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Kultur im Norden Ein Wanderer zwischen den Kulturen
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18:10 27.07.2018
Lübeck

„Georges Adéagbo ist ein Sammler und ein Wanderer zwischen den Kulturen“, stellt Oliver Zybok, Direktor der Overbeck-Gesellschaft, den international renommierten Künstler aus dem westafrikanischen Staat Benin vor. Der 76-Jährige pendelt zwischen seiner Heimat und Hamburg. Für die Ausstellung in St. Petri hat der Künstler gut 1500 Einzelstücke zu Werkgruppen an Wänden und auf dem Fußboden liegend oder stehend angeordnet. 200 Fundstücke stammen aus Lübeck und der Region, dokumentieren Vergangenheit und Gegenwart. Weitere Installationen befinden sich in Vitrinen im Raum.

Georges Adéagbos Kunst ist es, vertraute Gegenstände aus ihrem gewohnten Kontext zu lösen und sie neu zu arrangieren, so dass sie dem Betrachter plötzlich in einem neuen Licht erscheinen. Die Mischung aus Büchern, Zeitschriften, Bildern, Figuren und banalen Alltagsgegenständen und von ihm verfassten Texten lösen Assoziationen aus. Adéagbo begreift seine Ausstellungen auch als eine Art Schule, in der der Besucher etwas lernen könne – über die Welt und Gott. Adéagbo erläutert auf Französisch und sein Ausstellungsleiter Stephan Köhler übersetzt: „Kunst macht spirituelle Dinge sichtbar.“

Für seine Ausstellungen recherchiert Georges Adéagbo stets vor Ort. In St. Petri tauchte er ein in die spezielle Atmosphäre, wollte den Geist erspüren. Denn ihm sei es ein Anliegen, dass dieser nicht von seinen Installationen überrumpelt werde. In der Apsis, in unmittelbarer Nähe zum Altarkreuz des österreichischen Künstlers Arnulf Rainer, hat er an den Wänden und auf dem Fußboden weitere Kreuze angeordnet: aus Teppichen, Büchern, Zeitschriften, Plattencovern, Bildern, Fundstücken und Flohmarktutensilien. Mehrere Tage hat Georges Adéagbo im Januar und im Mai dieses Jahres in Lübeck verbracht – sammelte Eindrücke und Gegenstände, darunter auch Ausgaben der Lübecker Nachrichten. Alles, was ihm in oder vor den Kirchen Lübecks, den Museen, den Straßen und Geschäften auffiel, hat er entweder mitgenommen – wie etwa einen verwaisten rosafarbene Badeanzug am Ratzeburger See oder eine Tüte von Oxfam – oder die Objekte fotografiert. Seine Fotos sind die Grundlage für ein Team von Künstlern und Kunsthandwerkern, mit denen er in seiner Heimatstadt Cotonou zusammenarbeitet. Diese fertigen für seine Collagen Malereien oder Schnitzereien an: So erscheint beispielsweise die berühmte Lübecker Stadtsilhouette auf einem in Benin geschnitzten Holzrelief in der Ausstellung.

Wer sich dem Werk Georges Adéagbos nähert, braucht Zeit, um seine französischen Texte zu lesen und zu verstehen. Wer offen ist, entdeckt in dem nur scheinbar wahllosem Sammelsurium die absichtsvolle Darstellung gesellschaftlicher und globaler Konflikte. Adéagbo bezeichnet sich selbst gerne als Archäologen, der die Kunst als Mittel der Kommunikation gewählt habe – Kunst sei eine Möglichkeit, mit seinem Gegenüber zu sprechen, ohne zu Feinden zu werden.

Vernissage am So 17 Uhr, Ausstellung bis zum 26. August, geöffnet Mo bis So 11 bis 16 Uhr.

Von Dorothea Kurz-Kohnert

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