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Ein Sympathieträger und Souverän

Lübeck Ein Sympathieträger und Souverän

Leonard Bernstein Award für den Cellisten Kian Soltani. Beim Preisträgerkonzert wird er als neuer Star gefeiert.

Lübeck. Kian Soltani erobert die Sympathie der Konzertbesucher mit einem Lächeln. Als er auf die Bühne in der Lübecker Musik- und Kongresshalle kommt, vor dem Festivalorchester Platz nimmt und sein Cello ins Stellung bringt, wird deutlich: Hier begibt sich ein junger Musiker an die Arbeit, der darauf brennt, sein Können unter Beweis zu stellen. Der Österreicher lacht so gewinnend wie sein Landsmann Martin Grubinger, er macht sich so überlegen ans Werk wie der chinesische Pianist Lang Lang.

 

LN-Bild

Kian Soltani (25) beim Preisträgerkonzert.

Quelle: Foto: Axel Nickolaus

Beide Musiker sind Vorgänger von Kian Soltani – als Träger des Leonard Bernstein Award. Für den Preis des Schleswig-Holstein Musik Festivals war Soltani von Dirigent Christoph Eschenbach vorgeschlagen worden, der nun auch am Pult des Orchesters steht. Das Cellokonzert von Antonín Dvorák hat sich Soltani für das Preisträgerkonzert gewünscht, er hat es schon oft aufgeführt – eine sichere Bank, aber auch ein Bravourstück, das hohe Anforderungen an Instrumentaltechnik und Musikalität stellt.

Der Solist lässt zunächst den Wogen des Orchesterklangs den Vorrang, um dann kraftvoll selbst in See zu stechen. Den Blick nach innen, die Sinne auf den sinfonischen Verlauf gerichtet, tritt Soltani ein in einen feinsinnigen Dialog mit dem Klangkörper. Wenn im Adagio der Sturm der Bläser ausbliebt, facht er selbst ein Brise an. Im Finale tanzt er dem Orchester etwas vor, seine Gelassenheit wirkt nun fast ein wenig selbstgefällig.

Das Publikum feiert den jungen Souverän. Und es feiert ihn noch mehr nach der Zugabe: Soltani hat selbst ein Stück für die Cellisten und einen Bassisten des Orchesters arrangiert, das Dvorák-Lied „Lass mich allein“, das der Komponist im Cellokonzert als Gruß an seine verstorbene Schwägerin zitiert – seine Jugendliebe. Innig trägt er den Solopart vor, als Stimme des heimlich Trauernden.

Die Preisverleihung gerät dann wieder einmal etwas verkrampft. Ein Vertreter des Sparkassen- und Giroverbandes rühmt Preis, Preisträger und den Namensgeber, schließlich stellt die Finanzgruppe das Preisgeld von 10000 Euro bereit. Leonard Bernsteins Sohn Alexander steht etwas verloren zwischen den Laudatoren, darf dann aber ein paar Sätze der Begeisterung äußern. Allein SHMF-Intendant Christian Kuhnt rettet die Situation mit der launigen Offenbarung, er habe in Soltanis Spiel „einen Geschichtenerzähler“ gehört. Ein Moderator fragt den Geehrten dann noch, wovon er träume. „Im Moment vom Bier danach“, ist die Antwort. Gelächter im Saal. Und was sei ihm wichtig? „Das Bier davor.“

So souverän, wie Soltani mit den Orchester spielt, spielt er auch mit dem Publikum. Er hält durchaus auch ernsthafte Antworten bereit. Dass ihm Gemeinschaft wichtig sei zum Beispiel, weil die Aufführung von Musik nur unter Mitmenschen Sinne mache. Auch für solche Sätze wird er gefeiert von einem Publikum, das dankbar einen neuen Star am Klassik-Himmel erleben durfte.

Michael Berger

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