritt mit der Arie des Manrico „Ah si, ben mio“ leichte Probleme, sich gegen Chor und Orchester durchzusetzen, seine Stimme klang zudem leicht belegt. Im späteren Duett von Otello und Desdemona „Già nella notte densa“ mischten sich die beiden Stimmen nicht immer optimal. So höhensicher der Tenor auch war, konnte er nicht in allen Lagen überzeugen.

Für Chor und Orchester standen auch bewährte Gala-Schmankerl auf dem Programm. Der Gefangenenchor aus „Nabucco“ darf bei solchen Gelegenheiten nicht fehlen, der Triumphmarsch aus „Aida“ erst recht nicht. Dazu hatte der Dirigent die Spieler der Aida-Trompeten in den ersten Rang beordert. Eine schwungvolle Wiedergabe folgte, während der Gefangenenchor äußerst verhalten begann und erst zum Ende hin seine Kraft entfaltete.

Nach der Pause erklangen dann Arien, Duette und Chöre von Puccini und Mascagni. Anna Netrebko bezauberte das Publikum in der restlos ausverkauften MuK mit einer traumhaft schönen Arie „Vissi d’arte“ aus „Tosca“, hier war Sangeskunst der höchsten Kategorie zu erleben. Auch die Arie der Butterfly „Un bel di, vedremo“ gelang der Sopranistin wunderschön. Sie verstand es, die Stimmungen ihrer Arien so ausdrucksvoll zu gestalten, dass ein emotionaler Sog entstand, dem man sich als Zuhörer kaum entziehen konnte. Anna Netrebko ist zur Zeit offenbar in der Form ihres Lebens, es gibt keinen Grund, an der Qualität dieser Stimme zu zweifeln.

Yusif Eyvazov, der all die großen Gesten beherrscht, die man von einem Tenor erwartet, nahm das Publikum mit seinem Charme für sich ein, weniger durch seine Stimme. Für ihn hatte man das berühmte „Nessun dorma“ aus „Turandot“ ins Programm genommen, mit dem sich jeder Tenor gerne schmückt. Er traf die Spitzentöne sauber, die Stimmführung jedoch war zuweilen unsicher.

Aber das störte das Publikum nicht. Am Ende gab es Ovationen im Stehen und Bravos ohne Ende. Ein Glanzpunkt zum Abschluss des Festivals.

Jürgen Feldhoff

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