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Kultur im Norden Ein Tatort, den niemand unangetastet verlässt
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18:28 09.07.2016

Das Unheil kündigt sich mit dem Einsetzen der Musik an, es lauert zwischen den Tönen, zuckt auf und duckt sich wieder, der Rhythmus treibt es heraus, und die Bläser verkünden schmetternd sein Nahen. Der Untergang von Macbeth und Lady Macbeth ist vom ersten Takt an besiegelt. Das Publikum auf Gut Hasselburg hatte am Freitagabend das Vergnügen, zu erleben, wie eines der mörderischsten Paare der Literaturgeschichte dem Wahnsinn verfällt.

Tobias Moretti liest den Macbeth in „Tatort Shakespeare“. Quelle: Schlemmer

Der Filmkomponist und Jazzpianist Colin Towns hat Shakespeares blutrünstiges Drama „Macbeth“ in Musik übersetzt. Jetzt hat der bleistiftdünne Brite seine schaurig- schöne Thrillermusik für das SHMF mit der NDR-Bigband sowie den Schauspielern Tobias Moretti und Susanne Wolff als musikalische Lesung „Tatort Shakespeare“ auf die Bühne gebracht. Die Inszenierung lag in der Hand des langjährigen ehemaligen Intendanten der Royal Shakespeare Company, Terry Hands. Und sie war ein Ereignis. Die Musik, treibend und brodelnd wie der simmernde Irrsinn Macbeth’, bereitet der Lesung eine akustische Kulisse und bannt die Zuhörer in die düster-unheilvolle Atmosphäre der Tragödie. Der Text, von Moretti und Wolff als Dialog in Auszügen gelesen, leuchtet das Geschehen aus. Dennoch gelingt es den beiden faszinierenden Schauspielern, ihre Figuren allein aus der Lektüre als fesselnde Charaktere zu materialisieren.

Tobias Moretti ist als Schauspieler eine Urgewalt, agiert in jeder einzelnen Sekunde mit ungeheurer Präsenz als Macbeth: In irrem Impuls würgt er eine zuvor auf ex geleerte Wasserflasche zur Kleinteil-Plastik, quetscht seine Seelenqual aus den Stimmbändern in einen endlosen Ton. Susanne Wolff, eine skrupellose Königsmacherin und -gattin, treibt, stichelt, schmeichelt und wütet, um sich zuletzt in schuldhaften Blutfantasien zu verlieren. Die Instrumente untermalen den galoppierenden Wahnsinn wie imaginäre Stimmen, flüstern, zetern, säuseln, schreien und beschwören den Untergang herbei. Den „Tatort Shakespeare“ verlässt an diesem Abend niemand unangetastet. Regine Ley

LN

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